Das letzte Körnchen fehlt

Handball-Zweitligist EHV Aue hat sein Heimspiel gegen Bietigheim verloren. Zwar waren sie beim 26:31 (12:14) kämpferisch auf der Höhe. Aber letztlich schlichen sich in Abwehr und Angriff zu viele Fehler ein.

Lößnitz.

Verkehrte Welt innerhalb von 40 Minuten: Hatte der EHV Aue nach einer furiosen Startphase in der 10. Minute noch 8:2 gegen den Favorit Bietigheim geführt, stellte der Erstliga-Absteiger seinerseits in Minute 51 beim 26:20 erstmals eine Sechs-Tore-Führung her. Was die 1237 Zuschauer in der Lößnitzer Erzgebirgshalle in der Zwischenzeit bei diesem Zweitliga-Heimspiel der Auer geboten bekamen, war packende Handballkost - mit Licht und Schatten auf beiden Seiten und einer 26:31-Niederlage (12:14) für die Hausherren.

Wie ein Favorit wirkten die Gäste um Trainer Hannes Jón Jónsson am Freitagabend keineswegs zu jeder Zeit. Im Gegenteil: der Start gehörte klar den Gastgebern. Nach dem Auftakttor von Kevin Roch (1.) schraubte der EHV das Ergebnis über Treffer von Sebastian Naumann (2:0/2., 4:1/ 6.), erneut Roch (3:1/4.), Gabriel De Santis (5:1/7.) und drei tollen Toren von Benas Petreikis auf 8:2 in die Höhe. Petreikis traf sehenswert aus dem Rückraum (7.), aus sechs Metern (9.) und per Siebenmeter (10.). Das sei der eiserne "Coburg-Wille" gewesen, sagte Roch später. "Da haben wir gebissen, voll als Team agiert." Mit jener Taktik hatte Aue ein Heimspiel zuvor den ebenfalls favorisierten HSC überraschend besiegt. Am Freitag kam es anders. "Wir sind individuell nicht so stark wie andere Teams. Bei uns muss es über die Mannschaft gehen." Das habe gegen die SG Bietigheim nicht dauerhaft funktioniert. Nach dem 8:2 war es mit der Herrlichkeit auf Auer Seite vorbei. Die Gäste schlossen in den folgenden sieben Minuten auf, weil der EHV den Faden verlor. Auch Erik Töpfer im Tor, der in der Anfangsphase mit Paraden überzeugte, wackelte. Nach dem bitteren 8:8 (18.) erzielte Roch per Siebenmeter das 9:8 (18.). Doch über 9:9 (19.) und 10:10 (22.) zog die SG auf 14:10 (27.) davon, ehe Adrian Kammlodt (11:14/27.) und Roch per Siebenmeter (12:14/29.) kurz vor der Pause die Auer Torflaute beendeten. In 20 Minuten vier Treffer - zu wenig gegen Bietigheim und wie zuletzt auswärts in Ferndorf eine magere Ausbeute. "Im Angriff leisteten wir uns zu viele Fehler und überließen den Gästen einfache Bälle. Dann brach auch noch der Verbund von Abwehr und Torhütern auseinander - der Genickbruch", so Roch.

Viel besser wurde es in Hälfte zwei nicht. Mit zwei bis drei Toren Rückstand blieb die Partie zwar vorerst ausgeglichen. Aber nach dem 17:19 (42.) durch Franz Schauer zogen die Gäste an, während der EHV nicht viel nachlegen konnte. Über 22:18 (46.), 23:19 (47.) und 25:20 (50.) machte die SG den Deckel drauf und drehte das Duell vollends. Kammlodt - erneut bester Werfer der Gastgeber - verhinderte zum Schluss eine höhere Niederlage. Zwischen der 52. und 59. Minute erzielte er sechs seiner insgesamt acht Tore.

Stolz war Gäste-Trainer Jónsson. Nach unglücklichem Beginn habe sich sein Team zurückgekämpft und stets Lösungen gefunden. "Fehler vorn sind nicht so teuer, wenn man weiß, dass die Abwehr steht", sagte er - und sprach Aues Coach Stephan Swat aus dem Herzen. Genau das vermisste er im Spiel seiner Mannschaft. "Ich bin dennoch stolz. Wir nahmen den Kampf an und machten es bis zum 8:2 überragend, um es dann nach der Auszeit der Gäste ausgerechnet im Angriff leider wieder zu verdaddeln." Die sechs Tore habe sein Team zu schnell hergeschenkt. "Danach kommen wir beim 9:8 und 10:9 wieder rein, fangen uns aber den nächsten 0:4-Lauf ein. Ärgerlich." Kämpferisch gebe es nichts zu meckern. "Von der Qualität her waren wir nicht auf Augenhöhe."

Die SG Bietigheim ist nun vorerst Tabellenneunte, während der EHV als 16. einen Rang vor den Abstiegsplätzen in der harten Realität gelandet ist. "Unser Fokus liegt jetzt voll auf Krefeld, wo wir am kommenden Sonnabend die ersten Auswärtspunkte holen wollen", sagte Swat.

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