Das Derby-Fieber ist zurück

Diskutiert wurde nach dem Regionalliga-Duell zwischen Thalheim und Gelenau heftig. In einem waren sich jedoch alle 650 Anwesenden einig: Der Abend war Werbung für den Ringkampfsport.

Thalheim.

Riesiger Jubel auf der einen, frustriertes Kopfschütteln auf der anderen Seite: Das Erzgebirgsderby der Regionalliga Mitteldeutschland zwischen den Ringern des RV Thalheim und des RSK Gelenau hat Emotionen pur geweckt, die freilich unterschiedlicher Natur waren. Denn während die Gelenauer ihrem Hinrundensieg eine weitere Überraschung folgen ließen, konnte der RVT seinen Heimvorteil nicht nutzen und verlor 13:16 - und das trotz riesiger Kulisse. 610 Zuschauer stellten einen Saisonrekord für die gesamte Liga dar - und erinnerten zudem an glorreiche Zeiten.

Wie vor Jahren in der 2. Bundesliga lieferten sich beide Teams auch diesmal ein Duell auf Augenhöhe, das hin und her wogte. Einen nahezu perfekten Start erwischten die Gäste, denn Rafar Abdul Ahmadi (57 kg) gewann gegen Fabien Martin ebenso vorzeitig wie Hassan Ismail (61 kg), der Nick Löffler mit einem Hebel schulterte. Dazu noch der Punktsieg von Kamil Wojciechowski (130 kg) im polnischen Duell gegen Radoslaw Dublinowski - und schon stand es 10:0 für den Tabellenfünften, der beim Zweiten eine Außenseiterchance witterte. Sehr zur Freude der RSK-Fans, die rund ein Drittel des Publikums ausmachten. Einige von ihnen waren sogar die 12,5 Kilometer nach Thalheim gelaufen. "Ein Ausflug, der sich gelohnt hat", frohlockte Jens Emmrich. Allerdings war das Derby längst nicht entschieden. Es folgten noch mehrere Wendungen.

Niclas Eichhorns Punktsieg gegen Daniel Franke (66 kg) sowie die vier Zähler von Chris Schneider brachten Thalheim zur Pause auf 6:10 heran. Vor allem Schneiders Erfolg sorgte für Verärgerung bei RSK-Trainer Björn Lehnert. Martin Hettler fünf Sekunden vor Schluss mit der dritten Passivitätsverwarnung zu disqualifizieren, war für ihn nicht nachvollziehbar. Es sollte an diesem Abend aber nicht die letzte Szene bleiben, in der über den Kampfrichter diskutiert wurde.

Zunächst blieben aber die Gastgeber dran. Benjamin Opitz (86 kg) sicherte sich gegen Lucas Kästel ebenso einen Punktsieg wie Mario Koch (71 kg) gegen Tillmann Germar, der lange 1:0 geführt hatte. Allerdings hielt sich die Ausbeute für die Mannschaftswertung dabei in Grenzen. "In diesen und in einigen anderen Gewichtsklassen haben wir Punkte liegen lassen. Es gab zu viele Kämpfe, die wir hätten höher gewinnen müssen", sagt RVT-Trainer Steffen Richter. Ebenso ärgerlich, wenn auch verdient, war aus seiner Sicht der Ausgang des Duells im 80-Kilogramm-Limit. So lag für den Thalheimer Kevin Mehlhorn bis 40 Sekunden vor Schluss ein Punktsieg in der Luft, aber dann riss Erik Löser das Ruder herum. "Mit seinem Abreißer war er im entscheidenden Moment hellwach", lobt Richter den Siebenten der Junioren-WM.

Was folgte, war der große Aufreger des Abends. Denn im vorletzten Kampf pfiff der Referee nach einem eigenen Griff des Thalheimers Niklas Ohff nicht ab, sondern gab eine "2" für Tomas Sobecky. Der nutzte die Gunst der Sekunde und legte bei hitziger Atmosphäre und Rufe von allen Seiten seinen Gegner sogar aufs Kreuz. "Eine unglückliche Entscheidung", wie Richter fand. Grund für die Niederlage waren in seinen Augen aber dennoch die verpassten Punkte. Und so gratulierte er hinterher den Gästen zum Sieg. "Wir haben den Sieg etwas mehr gewollt", fand Lehnert, der die abschließende Niederlage von Rico Richter gegen Lucas Kahnt leicht verschmerzen konnte. Und selbst dieser Kampf war mit Techniken von beiden Athleten toll anzusehen. "Das war Werbung für den Ringkampf. Solche packenden Derbys wollen die Fans sehen", sagte Richter. Und dass hinterher eifrig diskutiert wird, gehöre nun mal dazu, wenn es auf der Matte so eng zugeht.

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