Blau-Weiße feiern lila-weißes Fußballfest

Zur Weihe ihres neuen Rasenplatzes haben die Kicker des SV Albernau hochkarätige Gegner empfangen. Zweitligist Aue zeigte mit 26 Toren kein Erbarmen, erwies sich für die Gastgeber aber dennoch als Volltreffer.

Albernau.

In Strömen ist Tony Seidel der Schweiß übers Gesicht gelaufen, als er während der Halbzeitpause im Schatten des Sportlerheims kurz in sich ging. "Es ist der Wahnsinn", sagte der 31-Jährige, bezog sich damit aber nicht etwa auf die körperliche Anstrengung. Vielmehr beschrieb der Torwart des SV Blau-Weiß Albernau mit diesen Worten, wie es sich anfühlt, auf heimischem Platz gegen die Zweitliga-Kicker des FC Erzgebirge Aue zu spielen. Bei knapp 30 Grad Celsius. Noch dazu in der prallen Sonne. Vor 2054 Fans beider Vereine, die am Mittwoch in das Dorf strömten, um mit einem Fußballfest die Weihe des neuen Rasenplatzes in Albernau zu feiern.

"Es ist ein einzigartiges Erlebnis, da mit auf dem Feld zu stehen", sagte Tony Seidel, der dank toller Paraden zum Publikumsliebling avancierte und Sonderapplaus erhielt. Ohne seine Reflexe wäre der 26:0-Sieg der Profis noch höher ausgefallen. Für eine seiner gelungenen Abwehrszenen klopfte ihm Aues Neuzugang Christoph Daferner - er traf wie FCE-Stürmer Pascal Testroet fünfmal - sogar respektvoll auf die Schulter. Sein Ziel, unter 20 Toren zu bleiben, solange er im Kasten steht, erreichte Seidel zwar nicht. "Aber das ist keine Schande, sondern vielmehr eine Ehre, gegen diese Fußballer zu spielen." Logischerweise waren die Veilchen dem Gastgeber aus der 2. Kreisklasse in allen Belangen überlegen. "Es geht rasant schnell, die Zuspiele sind direkt - da ist es teils unkalkulierbar, wo dir der Ball um die Ohren fliegt", so Seidel. Mit Blick auf Ehrgeiz und Kampfgeist indes standen die Albernauer den Auern in nichts nach. Auf dem Platz half jeder jedem. So warf sich auch Enrico Bartella in manche Angriffsszene des FCE hinein, um Keeper Seidel zu unterstützen. "Die Laufwege bei den Profis stimmen. Das Pass- und Stellungsspiel ist hervorragend. Und trotzdem macht es uns allen irre Spaß", sagte der Verteidiger.

Ganz sehr hatte sich Albernaus Kapitän Matthias Lindner ein Tor gewünscht - egal, wer es schießt. Wobei eigentlich er fürs Treffen zuständig ist: 19 der 43 Tore, die Albernau in der fast beendeten Saison erzielte, gehen auf sein Konto. Die Elf blieb in der Rückrunde ungeschlagen und belegt Tabellenrang 2. "Der Rasen, der den früheren Hartplatz ersetzt, ist das i-Tüpfelchen. Nächste Saison wollen wir aufsteigen", so Lindner. Mit der Partie gegen Aue erfülle sich ein Traum. "Wir haben uns gut vorbereitet - bei uns gab es anders als vermutlich bei Aue Knacker und Hackepeter zum Frühstück", sagte der 29-Jährige schmunzelnd. "Wir wollen das Spiel genießen."

Das hat geklappt. Auch weil die Weihe des Rasenplatzes bestens organisiert war. SVA-Präsident Ralf Bauer - sein Telefon klingelte in den zurückliegenden Wochen fast ununterbrochen - wurde nicht müde, sich bei allen Helfern und Förderern zu bedanken. "Es ist zwar Stress ohne Ende, aber alle ziehen mit. Das macht es zu etwas Schönem und unvergesslich." Der Rasen diene auch der Nachwuchsgewinnung im Fußball und somit dem Erhalt des Vereins. "Dafür wünsche ich dem SV Albernau viel Erfolg", sagte FCE-Präsident Helge Leonhardt, der als Ehrengast dem ersten Testspiel der Veilchen im Zuge ihrer Saisonvorbereitung beiwohnte. "Wir freuen uns, hier sein zu dürfen. Das ist auch für uns etwas Besonderes", fügte er hinzu und lobte auf Nachfrage das neue Grün, das über Monate anwachsen durfte und vorbildlich gepflegt wurde. "Mit der Qualität kann man absolut zufrieden sein", so Leonhardt.

Beim Einlaufen beider Teams erklang standesgemäß der vom Bergmannsblasorchester Kurbad Schlema live gespielte Steigermarsch. Das Schiri-Trio komplettierte mit Jennifer Schubert eine Frau an der Linie. Sie pfeift für den ESV Thum-Herold regulär in der Frauen-Regionalliga und bei den Landesklasse-Männern. "Bei Testspielen kommen einem ab und zu hochkarätige Teams unter", sagte sie. Bei derlei "ungleichen" Duellen schaue sie differenzierter hin. "Die Profis agieren viel schneller. Da sind misslungene Aktionen der anderen oft eher nicht gekonnt statt gewollt." Das sei zu berücksichtigen. "Aber meist geht es fair zu."

Wie am Mittwoch. Aus rein sportlicher Sicht hielt Albernau bis zur 9. Minute die Null, ehe Daferner den Torreigen eröffnete. Neben ihm und Testroet als Fünffach-Torschützen erzielten Jan Hochscheidt (2), Probespieler Yannik Mause (4), Florian Krüger (3), Hikmet Ciftci (2), Calogero Rizzuto, Patrick Strauß, Clemens Fandrich, Nicolas Sessa und Probespieler Bruno Soares die weiteren Treffer für die Veilchen, die am Sonnabend ab 13.30 Uhr in Geyer auflaufen.

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