Ein Heimspiel in der Fremde

Für "Rund um Zschopau" nehmen die Geländefahrer oft weite Anfahrtswege in Kauf. So auch Björn Feldt aus Mecklenburg, der im Erzgebirge eine Gastfamilie gefunden hat.

Zschopau.

In der deutschen Enduro-Szene ist Björn Feldt kein unbeschriebenes Blatt, schließlich gehört er seit Jahren zu den Besten seiner Zunft. "Angefangen hat alles mit Motocross", erzählt der 31-Jährige, dessen Vater und Großvater ebenfalls in diesem Metier aktiv waren. "Der Umstieg zum Endurosport erfolgte 2005, als ich auf Anhieb den Titel in der Landesmeisterschaft Mecklenburg-Vorpommerns gewinnen und im Folgejahr verteidigen konnte." Doch irgendwie sprang der Funke nicht so wirklich über, sodass sich Björn wieder bevorzugt dem Motocross widmete.

"Doch ein enger Vertrauter und langjähriger Förderer von mir legte mir nahe, es doch noch einmal im Endurosport zu probieren. Und so kam es, dass ich nach ein paar sporadischen Pokal-Läufen 2011 ein Jahr später in die Deutsche Enduro- Meisterschaft einstieg", erzählt der Mecklenburger, der 2013 bei "Rund um Zschopau" debütierte. "Diese Geländefahrt war damals für mich die Hölle. Zum ersten Mal erlebte ich das, wovon immer alle sprachen. Knackige Prüfungen, anspruchsvolle Strecke, heftige Auffahrten. Dazu der Regen und viel Schlamm", kann sich Feldt noch genau erinnern: "Ich hatte Krämpfe in den Oberschenkeln, wie ich es bis dahin noch nie erlebt hatte. Ich war absolut am Ende." Auch in den Folgejahren haperte es für ihn im mittleren Erzgebirge.

Erst im Vorjahr schloss der 31-Jährige mit dem Enduro-Klassiker seinen Frieden. "Da lief es richtig gut. Mit Platz 3 konnte ich hier meinen deutschen Vize-Titel in der E3 perfekt machen, meinen bis dato größten Erfolg", erzählt er jetzt noch strahlend und erklärt den Hintergrund: "Im Vorjahr habe ich mich ganz präzise auf diese Veranstaltung eingestellt. Speziell trainiert und mir Tipps von meinem Kumpel Arne Domeyer geholt, der schon so manche Schlacht im Erzgebirge erfolgreich geschlagen hat. Und nicht zuletzt, weil ich auf ein großartiges Rundum-Sorglos-Paket bauen konnte", ergänzt der Norddeutsche, der bei Familie Maurer direkt in Zschopau am Markt einquartiert war. "Dort wurde ich total herzlich aufgenommen und nicht nur in den heimischen vier Wänden komplett versorgt, sondern auch an der Strecke tatkräftig unterstützt. Diese Betreuung war wirklich sensationell."

Eher zufällig war der Kontakt in die MZ-Metropole entstanden. "Wir haben Björn ein paar Monate zuvor in Grevesmühlen beim jährlichen Treffen für ehemalige Enduro- und Motocross-Fahrer von Kali Merkers und Dynamo Erfurt kennengelernt und uns sehr nett unterhalten. Die Chemie hat sofort gestimmt, sodass wir ihn einfach eingeladen haben", berichtet Günter Maurer, der selbst seit Jahrzehnten eng mit dem Geländesport verbunden ist. Einen Junioren- sowie vier DDR-Meistertitel kann er sein Eigen nennen. Von 1972 bis 1979 war er in den Klassen 50 ccm bis 500 ccm aktiv. Später war der Zschopauer als Betreuer unterwegs und beherbergte zusammen mit seiner Frau Carmen, zu Zeiten als "Rund um Zschopau" noch "November-Enduro" hieß, so manchen Spitzenfahrer. "Lubomir Vojkuvka und Radek Matoska zählten zu unseren Stammgästen. Auch Herbert Schek hat schon bei uns geduscht", lacht Maurer, dessen Herz für den Endurosport schlägt. In diesem Jahr haben die Maurers nun wieder die Türen für Björn Feldt, dessen Frau Ulrike und Tochter Romy geöffnet. "Sie sind mittlerweile wie eine Ersatzfamilie für uns. Da kann ich gar nicht oft genug Danke für alles sagen", betont der Mecklenburger, für den das Auswärtsrennen somit fast zum Heimspiel wird: "Da freut man sich einfach, früh entspannt und sorgenfrei aus der Haustür zu treten, in Ruhe zum Parc Fermé zu schlendern und dann richtig geiles Enduro zu fahren." Los geht's am Samstag in aller Frühe.

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