Die Zukunft liegt im Nachwuchs

Seit 42 Jahren ist der Fußball elementarer Bestandteil des Lebens von André Feig. Früher kickte er selbst, jetzt gibt er an der Seitenlinie die Kommandos.

Marienberg.

Die Auswahl war in einer Wintersportregion wie dem Erzgebirge groß. Doch statt Skiern oder Rodelschlitten trieb es André Feig vor 42Jahren zum Fußball und eben nicht auf die Abfahrtshänge der Umgebung. "Im Winter ist es mir einfach zu kalt. Das ist nichts für mich", sagt der gebürtige Marienberger lachend.

Und so ebnete 1977 ein Lederball den weiteren Weg für den waschechten Erzgebirger. "Mit sechs Jahren habe ich angefangen zu spielen", sagt Feig. "Und das habe ich dann bis auf Verletzungspausen eigentlich auch bis 2008 durchgezogen." Erst bei der BSG Aufbau Großrückerswalde, später dann in Nordrhein-Westfalen. "Wir sind nach der Wende für zehn Jahre in den Westen gezogen und dort bis 2002 geblieben", erzählt Feig, der in dieser Zeit unter anderem für die SpVg Möhnesee und den 1. SC Lippetal auf Torejagd ging.

Vor 17 Jahren kehrte er dank einer erfolgreichen Jobsuche wieder in seine richtige Heimat zurück und schloss sich hier seinem alten Verein an. Sechs Jahre kickte er noch für die Blau-Weißen, bevor er 2008 die aktive Karriere beendete. "Mit 37Jahren war es an der Zeit. Und nach zwei Kreuzbandrissen macht der Körper irgendwann auch nicht mehr mit", weiß der 48-Jährige aus Erfahrung. Doch mit dem Fußball war für ihn noch lange nicht Schluss, denn er wechselte vom Feld auf die Bank. "Die A-Junioren aus Großrückerswalde habe ich schon vorher trainiert. Dann habe ich bei unserer ersten Mannschaft den Co-Trainer gemacht und die A-Lizenz des DFB erworben." Eine Ausbildung erachtet er als notwendig,um eine Mannschaft im Herrenbereich zu trainieren - wie er es erst in Großrückerswalde und später fünf Jahre bei den Drebacher Krokusblüten getan hat. Dort trat er nach dem Abstieg in die Erzgebirgsliga im Sommer 2018 zurück. "Nach rund zwölf Jahren, in denen ich ununterbrochen Trainer war, brauchte ich einfach eine Auszeit", so Feig. Diese hielt aber nicht lange, wie er schmunzelnd ergänzt. "Immerhin ein halbes Jahr habe ich es daheim ausgehalten." Seitdem trainiert er die A-Junioren der SpG Witzschdorf/Marienberg. Doch nicht nur das, Feig gibt sich mit dem Erreichten nicht zufrieden und bildet sich weiter.

So nahm Feig unter anderem zusammen mit rund 1000 anderen Übungsleitern im vergangenen Jahr am 61. Internationalen Trainer-Kongress (ITK) des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) in Dresden teil. Der BDFL ist der Berufsverband der vom DFB lizenzierten Fußballtrainer mit UEFA-A-Lizenz und UEFA-Pro-Lizenz. Die zentralen Aufgaben des Verbandes sind unter anderem die Interessenvertretung des Berufsstandes und die Fortbildung der Trainer im Auftrag des DFB. "WM-Analyse und Zukunftsperspektiven des deutschen Fußballs" lautete das Thema in der Landeshauptstadt. Mit von der Partie war auch der Marienberger, der sich bei diesem Stelldichein der Fachleute über die neuesten Trends im Trainerwesen informiert durfte. Denn die Liste der Top-Referenten bei diesem Kongress war lang: so sprachen unter anderem Matthias Sammer, Christoph Daum, Stefan Kuntz, Christoph Metzelder, Gernot Rohr, Volker Finke, Jens Härtel, Marc Ziegler oder Tobias Schweinsteiger über ihre Arbeit mit den Sportlern. "In spannenden Referaten und gut aufgebauten Praxis-Demonstrationen gab es eine ganze Reihe verwertbarer Erkenntnisse, die wertvoll für meine künftige Trainerarbeit sind", so Feig. "Hinweise aus Wissenschaft und Trainingslehre werden ebenso hilfreich sein wie die zahlreichen Anregungen zur Spieltaktik." Ein kleiner Kritikpunkt blieb trotzdem. "Schade war eigentlich nur, dass mit Gernot Rohr und Volker Finke Auswahltrainer von Mannschaften aus Afrika den Weg nach Dresden gefunden hatten, aber von unserer Männernationalmannschaft niemand vor Ort war."

In diesem Jahr wird er den ITK in Kassel nicht besuchen. "Es passt zeitlich einfach nicht. Sehr schade", sagt Feig, der in Marienberg als Prozessingenieur arbeitet. "Aber im nächsten Jahr werde ich wieder dabei sein." Er hat auch so genug zu tun, denn neben den A-Junioren aus Witzschdorf und Marienberg trainiert er zusammen mit Peter Fritzsche auch die Kreisauswahl am DFB-Stützpunkt in Marienberg. Im Nachwuchsbereich sieht er auch seine eigene Zukunft. "Ich will nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal wieder ein Herrenteam trainiere", so Feig. "Aber prinzipiell möchte ich schon im Nachwuchsbereich bleiben. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht Spaß. Ihnen eine Philosophie zu vermitteln, das ist genau mein Ding."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...