Auer spielen entfesselt auf

In einem Wahnsinnsritt auf allen Positionen hat Handball-Zweitligist EHV das Heimspiel gegen den HC Elbflorenz Dresden 30:24 (11:12) gewonnen. 1660 Zuschauer erlebten ein rassiges Derby.

Lößnitz.

Dieses Derby hatte einfach alles: Spannung, Dramatik, Leidenschaft, feinsten Handball - und aus Auer Sicht einen Ausgang nach Maß. 30:24 (11:12) hieß es für den EHV am Sonnabend nach einem packenden Zweitliga-Duell mit dem HC Elbflorenz Dresden, der als Favorit in der Lößnitzer Erzgebirgshalle angereist war. Während die Auer zuletzt bittere Niederlagen kassierten, hatten die Gäste jüngst einen Acht-Tore-Rückstand in 20 Minuten noch in einen Sieg gedreht.

In der "Erzgebirgshölle" sollte den Dresdnern aber nichts Vergleichbares gelingen. Oder wie es EHV-Manager Rüdiger Jurke nach dem Spiel amüsiert formulierte: "Wenn wir in Aue auch nichts können, aber Derby können wir." Das Gelächter hatte er auf seiner Seite. Denn der Sieg glich im Auer Lager einer Erlösung. Zum Erfolg beigetragen haben alle Mannschaftsteile. Ausgenommen Adrian Kammlodt und Gabriel de Santis als die beiden Neuzugänge aus Dresden. Sie kamen mit dem Druck, gegen den alten Verein auf der Platte zu stehen, spürbar nicht klar. "Vorgenommen hatten sich beide viel", so ihr Trainer Stephan Swat. Doch speziell Kammlodt brachte nichts zuwege - und sah nach einem Siebenmeter, bei dem der Ball den HC-Keeper im Gesicht traf, die Rote Karte.

Eine durchaus umstrittene Entscheidung, aber zugleich die Initialzündung für die Hausherren, die nach durchwachsener erster Hälfte - 3:3 (6.), 3:6 (9.) und 5:9 (16.) - bis zur Pause auf 11:12 herankamen und nach Wiederbeginn wie ausgewechselt aufspielten. Tor um Tor setzten sich die Auer ab, weil defensiv wie offensiv plötzlich alles gelang. Regelrecht entfesselt hängten sie Elbflorenz übers 17:14 (39.) und 19:15 (42.) bis auf 22:17 (48.) ab, ehe die Gäste per 4:0-Lauf gefährlich auf 21:22 (53.) rankamen. Doch der EHV drehte sofort wieder auf und zeigte per 5:0-Lauf (27:21/ 57.), wer der Herr im Haus ist. Selbstbewusst spulte die Mannschaft die restlichen Minuten ab und siegte verdient mit 30:24. Die Auer Sieben des Tages setzte sich in diesem Derby so zusammen:

Bärenstarker Rückhalt im Tor - Erik Töpfer: Einen Tag nach seinem 23. Geburtstag, noch merklich erkältet und geruchsintensiv mit "Katzensalbe" gerüstet, spielte der Keeper durch und parierte mehrfach bärenstark. "Es war anstrengend, aber auch richtig schön", sagte er nach Abpfiff. Die Mannschaft sei aggressiv aufgetreten. "Das hat uns zuletzt gefehlt. Auch konnten wir vorn Fehler abstellen und Dresden schließlich unser Spiel aufzwingen. Das war der Schlüssel." Die Rote Karte gegen Kammlodt wollte Töpfer nicht bewerten, empfand sie aber als immens wichtig. "Die Initialzündung für uns."

Das Kapitäns-Dreigestirn - Kevin Roch, Benas Petreikis und Ladislav Brykner:Die Mannschaftsführer haben ihren Job super gemacht - ob Brykner mit kraftvollen Offensivaktionen und vier Toren oder Petreikis mit sieben Treffern und taktischer Finesse. Roch quälte sich mit Bauchmuskelzerrung durchs Spiel. "Das Adrenalin half", sagte er und sprach von purer Freude. "Eine super Teamleistung war das. Mit geiler Abwehr, prima Torhüter und starkem Angriff - so muss das sein."

Der Siebenmetermann - Bengt Bornhorn: Nach wochenlanger Pause wegen Fußproblemen meldete sich der Kreisläufer eindrucksvoll mit acht Toren zurück, fünf davon erzielte er vom Punkt. Und ist nun der neue Siebenmeter-Schütze vom Dienst in Aue? "Nein", so Bornhorn schmunzelnd. "Da gibt es nur einen. Und der heißt Eric Meinhardt." Da dieser wiederum nicht mehr da ist, müssen den Job andere erledigen. Und zumindest an diesem Sonnabend gelang das der Frohnatur Bornhorn super, der das Lob aber sofort an Mannschaftskollegen wie Pascal Ebert weitergab. "Er fing wichtige Bälle ab und erzielte vier starke Tore." Nur so sei der EHV zur Pause rangekommen. "Dass wir dann vorlegen konnten, war richtig cool. Dresden rannte hinterher, was Kraft kostet - und wir kamen über den Kampf immer besser ins Spiel. Endlich mal."

Der mutige Jungspund - Nico Schneider: Der Rückraumspieler verblüffte. Defensiv wie offensiv machte der 20-Jährige als Ersatz für Kammlodt keine Gefangenen und spielte selbstbewusst auf. Umjubelt waren alle seine drei Tore, wobei er bescheiden blieb. "Bock auf Handball habe ich immer, aber im Derby noch mehr", sagte er und fühlte sich als Teil eines starken Teams. "Wir haben das alle zusammen gewonnen. Da zählte jeder Einzelne."

Die Anpeitscher - das Publikum: Kaum noch Stimme hatten viele der 1660 Zuschauer nach dem Derby. Die EHV-Trommeln verstummten fast nie und spätestens in den letzten fünf Minuten bebte die Halle. Welle um Welle schob sich durch die Ränge - mittendrin Fan Dirk Haase, dem vor der Partie noch ein Erfolg mit einem Tor mehr gereicht hätte. "Wir stehen unter Druck. Deshalb zählt nur ein Sieg - egal wie." Mit sechs Treffern plus war er am Ende mehr als glücklich. "Zwei irre wichtige Punkte und eine ganz starke Vorstellung waren das."

Letztere gelang, weil die Mannschaft an sich geglaubt hat, so Swat. "Ich muss meinen Spielern ein Riesenkompliment machen. Sie haben die ganze Woche hart gearbeitet und jeden Stein umgedreht. Wir waren viel in der Halle", so der Auer Trainer. Im Derby ernteten sie den Lohn für alle Mühen. "Das tut richtig gut."

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...