Die Schweiz im Kopf und Spanien im Sinn

Motorrad-Rennfahrer Nicolas Czyba aus Oelsnitz liegt zur Saisonhalbzeit auf Podestkurs. An die Herausforderungen in seiner neuen Klasse hat er sich schnell gewöhnt - und er denkt schon weiter.

Oelsnitz.

Es ist Halbzeit: Vor der Saison aus dem Europäischen Talente-Cup in die Schweizer Meisterschaft gewechselt, hat Motorrad-Rennfahrer Nicolas Czyba mittlerweile drei von sechs Veranstaltungen - insgesamt sechs Rennen - bestritten. Derzeit ist er Dritter und liegt klar auf Kurs Podestplatz. "Beim nächsten Rennen fahre ich voll auf Angriff und will möglichst am Zweiten, Damien Remi, vorbeiziehen", macht er eine klare Kampfansage an seinen Schweizer Kontrahenten. Zwischen diesen beiden sowie Theo Clerk, einem anderen Schweizer, und dem Rest des Feldes klaffen riesige Lücken von bis zu mehreren Sekunden pro Lauf.

Dabei sind seine Kontrahenten zum Teil deutlich älter, die Strecke für den jungen Oelsnitzer zudem größtenteils Neuland. "Das macht mir überhaupt nichts aus. Ich fahre schon seit 2011 Rennen, habe im Talente-Cup viel gelernt", sagt der 15-Jährige selbstbewusst. Gleich zu Beginn der Meisterschaft ging es auf den bekannten Kurs nach Valencia in Spanien. "Dort lief es weitaus besser als gedacht. Ich hätte nach dem Top-Startplatz im ersten Rennen aber etwa zwei Runden eher reagieren müssen, denn da war noch mehr drin als der zweite Platz. Nach der zweiten Station in Dijon, einem "ruppigen Kurs", wie der 15-Jährige sagt, ging es dann zuletzt in die Slowakei. Den Slovakia-Ring mochte er von Anfang an nicht. "Ein Hochgeschwindigkeitskurs. 90 Prozent Vollgas. Nicht mein Geschmack." Deshalb sei er völlig überrascht gewesen, dass er im zweiten Rennen sogar Dritter wurde - im ersten Lauf war er mit Kupplungsproblemen auf Position 6 gefahren.

Dass aus Nicolas Czyba mal ein erfolgreicher Rennfahrer werden würde, zeichnete sich schnell ab. Mutter Yvonne Flötzke nahm als Rallye-Pilotin einst selbst an Rennen teil, von der "Erze" bis zur Europameisterschaft. Vater Frank ist unter anderem beim Sachsenring in die Organisation eingebunden. "Da war es nur logisch, dass ich selbst in diese Fußstapfen trete." 2011 sammelte er erste Erfahrungen. Wie gefährlich sein Sport ist, hat er erst im vergangenen Jahr erlebt. Als Instruktor für den Nachwuchs flog er bei einigen Trainingsrunden auf dem Kurs in Oschersleben brutal von der Strecke ab und wurde per Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. "Meine Mutter zittert immer mit." Große Unterstützung findet Czyba zudem an der Internationalen Oberschule Niederwürschnitz. "Das kann man nicht hoch genug einschätzen". Er nehme das Lehrmaterial mit zu den Läufen und pauke in der freien Zeit, die ihm dort bleibe. Die Noten würden passen, sagt er, ohne ins Detail zu gehen. In seine neue Rennmaschine, eine Yamaha R6R, habe er sich auf Anhieb verliebt. "Bevor es in der Meisterschaft losging, hatte ich in Almeria in Spanien nur drei Tests, um Bekanntschaft mit dem Motorrad schließen zu können. Es hat auf Anhieb gepasst. Der Unterschied zur reinen Straßenmaschine sei das an die Belastungen eines Rennens angepasste Fahrwerk.

In reichlich einer Woche fährt er nun im tschechischen Brno, bevor es erneut nach Dijon geht. Zum Abschluss stehen die beiden Rennen im kroatischen Rijeka auf dem Programm. Obwohl die Meisterschaft das Attribut "Schweiz" im Namen trägt, findet kein Rennen in dem Alpenstaat selbst statt - dort sind Rundstrecken-Rennen seit mehr als 60 Jahren verboten. Auslöser dafür war der verheerende Unfall beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1955 mit 84 Toten - bis heute die schwerste Katastrophe im Motorsport.

Wie es nach dieser Saison für Nicolas Czyba weitergeht, ist offen. Er selbst möchte gern in der Spanischen Meisterschaft antreten - als nächster Schritt zu seinem großen Ziel: der Teilnahme an der Weltmeisterschaft MotoGP.

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