"Austritte sehe ich eher als ein Gesundschrumpfen"

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Motorsportchef des TSV Geyer mahnt Vereinsmitglieder und Eltern, in komplizierter Zeit nicht davonzurennen

Geyer.

Peter Groß aus Geyer, Stadtrat, Organisator des Speedhill, Abteilungsleiter im Verein und Loipenpräparierer für die Skifans im Greifensteinwald, sieht die Entwicklung im Sport wie andere mit Sorge. Und trotzdem vertritt der 61-Jährige eine nicht alltägliche Meinung. Darüber hat Thomas Schmidt mit ihm geredet.

Freie Presse: Herr Groß, Sie sind in mehreren Bereichen ehrenamtlich aktiv. Und nun wenden Sie sich an die Öffentlichkeit, um was zu sagen?

Peter Groß: Dass ich die vielen Befürchtungen wegen drohender oder bereits geschehener Vereinsaustritte kaum noch hören kann. Ich sage, auch wenn es harsch klingt: Wenn jemand gehen will, lasst ihn gehen.

Wieso das, mitgliederstarke Vereine sind doch eine Macht?

Aber doch nicht mit Leuten, die in einer schwierigen Lage gleich davonrennen. Gerade in einer komplizierten Zeit kommt es darauf an, zusammenzustehen. Diejenigen, die sich jetzt wegen ein paar Euro Mitgliedsbeitrag auf und davon machen, braucht ohnehin niemand.

Wie sieht es in Ihrer Abteilung aus, bei den Motorsportlern des TSV Geyer?

Bei uns ist bisher niemand ausgetreten. Aber das hat Gründe.

Welche?

Nun, zunächst müssen unsere Mitglieder ein Jahr mitarbeiten, sich bewähren. Danach erst fällt die Abteilungsleitung einen Beschluss, ob die Person für unsere Vorhaben geeignet ist und aufgenommen wird.

Aber im Motorsport fährt jeder für sich allein, woanders braucht es Mannschaften ...

Gerade deshalb ist es ja umso trauriger, wenn Leute ihre Mannschaftskameraden im Stich lassen oder Eltern ihre Kinder aus dem Verein abmelden, der sich jede Woche teils mehrmals um sie gekümmert, sie trainiert und sie betreut hat. Alle reden immer von ,Wir sind ein Team', doch wo bleibt das dann?

Aber wenn ich eine Mannschaft leite, muss ich ein paar "Mitschwimmer" dulden, sonst existiert sie bald nicht mehr, oder?

Natürlich, und trotzdem sehe ich die aktuellen coronabedingten Austritte eher als ein Gesundschrumpfen. Wer jetzt die Flinte ins Korn wirft, wird in anderen Zeiten nicht zur Rettung (s)eines Vereins beitragen.

Klingt trotzdem wie Frust.

Natürlich, unsere Ski- und Crossstrecken sind oder waren auch wochenlang geschlossen. Meine Fahrschule, mit der ich mein Geld verdiene, blieb seit Mitte Dezember zu. Aber wegrennen tue ich nicht.

Aus dem Landessportbund sind innerhalb eines Jahres ungefähr 20.000 Mitglieder ausgetreten, der Kreissportbund Erzgebirge hat jetzt 352 weniger. Ist das nicht alarmierend?

Ich bleibe dabei, es trennt sich die Spreu vom Weizen. Was nützen uns Eltern, die ihre Kinder beim Training "parken", aber am Wochen ende zum Wettkampf nie zu sehen sind und gleich gar nicht als Fahrer, Betreuer oder Verkäufer aushelfen. Daran ändern auch bessere oder gar auffrisierte Zahlen nichts.

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