Andreas Bayerschmidt kehrt in den Kasten des EHV Aue zurück

Der Handball-Zweitligist empfängt heute in der Erzgebirgshalle in Lößnitz den TV Emsdetten zu einem Kellerduell. Zuvor warteten die Gastgeber gestern aus der Not heraus mit einer Überraschung auf.

Lößnitz.

Nachdem im Verlauf dieser Woche bereits Fußball-Zweit- ligist FC Erzgebirge Aue mit der Neuverpflichtung eines Torhüters für eine Menge Aufsehen gesorgt hatte, haben gestern auch die Zweitliga-Handballer des EHV Aue mit einem Neuzugang zwischen den Pfosten überrascht. Mit Andreas Bayerschmidt holten sie vor dem so wichtigen Heimspiel heute ab 19 Uhr in Lößnitz gegen den TV Emsdetten einen alten Bekannten zurück.

Während bei den Fußballern mit nunmehr vier Keepern zahlenmäßig allerdings eher ein Überangebot herrscht, sahen sich die Handballer aus einem personellen Notstand heraus zum Handeln gezwungen. "Es ist ein echter Schock gewesen." So beschreibt EHV-Trainer Maik Handschke die Situation, als er erfuhr, dass vor dem Kellerduell des Vorletzten mit dem Drittletzten sowohl Robert Wetzel als auch Erik Töpfer ausfallen. Wetzel war im Training umgeknickt und fehlt heute definitiv. Töpfer lag mit einer Angina flach. Bei ihm besteht zumindest die Hoffnung, dass er halbwegs einsatzfähig wird.

"Aber wir mussten natürlich etwas tun", berichtet Co-Trainer Stephan Swat. So kam man auf Andreas Bayerschmidt. Laut EHV-Manager Rüdiger Jurke liegt die Spielgenehmigung für Bayerschmidt seit gestern Nachmittag vor. Der 39-Jährige stand bereits von 2001 bis 2005 für den EHV zwischen den Pfosten. Dann kehrte er auf eigenen Wunsch zurück in seine Heimat. Mit dem HC Erlangen stieg der Torhüter 2014 in die erste Liga auf. Nach dem Abstieg 2015 wechselte er zum Dritt- ligisten SV Auerbach in die Oberpfalz. "Im Sommer hat er seine Karriere eigentlich beendet", berichtet Jurke, der trotzdem volles Vertrauen in den Routinier hat. Die Auer sind Bayerschmidt dankbar, dass er zumindest für die nächsten Spiele einspringt. "Er kennt uns und ist uns sehr verbunden, sonst hätte er das nicht gemacht. Natürlich hoffen wir, dass unsere Torhüter so schnell wie möglich wieder fit werden."

Gestern Abend zum Abschlusstraining in der Erzgebirgshalle war Bayerschmidt bereits mit dabei. Er bestätigte, dass die guten Kontakte den Ausschlag gaben. "Stephan Swat hat als Erster vorgefühlt, und am Ende wurde mir nicht viel Bedenkzeit gelassen", berichtet der Franke und schmunzelt. Er habe das verstanden und sich in wenigen Stunden entschieden. "Der EHV hat eine echte Notlage, und aus alter Verbundenheit mache ich das", erklärt der 39-Jährige und ergänzt: "Die Situa- tion ist, wie sie ist, damit kann ich umgehen. Dafür bin ich lange genug dabei gewesen."

Ganz kalt lässt ihn der Gedanke daran, heute Abend wieder im Kasten zu stehen, indes nicht. "Das zu behaupten, wäre gelogen. So eine Art Einsatz ist ja eine komplett neue Erfahrung für mich. Aber ich lasse das auf mich zukommen und versuche, der Mannschaft zu helfen." Daheim hat er sich im Internet auch schon ein wenig mit dem TV Emsdetten beschäftigt. Gestern wurde der Crashkurs dann beim EHV mit Videoanalyse und Training fortgesetzt. "Ansonsten lasse ich mich überraschen", so Bayerschmidt, der bei einem großen Elektronikunternehmen im Bereich Projektmanagement einen Vollzeit-Job hat. Gestern begann er extra früher mit der Arbeit, um rechtzeitig im Erzgebirge zu sein, und heute hat er Urlaub genommen. "Die Rede war von den nächsten beiden Spielen. Viel mehr geht auch gar nicht", sagt der Franke zur Dauer seines Engagements.

Maik Handschke musste als Trainer einige Male miterleben, wie Andreas Bayerschmidt gegnerischen Spielern den Schneid abkaufte. "Er hat über viele Jahre gezeigt, dass er ein starker Keeper ist. Ich habe die Hoffnung, dass er uns gerade mit seiner Erfahrung und seiner Ausstrahlung schon morgen gegen Emsdetten hilft", sagt der EHV-Coach. Denn die beiden Punkte müssen her, da sind sich im Auer Lager alle einig. "Und ich bin optimistisch, dass uns das gelingt. So wie die Mannschaft trotz der Probleme die ganze Woche diese Aufgabe angegangen ist. Es war ein echter Ruck zu spüren. Nun müssen wir das nur noch im Spiel rüberbringen, die richtige Mischung aus Kampf und Lockerheit finden", blickt Handschke voraus.

Stephan Swat ist ebenfalls froh, dass trotz der angespannten Situa- tion keiner den Kopf hängen lässt. "Denn gegen Emsdetten muss sich jeder von uns voll reinhauen, auch für seinen Nebenmann." Immerhin stehen die Gäste um den einst als Handballer sehr erfolgreichen Trainer Daniel Kubeš aus Tschechien genauso unter Druck. Sie haben nur einen Zähler mehr auf dem Konto als der EHV. Zuletzt unterlagen sie daheim Ferndorf und auswärts Nordhorn-Lingen jeweils nur mit einem Tor Unterschied. Besonders aufpassen sollten die Auer zum Beispiel auf Linksaußen Oddur Gretarsson. Der Isländer traf beim bisher einzigen Sieg der Westfalen, dem 33:23 über Konstanz, immerhin zehnmal.

Große Hoffnungen setzen Spieler und Verantwortliche des EHV heute Abend auch auf die Macht der Fans. Rüdiger Jurke hatte sich schon nach der Heimpleite gegen N-Lübbecke mit einem emotionalen Appell an die Anhänger gewandt. "Dass wir Scheiße gespielt haben und dass wir unzufrieden sind mit dem Saisonstart, das weiß jeder. Aber ich denke, gerade da zeigen sich die wirklichen Zuschauer. Als wir in den vergangenen Jahren Sonnenschein hatten, da war es einfach. Jetzt haben wir mal Regen - und es regnet richtig." Er würde sich freuen, wenn die Fans in dieser schwierigen Phase zeigen, wie sehr sie hinter der Mannschaft stehen. Gestern legte Jurke nach: "Diesmal sind keine 30 Grad, und es ist kein schönes Wetter, also hoffe ich, dass wir die Halle möglichst voll bekommen. Und vor allem, dass die Zuschauer unserem Team helfen. Gerade wenn die Jungs nervös sind, brauchen sie jede Unterstützung."

Es sei eines dieser berühmten Vier-Punkte-Spiele. "Wer diese Partie verliert, der bleibt wohl länger da unten drin", sagt der Manager, der unterdessen auch an die Auer Handballer eine unmissverständliche Forderung hat: "Nach der Blamage zu Hause gegen N-Lübbecke haben sie natürlich etwas gutzumachen."

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