Cross im Erzgebirge statt Loipenhatz in Colorado

Für Anna-Maria Dietze läuft das Studium in den USA bestens. Trotzdem musste die Skilangläuferin erst einmal heimkehren.

Seiffen.

Eigentlich wollte Anna-Maria Dietze dieser Tage eine Hatz in den Loipen von Montana hinlegen. Diese waren als Austragungsort für die College-Meisterschaften der USA vorgesehen - und mit den Colorado Buffaloes hatte sich die aus Seiffen stammende Studentin viel vorgenommen. Stattdessen aber musste die 20-Jährige, die seit dem vergangenen Jahr an der University of Colorado Boulder studiert, über den Flughafen von Denver hetzen, um noch einen der letzten Flüge gen Heimat zu ergattern. Die Corona-Krise ließ der Sportlerin aus dem Spielzeugdorf, die im Jugend- und Juniorenalter einige Erfolge erzielen konnte, letztlich keine andere Wahl.

Dabei fühlt sich Anna-Maria Dietze in den USA schon jetzt pudelwohl, Anpassungsschwierigkeiten hatte sie keine. "Es war der richtige Schritt", sagt die Erzgebirgerin zu ihrem Wechsel über den Großen Teich. Vom vergleichsweise beschaulichen Stützpunkt am Fichtelberg - unter dessen Fittichen sie unter anderem Bronze bei den Olympischen Jugendspielen 2016 in Lillehammer mit der Nordic-Mixed-Staffel und 2018 in Goms sogar Gold mit der deutschen Langlaufstaffel bei der Junioren-WM gewann - führte ihr Weg an eine Uni mit mehr als 28.000 Studenten. "Ich habe sofort Freunde gefunden", sagt die Loipenjägerin, die im Apartment-Komplex der Uni in eine Wohngemeinschaft zog. Dort lernte sie ebenso junge Leute kennen wie in den vielen Kursen, beim Basketballspielen oder in den Trainingseinheiten. "Es geht sehr international zu. Etwa die Hälfte unseres Ski-Teams kommt aus dem Ausland", berichtet Anna-Maria Dietze, die als einzige Deutsche zusammen mit Athleten aus Norwegen, Schweden und Kanada lernt und trainiert. Der Alltag gleiche dem von früher an der Oberwiesenthaler Sportschule. Der Unterricht - ihr Hauptfach ist Physik - erfordere genauso viel Energie und Disziplin wie der Sport. In der Loipe hielt sich der Frust über den Abbruch der Meisterschaft in Grenzen. Denn für das Team, zu dem neben Langläufern auch Alpinskifahrer gehören, lief es am ersten Wochenende nicht optimal. Persönlich war Dietze aber mit ihren Ergebnissen zufrieden.

Am Ende bestand die große Herausforderung aber darin, Hals über Kopf die Heimreise zu organisieren. "Das kam alles ganz plötzlich", sagt die 20-Jährige über die Folgen der Corona-Krise. Die Uni wurde bis zum Sommer geschlossen, internationale Studenten sollten nach Hause. Von Denver wurde ein Ticket via Calgary nach Frankfurt/Main gebucht. "Aber beim Abflug wurde es dann chaotisch. Es standen falsche Angaben auf dem Ticket", erzählt die Erzgebirgerin, die von einem Schalter zum nächsten eilte - mehrfach vergeblich. Mit Worten und einem Dackelblick schaffte sie es dann aber doch noch in die Maschine. Auch in Kanada, wo ihr Flug als der viertletzte gelistet wurde, war Anna-Maria Dietze etwas mulmig zumute. Doch dann lief alles glatt. "Im Flieger war so viel Platz, dass jeder eine Reihe für sich allein hatte", sagt die Seiffenerin, die sich nun in der Heimat mit Joggen und Radfahren fit hält. Der Fokus liegt aber klar auf dem Unterricht, der im Gegensatz zur Skisaison noch nicht vorbei ist. Online-Kurse stehen ebenso auf dem Programm wie viele Ausarbeitungen.

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