Alles hart, aber herzlich: Annaberger Gebirgsfighter

Wenn der Stadtsportbund heute seine Jahresversammlung abhält, darf er neue Mitglieder begrüßen. Die sind schlagfertig.

Annaberg-Buchholz.

Der Name klingt kriegerisch: Gebirgsfighter. Zart besaitet wollen sie auch nicht sein. Doch wer hinschaut, wenn sie in ihrer neuen Trainingsstätte üben, entdeckt eher ein familiäres Klima. Jugendliche trainieren mit Erwachsenen, Frauen mit Männern, Kickboxer mit klassischen Faustkämpfern. "Derzeit sind wir 28 männliche und 18 weibliche Mitglieder im Alter zwischen 13 und 44 Jahren", sagt Vereinsvorsitzender Roberto Heinrich. Inzwischen ist sein nahezu unbemerkt gewachsener Klub Mitglied im Stadtsportbund und auch im Landesverband Sachsen.

Die Kreisstädter, die in Buchholz begonnen hatten, verwiesen bereits auf einige starke Einzelkämpfer in ihren Reihen. Medaillen zu den Saxony Open und zum Deutschlandcup zeugen davon. Allerdings ist die Teilnahme an Wettkämpfen bei ihnen freiwillig. "Uns ist wichtiger, dass die Leute Spaß haben, ihre Körper stählen und sich im Notfall verteidigen können", erklärt Heinrich, der mit seiner Frau Kristin und Trainer Denny Bräuer die Fäden in den Händen hält. Mit dem einstigen Leistungssportler René Suetovius, der im Trikot des SC Chemie Halle fünfmal DDR-, einmal Europameister und Olympiateilnehmer war, haben sie einen wahrhaftigen Experten für das klassische Boxtraining in ihren Reihen. Ansonsten widmen sich die Annaberger eher den Kickdisziplinen mit Punkt-, Leicht- und Vollkontakt. "Mal geht es nur ums touchieren, mal ist nur der Oberkörper Trefferfläche, mal der ganze", erklärt Heinrich. Grundsätzlich aber sei Kickboxen Vollkontaktkampfsport. Wer will, der dürfe dies natürlich probieren, trainieren und im Wettkampf zeigen, so der einstige Taekwondo-Kämpfer.

Um die zahlenmäßig steigende Interessensgemeinschaft unter einen Hut zu kriegen, sind die harten Mädels und Burschen in ein Gebäude an der Adam-Ries-Straße 29 umgezogen. Dort haben sie sich ein Domizil auf 220 Quadratmetern geschaffen, das nur in Socken betreten wird. Auf Teppichboden, zwischen hell getünchten Wänden, Seilen, Boxsäcken und dem Umkleidebereich fühlen sie sich sichtlich wohl. "Seit den Anfängen in unserem Club, das war vor sechs Jahren, haben wir rund 12.000 Euro investiert", sagt Heinrich. "Nach und nach wurden das Interieur beschafft, der Umbau gestemmt und die Trainerlizenzen erworben", fügt der 40-Jährige an. Seine Truppe habe sich im Laufe der Zeit alles selbst aufgebaut. "Nur vom Geld aus den Mitgliedsbeiträgen und durch Spenden. 2012 haben wir uns dann als Verein eintragen lassen", erzählt er.

Bei den Heinrichs ist häufig die gesamte Familie zugange. Roberto bringt seine Frau und den 14-jährigen Lucca mit ins Training. Dazwischen wuselt schon die achtjährige Lina umher. "Unsere Kleine ist noch nicht im Verein. Wir nehmen so ab 13 auf", sagt der Chef, der durch die Schichtarbeit als Anlagenfahrer bei Norafin zusätzlich eingespannt ist. Für den Sport aber hat er sogar einen Leitungsjob an den Nagel gehängt.

Wenn alle ihre viereinhalb Meter langen Bandagen geschnürt haben, gibt die Kommandos in der Halle oft Denny Bräuer - so wie als Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr. Am Ende ihrer Entwicklung sehen sich die Gebirgsfighter aber längst nicht. "Nächstes Jahr wollen wir Selbstverteidigungs- und Kindertraining anbieten", so Bräuer. Alles hart, aber herzlich - und etwas neues für den Stadtsportbund.

Der Stadtsportbund tagt heute im Vereinsheim des ESV Buchholz. Beginn: 19 Uhr.

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