Beste Stimmung trotz 30 Gegentoren

Sportlich hatten die Lugauer Kicker gegen den CFC nicht den Hauch einer Chance. Doch der Test zum Jubiläum wurde trotzdem zum unvergesslichen Erlebnis - auch weil sich die Gäste personell nicht lumpen ließen.

Lugau.

Ein paar weniger hätten es durchaus sein dürfen. "Ich hatte schon gehofft, dass wir nicht mehr als 20 Gegentore kassieren", sagt Candy Dietze. Der 31-Jährige spielt beim Lugauer SC in der 2. Kreisklasse. Dort trifft er normalerweise auf Mannschaften wie Eintracht Ursprung oder den TSV Brünlos. Doch am Wochenende war alles anders. Denn auf dem Sportplatz am Steegenwald gastierte mit dem Chemnitzer FC ein künftiger Drittligist. Und der nahm die Partie, gleichzeitig Auftakt in die Saisonvorbereitung, ernst. Satte 30-mal musste Torwart Marcel Steiner den Ball aus dem Netz holen. Dabei verhinderte der 31-Jährige mit einigen tollen Paraden sogar noch eine höhere Niederlage - seine Auswechslung nach rund 70 Minuten wurde von Ovationen begleitet.

Anlass für die Partie war das 100-jährige Bestehen des Lugauer SC, zu dem es in knapp zwei Wochen auch noch ein Festprogramm geben soll. Eigentlich habe man als passenden Gegner den FC Erzgebirge Aue im Sinn gehabt, doch der sei zu teuer gewesen, erzählt Dietze. Die 3500 Euro für den CFC hätten sich aber gelohnt. Zum einen, weil sich 1022 zahlende Zuschauer das Spektakel nicht entgehen lassen wollten - kalkuliert hatten die Lugauer mit 500. Zum anderen, weil die Chemnitzer tatsächlich mit voller Kapelle aufliefen. Verhindert waren lediglich Stürmer Dejan Bozic wegen einer Erkältung sowie der bulgarische Neuzugang Georgi Sarmov, der noch im Urlaub weilt.

Auf dem Platz leisteten die Lugauer zumindest anfangs Gegenwehr. Nach 20 Minuten stand es nur 3:0 für den haushohen Favoriten, auch der 0:11-Halbzeitstand aus Sicht der Gastgeber lag durchaus noch im grünen Bereich, wie Dietze betonte. Erst nach dem Wiederanpfiff brachen dann alle Dämme und die Gastgeber, die bereits tags zuvor ein Punktspiel gegen Beutha (4:0) zu bestreiten hatten, kassierten Tore im Minutentakt. Als linker Verteidiger hatte es Dietze, der seit 2014 für Lugau spielt, im ersten Durchgang mit Timo Mauer, im zweiten dann mit Tarsis Bonga zu tun. "Gegen Timo war es schon schwierig, aber gegen Tarsis war es noch eine Spur härter. Das ist so ein Hüne und dazu noch pfeilschnell", so Dietze über den Neuzugang des CFC, der aus Zwickau kam und gegen Lugau vier Treffer erzielte. Die Gastgeber hatten in den gesamten 90 Minuten eine brauchbare Torchance durch Tony Pilz, dazu zwei Fernschüsse, "die für unsere Verhältnisse nicht weit vorbeigingen".

Für Candy Dietze war die Partie gegen die "Himmelblauen", die ihren höchsten Testspielsieg aller Zeiten feierten, ohnehin eine besondere. Er selbst ist glühender CFC-Fan, seit 1999 fiebert er bei so gut wie jedem Heimspiel mit und ist auch auswärts oft mit dabei. Als Höhepunkt seines Fan-Daseins bezeichnet er den 5:4-Sieg im DFB-Pokal gegen den FSV Mainz 05 im August 2014, nach dem Wiederaufstieg in die Dritte Liga sei das einzige Ziel allerdings der Klassenerhalt. "Gegen die eigenen Idole zu spielen, ist schon Wahnsinn", so Dietze, der sich abgesehen von Taris Bonga auch von Flügelflitzer Rafael Garcia beeindruckt zeigte. Auch Jakob Gesien, der in der abgelaufenen Regionalliga-Saison nicht oft ran durfte und beim die Zeichen wohl auf Abschied stehen, habe ein starkes Spiel gezeigt.

Dass die CFC-Kicker nach Spielschluss nicht gleich wieder abdüsten, sondern noch lange zum Plaudern mit den Fans und den Lugauer Spielern zur Verfügung standen, hebt der Abwehrspieler ebenfalls hervor. "Sie haben sich hier wirklich sehr gut präsentiert", so Dietze, der mit seinem eigenen Verein auch etwas vor hat.

In der aktuellen Spielzeit liegen die Lugauer einen Spieltag vor Schluss mit nur 17 Punkten auf Platz 6 der Zehnerstaffel. "Das war keine gute Runde für uns", räumt Dietze ein. "Aber nächstes Jahr wollen wir auf jeden Fall oben angreifen."

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