Als Bayer 04 im Feld der Besten

Wie überall in Sachsen liegen auch im Erzgebirge die Fußballplätze brach. Gekickt wird trotzdem. Allerdings nicht auf dem grünen Rasen, sondern am Bildschirm.

Erzgebirgskreis.

Virtueller Fußball boomt - das hat der Sächsische Fußballverband (SFV) erkannt und deshalb mitten in der Corona-Krise den Finish-It-Cup ins Leben gerufen. Gekürt werden soll der beste Fifa-Spieler des Freistaates - die Fifa-Reihe des kanadischen Branchenriesen EA Sports ist der Marktführer im Bereich Fußball-Videospiele. Mitmachen dürfen allerdings nur Akteure, die einem Verein angehören.

Vom Kreisligisten FSV Zwönitz gingen vier Spieler an die Konsole, von denen drei die Ausscheidungsrunde überstanden und in die Gruppenphase eingezogen sind. Darunter Marvin Rintschwentner, der vor der Saison vom EFV Tannenberg zum FSV wechselte und sich mit fünf Treffern bis zur Aussetzung des Spielbetriebs gleich prima einführte. An der Playstation kegelte er zunächst einen Spieler des VFC Plauen aus dem Wettbewerb und erreichte damit die Gruppenphase. Die bestand aus 64 Dreiergruppen, aus denen sich jeweils der Erste für die K.o.-Runde qualifiziert hat. Mit 11:2 Treffern schaffte Rintschwentner am späten Montagabend auch dies - als einziger aus dem Zwönitzer Quartett. Seine Teamkollegen Rocco Neukirchner und Alex Drummer blieben in ihrer Gruppe stecken, Toni Piefke hatte schon in der Ausscheidungsrunde die Segel streichen müssen. "Schade für die Jungs. Aber unser Mannschaftsziel, einen Spieler in die K.o.-Runde zu bringen, haben wir erreicht", so der 23-jährige Rintschwentner. Weiter geht es für ihn am Mittwoch mit der Begegnung gegen Ben Kettenbeil vom SV Eintracht Leipzig Süd im Feld der 64 Besten.

Wie es während der Corona-Krise und den damit verbundenen Schutzmaßnahmen naheliegt, kommen die Teilnehmer an dem Turnier nicht etwa an einem zentralen Ort zusammen, sondern spielen von zuhause aus. Marvin Rintschwentner schlüpft dabei stets in die Farben von Bayer Leverkusen, auch wenn die Qualitäten von Kai Havertz, Karim Bellarabi und Co in diesem Fall nicht zum Tragen kommen. Denn gezockt wird ausschließlich im sogenannten 85er-Modus von Fifa, in dem - der Fairness halber - alle Spieler denselben Stärkewert, eben 85, haben.

Zum Thema E-Sport hat Rintschwentner, der 2005 mit Fifa angefangen und seitdem "viele Spielstunden" investiert hat, eine positive Meinung. "Für mich ist das Entscheidende, dass man sich wirklich verbessern kann, wenn man Zeit und Energie reinsteckt. Und auf hohem Niveau ist die Anstrengung gerade im mentalen Bereich extrem", sagt er. Dass es Leute gibt, die E-Sport den Status einer Sportart generell absprechen, könne er dennoch nachvollziehen. Er selbst interessiere sich vor allem für Sportspiele - Fußball, aber auch für Basketball und American Football. Mit dem Rest könne er nicht so viel anfangen. Zur Erklärung: Zu den Genres, in denen weltweit E-Sport-Wettkämpfe ausgetragen werden, zählen nicht nur diese, sondern unter anderem auch Echtzeitstrategiespiele und Ego-Shooter.

Mit fünf Mann ist der TSV Schlettau in den Finish-It-Cup gestartet. Der Verein aus der 1. Kreisklasse hat ein richtiges Event aus der Teilnahme gemacht, hält seine Fans nicht nur per Facebook auf dem Laufenden, sondern streamt die Partien sogar auf Youtube. Mit Philipp Böl, Nico Starke und Martin Seefeld erreichte ein Trio immerhin die Gruppenphase, die dann aber für alle Endstation war. Zweimal im Jahr spiele man vereinsintern einen Sieger aus, ansonsten sei die Zockerei für ihn in erster Linie ein schönes Hobby, sagt Seefeld. "Ein Ersatz für den richtigen Fußball ist es nicht. Am Ende des Tages stehe ich lieber auf dem Platz", sagt der 37-Jährige. Auch Marvin Rintschwentner würde, bei aller Liebe zum E-Sport, gern auf dem echten grünen Rasen wieder um Punkte kämpfen. "Es juckt gewaltig in den Füßen", sagt er. Doch wann - und ob überhaupt - die Saison fortgesetzt wird, weiß aktuell niemand.

Für den SFV ist der Finish-It-Cup keineswegs nur ein Reflex auf die Corona-Krise - das Turnier hätte auch so stattgefunden. "Wir beschäftigen uns schon länger mit E-Sport, er ist bei uns thematisch verankert", sagt Verbandssprecher Alexander Rabe. Ohne die Restriktionen, die die Pandemie mit sich bringt, wäre der Ablauf allerdings wohl ein anderer gewesen. "Nicht als Online-Turnier, sondern an einem zentralen Ort. Das ist unser Wunsch nun für die kommenden Auflagen", so Rabe. Mit der Beteiligung bei der Premiere zeigte er sich zufrieden, auch mit der Zahl der Vereine. "Von 900 Vereinen haben sich 85, also knapp ein Zehntel, beteiligt. Fürs erste Mal ist das ganz gut. Vor allem, wenn man bedenkt, wir kurz die Anmeldefrist war."


Zahlen und Fakten zum Finish-It-Cup

Beim Finish-It-Cup sind 327 Spieler aus 85 Vereinen an den Start gegangen. Für die zweite Runde - einige per Freilos - wurden die 192 verbliebenen Spieler auf 64 Dreiergruppen aufgeteilt. Seit Freitagabend ermitteln sie in Hin- und Rückspielen die Gruppensieger.

Das Erzgebirge ist bei der ersten Auflage des Finish-It-Cups im Vergleich zu anderen Regionen des Freistaates etwas unterrepräsentiert. So treten beispielsweise 33 Spieler aus westsächsischen Vereinen bei dem vom Sächsischen Fußballverband organisierten Turnier an, aber nur 21 aus dem Erzgebirgskreis.

Der TSV Schlettau stellt mit fünf Aktiven die meisten, gefolgt vom FV Preßnitztal und dem FSV Zwönitz mit je vier Teilnehmern. Die übrigen Akteure verteilen sich auf die ISG Satzung, den TSV Geyer, den FC Lößnitz (je zwei) sowie den FSV Mitteldorf und den SV Adorf/E. mit je einem.

Die Runde der K.o.-Spiele mit den letzten 64 Spielern startet am jetzigen Mittwoch ab 18 Uhr. Danach geht es mit Sechszehntel-, Achtel-, Viertel- und Halbfinale weiter.

Die Endspiele sind für den 9./10. Mai anberaumt. Den Spielplan gibt's im Internet. (mas)www.sfv-online.de

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