Ein Fest mit vielen Erinnerungen

Zu "110 Jahre Fußball in Thum" ist der Chemnitzer FC aufgelaufen. Manch einer schwärmte dabei über alte Duelle.

Hat vor 50 Jahren selber gegen den FC Karl-Marx-Stadt gekickt: Der Thumer Rainer Därr (r.), hier mit CFC-Physiotherapeut Olaf Renn, spielte mit Lok Thum zum 60. Jubiläum gegen Erler, Vogel und Müller.

Von Frank Grunert

Es wurde laut im Thumer Stadion: Brian Goldammer hatte gerade einen perfekten Pass erhalten und schloss den Angriff des ESV Eintracht Thum-Herold erfolgreich ab. Jubel überall bei den etwa 600 Zuschauern, vor allem beim Schützen selbst, der an diesem Tag nicht nur das Tor gegen den Chemnitzer FC, sondern auch seinen 19. Geburtstag feiern konnte. Dass es nur der Ehrentreffer beim 1:17 des Kreisklasse-Vertreters gegen die Regionalliga-Truppe war, interessierte keinen. Die Verantwortlichen hatten andere Ziele im Auge.

Ein Fest sollte es werden, ein Fest wurde es auch. 110 Jahre Fußball in Thum wurden gefeiert und die Leute strömten auf die Anlage, die sonst vor allem für die Werfertage öffentliche Beachtung findet. "Wir sind überrascht über die Zuschauerzahl, wir hatten ehrlich gesagt mit weniger gerechnet", erklärte Mario Schöne, Präsident der Thumer. Er hatte das Spiel mit dem ehemaligen CFC-Vorstand Steffen Ziffert eingefädelt. "Die Mannschaft hat sich Chemnitz als Gegner gewünscht. Vor 10 Jahren haben wir gegen Aue gespielt, aber ein bisschen Abwechslung muss ja sein", schmunzelte Schöne, der selber Sponsor beim Regionalligisten ist. Geschichten zwischen den Thumern und den Chemnitzern gab es einige zu hören.

Für Christian Fuchß, den 25-jährigen Abwehrspieler der Thumer, war es ebenfalls ein besonderes Spiel. Denn Fuchß steht selbst im Fanblock der Himmelblauen, kickte also gegen die, die er sonst anfeuert. "Es war eine tolle Erfahrung", erklärte er nach dem Spiel. "Sonst spielen wir nicht vor so vielen Zuschauern. Es ist auch cool, mal gegen die Jungs anzutreten, die man sonst nur am Zaun abklatscht."

Auch der 75-jährige Rainer Därr hatte etwas zu erzählen. Er präsentierte ein altes Foto aus den 1960er-Jahren. Darauf zu sehen: Därr, seine Mannschaft von Lok Thum und die Elf des FC Karl-Marx-Stadt, die vor 50Jahren ebenfalls ihre Visitenkarte in Thum hinterließ. "1500 Zuschauer waren damals da", erzählte Därr. "Wir haben 60 Jahre Fußball in Thum gefeiert und der FCK kam mit allen großen Namen. Müller, Erler, Hambeck, Vogel, alle waren da. Ein tolles Erlebnis war das!"

Für Aufmerksamkeit sorgte auch ein Facebook-Post im Vorfeld der Begegnung, den Markus Böttger verfasst hatte. "Ich wollte klarstellen, dass wir Fußballer sind. Wir setzen andere Prioritäten, und man sollte Fußball und Politik trennen", so Böttger. "Ganz Deutschland hackt aktuell auf Chemnitz rum, wir wollten einen kleinen Mutmacher schicken." Der Text kam gut an, nicht nur in Thum selbst, sondern auch im Fanlager der Himmelblauen. "Besser kann man es nicht ausdrücken", lobte ein älterer Fan des CFC. Viel positive Resonanz also für den ESV - für Markus Böttger ein Glücksfall. "Wir wollen zeigen, dass wir in der Lage sind, einen großen Gegner als Gast zu haben. Zeigen, dass der Verein lebt und attraktiv ist. Das ist uns gelungen."

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