Ein Senkrechtstarter mit Schutzengel

Obwohl Robin Siegert erst seit eineinhalb Jahren auf einem Pocket-Bike Gas gibt, hat er es in der Deutschen Meisterschaft schon weit gebracht. Auf Anhieb fuhr der Siebenjährige, der auf einer ganz besonderen Maschine unterwegs ist, in die Top Ten. Nun träumt er von höheren Zielen.

Obervorwerk.

Wer ganz genau hinschaut, erkennt zwei Gesichter, wenn Robin Siegert auf seinem Pocket-Bike die Rennpiste entlang jagt. Das eine ist das des blonden Steppkes aus dem Lengefelder Ortsteil Obervorwerk, der es wieder mal auf die Bestzeit abgesehen hat. Zum anderen lächelt da aber noch ein Junge mit Basecap und Sonnenbrille von der Maschine des Siebenjährigen. Dabei handelt es sich um ein Bild von Jonas Hähle. "Ride in Paradise, Awesomaniac!", steht dazu auf dem Aufkleber: "Fahr im Paradies, toller Verrückter!" Es ist ein letzter ehrfurchtsvoller Gruß an Jonas Hähle - jenen hoch talentierten Fahrer aus Lugau, der im August 2015 im Alter von nur 15 Jahren bei einem Sturz im ADAC-Junior-Cup auf tragische Weise ums Leben kam.

Was Robin Siegert und Jonas Hähle verbindet, ist nicht nur die Leidenschaft für den Motorsport, sondern auch die Maschine, auf der sie ihre ersten Rennen fuhren. "Als wir dieses Pocket-Bike für Robin gekauft haben, ahnten wir noch nichts. Aber anhand der Motor- und Rahmennummer stellte sich dann heraus, dass es einst Jonas Hähle gehörte", erklärt Siegerts Vater Steffen Sachse. Für ihn war sofort klar, dass es sich nicht nur um einen Zufall handelte: "Das war Schicksal, es sollte so sein." Trotz des späteren Startunfalls auf einer größeren Maschine, bei dem Hähle in Oschersleben tödlich verletzt wurde, bleibt Steffen Sachse Optimist: "Ein schlechtes Omen ist das nicht - im Gegenteil: Jonas ist jetzt unser Schutzengel. Er fährt immer mit und passt auf."

Irgendwann fährt Robin Siegert vielleicht einmal die Erfolge ein, die eigentlich für seinen Schutzengel gedacht waren. Der Beginn der Laufbahn lässt jedenfalls hoffen, denn der kleine Blonde aus Obervorwerk erweist sich als echter Senkrechtstarter. Obwohl er schon als Dreijähriger seine ersten Fahrversuche im Motorradsattel unternahm, saß er erst Ostern 2018 erstmals auf seinem eigenen Pocket-Bike. "Irgendwann kam er und wollte eins haben, weil er im Fernsehen wieder mal ein Grand-Prix-Rennen gesehen hatte", berichtet der Vater. Zum Glück verfügte Steffen Sachse über entsprechende Kontakte. Ein Renningenieur, der in der Berufsschule sein Klassenkamerad gewesen war, erzählte von den Trainingseinheiten auf dem Sachsenring, bei denen Robin Siegert erste Erfahrungen sammelte. Hobby-Rennen wie das auf der Freiberger Kartbahn folgten auch bald. "Er ist ins kalte Wasser gesprungen", sagt Steffen Sachse über den Junior, der es nicht nur bei guten Ansätzen beließ.

Trainer Ronny Heinrich vom AMC Sachsenring blieben die schnellen Fortschritte nicht verborgen. Er riet dem jungen Erzgebirger, in diesem Jahr gleich in der deutschen statt in der sächsischen Meisterschaft anzugreifen. Gesagt, getan. Im Mai ging's im tschechischen Cheb los. Und wie: Auf Anhieb fuhr Robin Siegert ins A-Finale und setzte mit den Rängen 9 und 10 die Messlatte hoch an. Seinem Anspruch, unter mehr als 20 Konkurrenten stets in die Top Ten zu fahren, wurde das Talent aber tatsächlich gerecht. In der neun Rennen umfassenden Serie, die ihn bis nach Hessen und Brandenburg führte, belegte der Blondschopf am Ende Rang 9.

"In der Kurve zu liegen, ist ein geiles Gefühl. Dann bin ich auch mit dem Kopf ganz weit unten", sagt der junge Pilot, der bei Stürzen schon so manchen blauen Fleck davongetragen hat. Von schweren Verletzungen blieb er aber verschont - auch dank erzgebirgischer Holzkunst. Seine in Seiffen gefertigten Knie- und Ellenbogenschützer aus Holz erfüllen ihren Zweck optimal. Mit seiner Ausrüstung will Robin Siegert künftig noch weiter vorn landen. Im nächsten Jahr peilt er den ein oder anderen Podestplatz an sowie die Top Fünf in der Gesamtwertung. "2020 ist unser Ziel dann der Meistertitel. Auch wenn es schwer ist, weil die Leistungsdichte enorm ist", sagt Steffen Sachse. Doch sein Sohn eifert nun mal Vorbildern nach wie Valentino Rossi nach. Und auch die guten Ergebnisse von Jonas Hähle sind für ihn ein Ansporn.

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