Ein Oldie wird zum Helden

Eintracht Bermsgrün hat das Derby gegen Auerhammer mit 1:0 gewonnen. Ein Eigentor entschied die Partie kurz vor Schluss.

Bermsgrün.

"Ja, so ist Fußball", schüttelte Mike Martin, Trainer des SV Auerhammer, den Kopf und saß nach dem Abpfiff ein bisschen fassungslos auf der Bank. Jeder, der das Spiel zwischen dem SV Eintracht Bermsgrün und seinem Team gesehen hatte, konnte Martins Aussage voll und ganz nachvollziehen. Denn das Spiel, welches aus Sicht eines neutralen Zuschauers keinen Sieger verdient gehabt hätte, ließ in der Nachspielzeit die Gastgeber jubeln. Die Partie in der Erzgebirgsliga zwischen dem Achten und dem Dritten der Tabelle endete 1:0 (0:0).

Ausgerechnet der erst drei Minuten zuvor eingewechselte Roman Selbert hatte entscheidenden Anteil daran. Während der Stadionsprecher ihm noch den Treffer zuschrieb, ist auf dem Spielprotokoll dann aber zu lesen, dass ein Eigentor durch Jan Schmutzler die Entscheidung brachte. Trotzdem bekam Selbert nach dem Abpfiff das Lachen nicht aus dem Gesicht: "Es war ein richtiges Eigentor. Er war einen Schritt vor mir dran", stellte der 45-Jährige klar. Dass der "Senior" überhaupt gebraucht wurde, lag an der dünnen Personaldecke der Bermsgrüner. "Unser Trainer hat mir gestern geschrieben, dass ich heute kommen soll. Mit 45 noch einmal für die erste Mannschaft aufzulaufen ist einfach nur geil", so Selbert, der zum heimlichen Helden dieses Derbys wurde.

Dass das Spiel über weite Strecken fußballerisch zu wünschen übrig ließ, sah Selbert anders: "Wir haben gut mitgespielt." Man dürfe nicht vergessen, dass der SV Auerhammer in der Tabelle ganz oben stehe. "Wir haben super dagegen gehalten." Bermsgrüns Trainer Uwe Hörig sah es etwas weniger euphorisch, über weite Strecken habe die Begegnung auf beiden Seiten zu wünschen übrig gelassen: "Für uns war es aber eigentlich klar, dass das Spiel so wird. Bei uns fehlen sieben Mann und ein so kleines Dorf wie Bermsgrün schafft es nicht, das zu kompensieren. Von daher ist es eine Wahnsinnsleistung, die die Jungs hier abgeliefert haben."

Nachdem sich die ganz große Enttäuschung bei Mike Martin etwas gelegt hatte, wollte er sogar ein positives Resümee ziehen: "Mit unserer Leistung bin ich zufrieden. Wir waren kämpferisch, von der Einstellung her und läuferisch viel besser als vergangene Woche. Wir haben auch das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben." Es blieb also nur der entscheidende Makel - der Gegentreffer. "Das war so unverdient. Mit einer einzigen Torchance das Spiel in der Nachspielzeit zu verlieren, ist schon bitter", sagt Martin.

Richtig gefährlich wurden die Gäste in Standardsituation. Bei Eckbällen oder auch Freistößen aus guter Position brannte es vor allem in der zweiten Halbzeit immer wieder lichterloh im Bermsgrüner Strafraum. "Bei solchen Bodenverhältnissen muss man halt versuchen, über Standards zum Erfolg zu kommen. Das letzte bisschen hat eben gefehlt. Da war noch eine Fußspitze dran, der letzte Pass war ungenau oder der Ball ist versprungen", stellte Mike Martin nüchtern fest.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...