"Bock auf Handball haben alle"

Trotz des Saisonabbruchs trainieren Frauen und Männer weiter. Dass sie bald wieder spielen, daran glauben aber nur wenige.

Zwönitz.

Die Handballer und Handballerinnen aus Zwönitz, Schneeberg sowie Marienberg spielen in dieser Saison nicht mehr um Landes- beziehungsweise Verbandsliga-Punkte. Das hat der Handball-Verband Sachsen in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Mit dem Abbruch der laufenden Spielzeit - betroffen sind auch sämtliche Jugendmannschaften auf Landesebene - folgte das Gremium den Verfügungen des Mitteldeutschen Handball-Verbandes, der bereits zuvor den Spielbetrieb in der Oberliga eingestellt hatte. "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Sie ist aber alternativlos", sagte HVS-Präsident Karsten Küter. Weil nach der langen Pause ein umfassender Trainingsvorlauf benötigt werde, sei es aktuell nicht einmal realistisch, wenigstens eine Halbserie zu Ende zu bringen - dies war im Vorfeld als Option erwogen worden.

Eine Wertung erfolgt nicht. Auf- und Absteiger gibt es ebenfalls nicht, sodass die Saison 2021/22 in denselben Ligen-Zusammensetzungen wie die abgebrochene über die Bühne gehen soll - vorausgesetzt, die entsprechenden Teams melden wieder. Wegen der weiter unklaren Corona-Prognose soll die Meldefrist - normalerweise bis Juli - verlängert werden. Bis wann, ist noch offen. Was die Saison 2020/21 angeht, so plant der Verband, bis Ende Juni immerhin die Landespokale noch auszuspielen. Das betrifft im Erzgebirge die Verbandsliga-Frauen des Zwönitzer HSV, die in Runde 1 gegen Burgstädt ran müssen - die Partie war im November abgesagt worden.

Vereinsvertreter zeigten sich vom Abbruch wenig überrascht. "Wir hatten uns schon gedacht, dass es so ausgehen wird", sagt Ralf Beckmann, der Vereinschef des Zwönitzer HSV. Er sei mit der Entscheidung auch zufrieden. "Wir hätten fünf bis sechs Wochen benötigt, um uns fit zu machen und danach in kurzer Zeit sieben Spiele bestreiten müssen, um die Hinrunde abzuschließen. Das hätte nicht funktioniert", so Beckmann. Seine Männer lagen in der Sachsenliga mit 3:5 Punkten auf Rang 9, die Frauen in der Verbandsliga West mit ebenso 3:5 Zählern auf Rang 6. Ob der Verein im Frühjahr nun Freundschaftsspiele austragen wird, halte man sich offen - der HVS hatte in seinem Schreiben zum Saisonabbruch angekündigt, dies "aktiv begleiten" zu wollen. "Grundsätzlich könnten wir uns schon vorstellen, im Mai zwei bis drei Freundschaftsspiele zu bestreiten. Das sind aber nur Gedankengänge solange wir nicht einmal in unsere Halle hineinkönnen", so Beckmann. Ab Juni wolle man normal in die Vorbereitung für die kommende Spielzeit starten.

Die Entscheidung des Verbandes sei "der Situation angepasst", sagt indes Karlgeorg Frank vom HSV Marienberg, dessen Damenmannschaft in der Sachsenliga auf mit 4:2 Zählern auf Rang 4 lag. Begeistert sei er nicht, "aber aus der kalten Küche wäre der Re-Start nicht gelungen", so der Vereinssprecher und langjährige Präsident. Ihn treibt vor allem die Sorge um den Nachwuchs um. "Wir wollten in dieser Saison eine neue Jugendmannschaft ins Leben rufen. Jetzt hoffe ich, dass sich die Kinder in der Zwischenzeit nicht anderen Interessen zugewandt haben und wiederkommen", so Frank.

Ähnlich sieht das Sascha Thieme vom SV Schneeberg, dessen Frauen in der Sachsenliga bislang je zwei Siege und Niederlagen zu Buche stehen hatten. "Den Abbruch haben wir kommen sehen. Die größte Herausforderung wird es sein, unsere Jugendlichen bei den Stange zu halten", sagt er. Um die Bindung zum Verein zu stärken, veranstalte sein SVS regelmäßige Zoom-Meetings im Internet. Thieme spricht von Videotraining. "Da geht es unter anderem um die Bereich Stabilisierung und Verletzungsprävention. Jedes unserer Teams macht das für sich separat." Dass im März wieder richtiges Training in der Halle stattfinden kann, glaubt er nicht. "April oder gar erst Mai halte ich für realistischer."

Noch nicht fest steht im Moment, wie es in den tieferen Ligen weitergeht - der Landesverband empfiehlt den Spielbezirken und -kreisen allerdings, analog den oberen zu verfahren. Dies würde bedeuten, dass für den HC Annaberg-Buchholz Feierabend wäre. Die Männer waren mit zwei Siegen in die Bezirksklasse gestartet, mehr Spiele gab es für sie nicht. Auch für Annabergs Frauen stehen in der Kreisliga zwei Siege bei einer Niederlage zu Buche. Wie dem auch sei, viele rechnen fest mit dem Abbruch, etwa Martin Rößler vom Kreisligisten Tanne Thalheim. "Alles andere wäre utopisch. Wir haben bisher nur vier Partien bestritten", sagt er. Er glaube nicht, dass sich vor Mai etwas ändern wird. Jeder Spieler gehe anders mit der Situation um. Er selbst habe mehrfach mit Skiern ein paar Runden im Wald gedreht. Andere hielten sich daheim durch verschiedene Fitnessübungen in Form. Der Grund: "Bock auf Handball, das ist klar, haben wir alle."

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