"Ein Zeichen großen Respekts"

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Dieses Pokal-Aus schreibt bei Handball-Zweitligist Aue Vereinsgeschichte. Das 26:38 tat keinem weh. Denn dafür entschädigte das Gastspiel des THW auf ganzer Linie.

Lößnitz.

Gut eine Minute vor Ablauf der Uhr setzt Bengt Bornhorn zum vierten Siebenmeter an. Da hatte er drei schon erfolgreich verwandelt. Als er sich erneut Richtung Tor dreht, kommt von der Bank ein Signal - und der erfahrene Kreisläufer gibt den Ball an Rechtsaußen Elias Bombelka weiter. Was da wohl in dem 19-Jährigen vorging? Immerhin stand der EHV Aue am Mittwoch in der zweiten DHB-Pokalrunde gegen eine Weltklasse-Mannschaft auf der Platte: Kein Geringerer als der THW Kiel gab sich in der Lößnitzer Erzgebirgshalle die Ehre - und zwar mit voller Kapelle.

Und Bombelka? Er brachte den Ball nicht im Kieler Kasten unter, scheiterte an Dario Quenstedt. Ein Raunen des Bedauerns ging durch die Halle. EHV-Manager Rüdiger Jurke sagte später: "Ich hätte es Bommel gegönnt." Auch der Jungspund sollte sich - wie fast alle eingesetzten Spieler von Aue - in die Torschützenliste gegen dieses Top-Team einreihen. Die Kiste Bier fürs Juniorteam im Falle eines Treffers hätte Bombelka sicher gern bezahlt.

Schwamm drüber. Dieser Pokalabend war ein Pokal-Hit. Unter den knapp 1500 Fans befand sich René Jahn. "Es ist grandios. Dass Kiel seine Top-Leute bringt und nicht die zweite Garnitur, zeigt auch, dass sie uns als kleines Aue trotzdem ernst nehmen. Ein Zeichen großen Respekts", so das Auer Handball-Urgestein, das lange Zeit Spieler und später Trainer war. Die erste Halbzeit sah Jahn mit Freude. "Unsere Jungs haben sich super behauptet." In der Tat gelangen auch Aue im Schatten von Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler & Co. sehenswerte Aktionen. Insbesondere Petr Slachta erwischte einen super Tag. Erik Töpfer zeigte mehrere Paraden, auch seine Keeper-Kollegen Sveinbjörn Petursson und der junge Pascal Bochmann vereitelten mindestens einen Kieler Angriff.

Umso besser, dass THW-Coach Filip Jicha seiner Sieben im Vorfeld keinen Schlendrian gönnte. "Wir haben uns auf Aue vorbereitet, wie auf die Bundesliga oder die Champions League", sagte der Tscheche. Kirsten Weber, sein Gegenüber vom EHVTrainer-Team, sprach von einem absehbaren Ergebnis und einem wunderbaren Erlebnis. "Wir wollten Kiel ein bisschen ärgern und für uns einige erfolgreiche Momente kreieren." Das sei gelungen. Norman Rentsch, ehemaliger Auer Spieler und Coach, sah es ähnlich. Die Gastgeber verkauften sich teuer. "Sie agierten dynamisch, die Abwehr fasste zu. Das war ordentlich", so Rentsch, der Zwickaus Bundesliga-Handballerinnen trainiert. Zum EHV halte er Kontakt, seine Jungs spielen im Nachwuchs. "Ich freue mich, dass der Verein mit dem Los so viel Glück hatte."

Unvergesslich, ja - aber letztlich war Kevin Roch froh, als die Last abfiel. "Das Lampenfieber kam bei mir erst früh beim Aufstehen", so der Linksaußen und sprach von einem sehr akzeptablen Ergebnis. "Teilweise hatten wir zu viel Respekt. Aber zum Glück gab uns Kiel die Chance zum Mitspielen", schätzte der EHV-Kapitän die Kräfteverteilung realistisch ein und richtete den Blick nach vorn. Diesen Sonntag ab 17 Uhr geht es für Aue (8./5:3) bei der HSG Nordhorn-Lingen (10./4:4) um die nächsten Meisterschaftspunkte. "In dieser Halle habe ich bisher keine guten Erfahrungen gemacht", so Roch. "Das wird diesmal hoffentlich anders."

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