Besondere Frau mit besonderem Wunsch

Ein denkbar knappes 30:29 in Krefeld hat dem Handball-Zweitligisten EHV Aue zwei wichtige Zähler beschert. Christa Rockstroh hätte sich riesig gefreut. Sie war glühende Anhängerin des Vereins - und bedenkt ihn auch auf ihrem letzten Weg.

Aue/Krefeld.

Ob er sich den Schweiß schon von der Stirn gewischt hat? Selbst zwei Stunden nach Abpfiff der Partie in Krefeld hat Aues Trainer Stephan Swat vor seiner Antwort auf diese Frage noch mal tief durchgeatmet. "Ich schwitze eigentlich immer noch", sagte der Coach von Handball-Zweitligist EHV mit Blick auf den knappen 30:29-Sieg in letzter Sekunde beim Aufsteiger - und nach mehrfacher Sechs-Tore-Führung.

"Wir müssen genau analysieren, was da passiert ist, dass wir diesen Vorsprung so leicht wieder verspielen", sagte Swat. So glich das Szenario ab der 48. Minute aus Gästesicht einer Katastrophe. Binnen weniger Minuten war die klare Dominanz gegen die HSG Krefeld futsch. Nach dem 25:20 (48.) durch Aues Adrian Kammlodt lief bei den Erzgebirgern offenbar nichts mehr zusammen. Die Gastgeber indes witterten ihre Chance und holten über 21:25 (49.) und 23:26 (51.) bis zum 27:27 (55.) Tor um Tor auf, ehe es in der Schlussphase mit 28:28 (57.) und 29:29 (60.) richtig spannend blieb. Schließlich war es Kammlodt, der die Gäste mit der Schlusssirene und dem 30. Auer Tor erlöste.

"Wahnsinn. Das lässt sich nicht beschreiben, was da in einem vorgeht", sagte Swat, der sich das plötzliche Nachlassen seiner Mannschaft ab der 48. Minute nicht erklären kann. "Gegen Bietigheim passierte das auf ähnliche Weise. Das müssen wir abstellen, sonst kostet es wichtige Zähler." So waren die Auswärtspunkte bei Krefeld fest eingeplant - allein mit Blick auf die schwere Aufgabe diese Woche gegen Erstliga-Absteiger Gummersbach. Noch ärgerlicher ist der Einbruch in Nordrhein-Westfalen, weil der EHV die erste Halbzeit voll im Griff hatte und als Favorit keine Zweifel daran ließ, wer die Halle als Sieger verlassen würde. Erneut stark im Abschluss präsentierten sich Kammlodt als bester Auer Werfer mit acht Feldtoren und ein insgesamt überzeugender Benas Petreikis, der gleichfalls acht Treffer erzielte. Darunter drei Siebenmeter.

Gejubelt hätte über den knappen Auswärtssieg sicher auch Christa Rockstroh. Die 1938 Geborene schloss am 30. August für immer ihre Augen. Auch der EHV trauert damit um eine außergewöhnliche Frau. "Sie war ganz besonders", sagt Jörg Meinhardt. Wie der Auer Fanbeauftragte kannten Christa Rockstroh die meisten Zuschauer in der Erzgebirgshalle. Im Block C sitzend, verfolgte sie die Spiele und kehrte selbst nach einem Schlaganfall noch einmal zurück, um dem Team den Rücken zu stärken. "Keine hat ihre Jungs so enthusiastisch angefeuert wie sie. Sie hat nach Siegen mit den Jungs gefeiert und war traurig nach Niederlagen", so Jörg Meinhardt. Und sogar bei ihrem letzten Gang denkt Christa Rockstroh an ihren EHV. Statt Blumen und Kranzspenden soll bei ihrer Beerdigung an diesem Montag für den Auer Handball-Nachwuchs gespendet werden. "Eine tolle Frau und ein einmaliger Fan."

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