Die Familie der Oldies wächst weiter

30 Jahre nach ihrem Erfolg in Polen wurden die Trophy-Sieger von einst beim 17. Classic Enduro wieder vereint. Allerdings hatte die Veranstaltung in Zschopau auch noch viele andere Helden zu bieten.

Zschopau.

Die ersten Teilnehmer waren noch nicht einmal auf der Strecke, da gab es bei der 17. Auflage der ADAC Classic-Gelände-Zuverlässigkeitsfahrt "Rund um die MZ-Stadt Zschopau" schon einen ganz besonderen Moment. Auf die Startrampe am Markt traten die meisten jener Geländefahrer, die 1987 im polnischen Jelenia Gora den letzten deutschen Trophy-Sieg erkämpfen konnten. Auch originale MZ- und Simson-Maschinen von damals durften dabei nicht fehlen. Außerdem bewiesen die Lokalmatadoren Harald Sturm und Uwe Weber, dass sie es auch 30 Jahre nach dem Triumph im Riesengebirge immer noch drauf haben. Sie sicherten sich am Samstag in der Youngtimer-Klasse 4 Gold und Silber.

Insgesamt waren 18 Kategorien ausgeschrieben, in denen es aber keineswegs nur um Siege und Platzierungen ging. Auch in diesem Jahr waren für Aktive und Fans vielmehr die Geschichten von Interesse, die sich zu jeder Klasse, ja zu jedem einzelnen Fahrer erzählen lassen. Bei mehr als 220 Startern aus zehn Nationen war das Repertoire riesig. Und so manche außergewöhnliche Information erhielten Besucher schon im Vorfeld bei Abstechern ins Fahrerlager oder bei der Maschinenabnahme. Viele staunten nicht schlecht, als mit der Kolkwitzerin Anja Richter (36) und der 62-jährigen Eva-Maria Fischer aus Ingolstadt auch zwei Frauen aufkreuzten.

Am Abend bei der Siegerehrung wurde der Russe Evgeny Melnikov aus Moskau für die weiteste Anreise geehrt. Den Sonderpreis für das älteste Motorrad mussten sich derweil der Gornauer Thomas Sandig, der eine NSU fuhr, und Burchard Lenz aus Munster mit seiner Maico teilen. Beide Maschinen stammen aus dem Jahr 1955. Lenz selbst war damals schon ein echter Kerl. Kein Wun-der, dass er mit seinen inzwischen 81 Jahren als ältester Teilnehmer auf die Bühne gebeten wurde. "Er ist schon immer bei unserer Classic dabei gewesen", sagt Sabine Hoheisel vom gastgebenden MSC MZ Zschopau, die viele Anekdoten über den rasanten Rentner aus Niedersachsen erzählen kann. Doch genauso trifft die Mitorganisatorin, die sich in diesem Jahr über einen reibungslosen Ablauf ohne Unfälle freute, immer wieder neue Gesichter.

Während einige Spanier erstmals ihre Visitenkarte im mittleren Erzgebirge abgaben, war Lars-Erik Johnsson zum dritten Mal am Start. "Früher bin ich nur daheim in Schweden einige Classic-Rennen gefahren", erzählt der 47-Jährige. Doch als ihm ein Niederländer dort von der Veranstaltung in Zschopau erzählte, war es um den Skandinavier geschehen. "Für Motorsportler ist das hier so etwas wie Heiliges Land", sagt Johnsson schmunzelnd. Also nahm er 2015 zusammen mit zwei Betreuern erstmals die 1100 Kilometer lange Anreise auf sich - und wird es auch weiterhin tun. Ausschlaggebend dafür sind die vielen Bekanntschaften und die herrliche Landschaft im Erzgebirge.

"Bei uns zuhause ist alles flach. Hier gibt es viele Hügel, das lässt sich schön fahren", erklärt der Husqvarna-Pilot, der trotz der diesmal auf 40 Kilometer verkürzten Runde wieder seinen Spaß hatte. Eine Fahrt durch die erzgebirgischen Wälder sei für ihn nun mal ein "echtes Abenteuer". Spaß mache es auch deshalb, weil man Leute aus ganz Europa trifft: "Wir hier im Fahrerlager sind alle wie eine große Familie. Mit dem Motorsport haben wir alle etwas gemeinsam, aber keiner nimmt es allzu ernst."

Eigentlich könnte Johnsson hohe Ansprüche haben. Schließlich stammt er aus Tibro, einem Ort in der Provinz Västra Götalands, der Weltklasse-Fahrer wie Anders Eriksson oder Peter Hansson hervorgebracht hat. Doch Lars-Erik Johnsson selbst schaffte es nie in die Spitze: "Ich war nicht so schnell. Es reichte höchstens zu Team-Medaillen in der schwedischen Meisterschaft." Obwohl er nun im Erzgebirge als Dritter der Youngtimer-Klasse 2 das Podest erklomm, will der 47-Jährige nicht mit internationalen Erfolgen prahlen. Er fahre aus Spaß. Wichtiger als die Platzierung sei das Treffen neuer Freunde. Dass ihm hinter Sieger Gunter Scheidhauer aus Drebach ausgerechnet sein Freund Henrik Sjöberg Platz 2 weggeschnappt hat, freut den Schweden schon fast. Schließlich bringt er den Landsmann seit vergangenem Jahr selbst mit zum Classic Enduro nach Zschopau, wo die "Familie der Oldies" weiter wächst.

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