Bis an die Schmerzgrenze

Rund 1400 Starter auf verschiedenen Strecken rund um den Rabenberg in Breitenbrunn: Der Sachsentrail verlangte den Läufern alles ab.

Breitenbrunn.

Die weißen Spuren, die getrockneter Schweiß hinterlässt, haben sich nicht nur auf dem dunklen Laufshirt von Vincent Hoyer abgezeichnet, sondern auch in seinem Gesicht. Der Ultra-Trail verlangte dem 29-Jährigen aus Leipzig alles ab. Er bewältigte die Wahnsinnsstrecke über 70,3 Kilometer in 5:59:04 Stunden am schnellsten. Freundin Susan Sckur wirkte erleichtert, als sie ihr Herzblatt am Sonnabend im Ziel wieder in Empfang nahm. "Wegen seiner Diabetes habe ich mir schon Sorgen gemacht", sagte sie.

Per Handy hielten die beiden während der gesamten Tour - an der innerhalb des Sachsentrails 1400 Starter auf verschiedenen Strecken teilnahmen - ständig Kontakt. "Wir haben uns alle Viertelstunde Sprachnachrichten geschickt, das hat mich beruhigt", so Sckur, bei der letztlich der Stolz überwog. Bei Hoyer indes schmerzte "irgendwie sehr vieles", sagte er. "Die Oberschenkel kommen als erstes", so der Leipziger, der bisher beim Sachsentrail immer über 34 Kilometer startete. Speziell vorbereitet habe er sich nicht. Er sei eine Woche zuvor 60 Kilometer gelaufen, gönnte sich danach einige Tage zur Regeneration. Um durchzuhalten, trank er Cola mit Wasser, nutzte Energy-Gel und aß einen Riegel. "Das hat gereicht." Mit dem späteren Zweiten sei er ein ganzes Stück zusammengelaufen. "Wir haben sogar ein bisschen geredet." Doch bei einem Anstieg sei der Abstand so groß geworden, dass sich Hoyer für sein eigenes Tempo entschied. Zweifel kamen erst gegen Ende, als das Aufgeben aber schon keine Option mehr war.

150 Läufer wählten den langen Kanten. Die anderen verteilten sich auf die drei kürzeren Strecken. So nahmen 506 Starter den 19 Kilometer langen Quarter-Trail unter die Sohlen. Etwa 400 Teilnehmer absolvierten den Half-Trail über 34,4 Kilometer. "Wir hatten die Starterzahl auf maximal 1500 gesetzt", so Organisator Günter Frietsch. Die Anpassung könne nur schrittweise erfolgen. Er haderte erneut mit dem hohen Anteil an asphaltierten Abschnitten. "Das sind um die 20 Prozent. Zu ändern ist es nicht, mir persönlich für einen Traillauf aber zu viel." Marco Möhler, Dritter über die Ultra-Strecke, sah das nicht so eng. "Die Strecke war super und wieder top ausgeschildert", so der Läufer aus Halsbrücke. Änderungen in der Logistik zahlten sich aus. "Es gab ein neues Parkplatzkonzept. Wir ließen die Starter und Gäste im Tal die Autos abstellen und brachten sie per Pendelbus auf den Rabenberg", so Frietsch.

Das empfand Jan Beyreuther aus Scheibenberg als gute Lösung. "Keine lange Suche, sondern sofort einen Platz. Alles lief entspannt, obwohl es ein so großes Areal ist", sagte Beyreuther, der auf dem Fun-Trail über rund neun Kilometer hinter dem Beierfelder Philipp Linser Zweiter wurde. Der Sieger vom Läuferbund Schwarzenberg lobte die Organisatoren. "Es passt alles." Er habe vor fünf Jahren selbst angepackt. "Hut ab vor dem, was da geleistet wird. Manche Helfer stehen ja stundenlang an den Verpflegungsstellen." Sein Sieg in 46:06 Minuten überraschte ihn: "An sich liegen mir Berge nicht."

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