Anna-Maria Dietze macht Urlaub daheim - aber ohne Verschnaufpause

Von ihrem College in den USA ist Anna-Maria Dietze für einige Tage ins Erzgebirge zurückgekehrt. Zeit zum Erholen bleibt allerdings kaum, da für die Skilangläuferin aus Seiffen Training und Wettkämpfe auf dem Programm stehen.

Seiffen.

Erstmals seit vier Monaten hat Anna-Maria Dietze ihre Eltern in den Arm genommen. Doch lange gesprochen über ihre bisherigen Erlebnisse an der University of Colorado Boulder wurde nicht, denn vom Heimatort Seiffen ging es quasi direkt nach Oberwiesenthal. "An der dortigen Sportschule hat sie ihr halbes Leben verbracht", sagt Vater Albrecht Dietze voller Verständnis. Auch seine jüngere Tochter Alexandra sowie Philipp Unger, der Freund von Anna-Maria, trainieren am Fichtelberg. Hinter dem Abstecher zum Stützpunkt steckte aber noch mehr. Schließlich nutzte die 20-jährige College-Studentin die kleine präparierte Loipe in Oberwiesenthal auch zur Vorbereitung auf anstehende Wettkämpfe.

"Sie haben zusammen trainiert. Diesen Dienstag ist schon Abreise Richtung St. Ulrich", erklärt Albrecht Dietze. Am dortigen Pillersee stehen ab Donnerstag drei Rennen des Continental-Cups auf dem Programm, an denen neben Sportlern des Stützpunkts auch Anna-Maria Dietze teilnehmen wird. Um Punkte für die europäische Rangliste zu kämpfen, ist für sie fast schon ungewohnt. Schließlich hat die Erzgebirgerin in Kanada gerade erst eine Mini-Tour des Nordamerika-Cups hinter sich gebracht. Und in der kontinentalen Serie ihrer Wahlheimat konnte Anna-Maria Dietze durchaus überzeugen. Hinter Siegerin Julia Richter aus Sayda, die ebenfalls in den USA studiert, wurde die Läuferin des Neuhausener Pulsschlag-Vereins Vierte im Sprint. Platz 9 über fünf Kilometer klassisch und Rang 7 im Skating-Rennen (10 km) rundeten die Bilanz ab, die sich laut Albrecht Dietze sehen lassen kann: "Für das erste Jahr im Frauenbereich ist das sehr ordentlich."

Auf den Langlauf-Strecken der Olympischen Winterspiele von 1988 in Calgary konnten also gleich zwei Erzgebirgerinnen für Furore sorgen. Passend dazu wehte bei der Siegehrung im Hintergrund die DDR-Fahne. "Dort befinden sich immer noch die Flaggen aller Länder, die damals bei Olympia vertreten waren", erklärt Albrecht Dietze. Ein kleines Detail am Rande, das symbolhaft steht für das Abenteuer, das seine Tochter gerade zu meistern hat. "Sie fühlt sich wohl, aber es ist schon eine Umstellung." Statt zu regenerieren wartet nach dem Vormittagstraining die nächste Vorlesung. Um sich das Stipendium zu verdienen, zählt für die Physik-Studentin die schulische Leistung genauso wie die sportliche. Letztere konnte Anna-Maria Dietze bislang noch nicht wirklich erbringen, da die Universitätsmeisterschaften erst im Januar beginnen. Dann sind gute Ergebnisse gefragt, denn "für Anna-Maria ist es wichtig, sich in der College-Mannschaft zu etablieren", so der Vater. In der Doppelbelastung sieht er trotz aller Anstrengungen auch Vorteile. So biete die Loipe bei schulischem Stress eine schöne Abwechslung, genauso sei es umgekehrt.

Am Tag vor ihrem Abflug in die Heimat musste die 20-jährige Seiffenerin zwei Prüfungen ablegen, eine weitere Überprüfung ist während ihrer Reise noch online vorgesehen. Da könnten die Wettbewerbe im Continental-Cup helfen, den Kopf frei zu bekommen. Ebenso sollen sie aber dazu dienen, bei den Trainern des Deutschen Skiverbandes (DSV) einen starken Eindruck zu hinterlassen. Schließlich ist Dietze bei der Nominierung für die Junioren-Weltmeisterschaft auf deren Einschätzung angewiesen. "Die Qualifikation ist eine spannende Frage", sagt Albrecht Dietze mit Blick auf dieses Thema. Da seine Tochter abgesehen von den anstehenden Rennen in St. Ulrich ausschließlich in Nordamerika starten wird, ist eine Nominierung durch den DSV schwer von konkreten Platzierungen und Normen abhängig zu machen.

Entgehen lassen würde sich die Seiffenerin die Junioren-WM aber nur ungern, da diese vom 28. Februar bis zum 8. März in Oberwiesenthal - und damit quasi direkt vor ihrem ehemaligen Wohnzimmer - ausgetragen wird. Außerdem ist es eine der seltenen Gelegenheiten, bei der die U-23-Starterinnen aus dem Schatten der sonst so starken Damen-Konkurrenz treten können. "Jetzt hat der Ernst des Leistungssportlerlebens begonnen", sagt Albrecht Dietze, der für die Heim-WM fest die Daumen drückt. Schließlich sei es lange her, dass in Deutschland solche internationalen Titelkämpfe zum letzten Mal ausgetragen wurden. So sehr seine Tochter auch dafür kämpft: An den Weihnachtsfeiertagen sei dann doch einmal eine kurze Ruhepause vorgesehen.

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