Ein "Grünes Band" fürs Erzgebirge

Eine nicht alltägliche Auszeichnung bekommt der SSV Geyer. Der Verein wird damit für eine besonders vorbildliche Talententwicklung geehrt.

Geyer.

Eine hochkarätig besetzte Jury hat entschieden: Unter den Gewinnern für das "Grüne Band" ist diesmal der SSV Geyer. "Wir hatten uns schon einmal beworben, waren allerdings nicht weit gekommen", sagte der Präsident des Skisportvereins, Jens Anders. Diesmal ist es anders. Denn in dem seit 33 Jahren bestehenden Wettbewerb des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Commerzbank AG gehören sie zu den Auserwählten.

Der Skisportverein Geyer hat nicht nur mit seinen sportlichen Ergebnissen gepunktet, sondern auch mit dem Drumherum, zum Beispiel "mit dem kleinen Städtchen mit reichlich 3500 Einwohnern im wunderschönen Erzgebirge", wie es der Präsident in seiner Bewerbung formulierte. Zudem hat er den Bogen in der Entwicklung der Wintersportler gespannt - von Hans Lippmann, der in den 30er Jahren erfolgreicher Skispringer war, über die Skilangläufer Christine Nestler (60er Jahre), Jan Fiedler (80er Jahre) und Isabel Klaus (90er Jahre), die allesamt deutsche Meistertitel erringen konnten, bis hin zum derzeitig erfolgreichsten Sportler Eric Frenzel. Hinter dem Olympiasieger, Weltmeister und Gesamtweltcupgewinner steht mit Terence Weber ein weiterer Kombinierer, der zur Nationalmannschaft gehört. Hinzu kommen Jakob Fischer und Pepe Schula, die aktuell deutsche Jugendmeister der Nordischen Kombination sind, und Linda Schumacher, die den SSV Geyer bereits bei den Europäischen Jugendspielen im Skilanglauf vertreten durfte.

Mit einstigen und aktuellen Erfolgen konnte Jens Anders also Pluspunkte sammeln, mit dem Engagement des Vereins fügte er weitere hinzu. Denn selbst wenn Geyer durch seine besondere Lage als relativ schneesicher gegenüber vergleichbar gelegenen Orten gilt, zehren schneearme Winter zusätzlich an den Kräften. Trotzdem schaffte es der Verein mit Unterstützung des Skiverbandes Sachsen, eine Vielzahl an Trainingstagen für sich und andere Vereine zu sichern und außerdem auch kurzfristig Wettkämpfe zu übernehmen. "Damit leisten wir seit Jahren einen großen Beitrag für die Nachwuchsarbeit der sächsischen Skiverbandes", betont Jens Anders.

Basis dafür wiederum sei eine Infrastruktur mit fünf Schanzen, Aufstiegshilfe, Langlauf- und Rollskistrecke. "Unser Verein kümmert sich um Erhalt und Ausbau in Eigenregie. Die Schanzenanlage wurde in den vergangenen zehn Jahren stetig modernisiert. Viele Tausend Stunden sind ehrenamtlich geleistet worden, um möglichst beste Bedingungen für die Talente zu schaffen", fügt der Präsident an. "Das Allerwichtigste aber ist die immense ehrenamtliche Arbeit vieler Mitglieder, von zehn engagierten Übungsleitern und einem hauptamtlichen Trainer. Unsere 90 Kinder und Jugendlichen bis zu einem Alter von 18 Jahren sind Grund genug, die Traditionen des Skisports in Geyer zu bewahren und mitzunehmen, um unseren Jüngsten eine Alternative abseits der digitalen Welt zu bieten."

Mit den 5000 Euro, die es mit dem "Grünen Band" für die Vereinsschatulle gibt, lässt sich Einiges anfangen. Den Frauen, Männern und Kindern des SSV Geyer, die aus 21 Orten der Umgebung kommen, fällt sicher viel ein. Denn 2021 steht noch etwas ganz Spezielles bevor: 100 Jahre Skisport in Geyer. Aktuell beherbergt der SSV 233 Mitglieder - aus Geyer, aber eben auch aus Annaberg, Auerbach, Chemnitz, Dorfchemnitz, Elterlein, Hermannsdorf, Hormersdorf, Jahnsdorf, Königswalde, Lauter-Bernsbach, Mildenau, Neukirchen, Schlettau, Neudorf, Sehma, Tannenberg, Jahnsbach und Zwönitz. "Und sogar von noch viel weiter her. Etwa aus Johnsdorf, Frauenstein und Lichtenau", sagt Jens Anders.

So unterschiedlich die Strukturen und die Sportarten auch sind: Alle Vereine, die das "Grüne Band" erhalten, eint ihre hervorragende Nachwuchsarbeit. Im Herbst werden die Pokale und die Schecks über jeweils 5000 Euro Förderprämie bei feierlichen Veranstaltungen an die Gewinnervereine überreicht. Dann wird sicherlich Jens Anders stolz unter jenen 50 Vertretern sitzen, die die Ehrungen für die diesjährige Entscheidung in Empfang nehmen dürfen. Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste und Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz werden die "Grünen Bänder" als Botschafter überreichen. "Was uns immer wieder begeistert, ist die Vielfalt in der Nachwuchsarbeit, die diese Aktion zum Vorschein bringt: Sportarten und Disziplinen, Strukturen und Regionen, aus denen die Bewerbungen kommen. Es ist gut zu sehen, wie viel sich an der Basis in Sachen Nachwuchsarbeit entwickelt. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten", betont Uwe Hellmann, Leiter des Marken-Managements der Commerzbank und Jurymitglied. Seit 33Jahren wird das "Grüne Band" vergeben - 2019 erstmals an den SSV Geyer, dem einzigen geehrten Verein aus dem Erzgebirge.

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