Eine Struktur zerbröckelt

Fußball: Im Erzgebirgsverband sinkt die Zahl der Männerteams weiter - Die Organisation des Spielbetriebs gestaltet sich so immer schwieriger

Königswalde.

Das Einteilen der Staffeln wird für den Fußball-Kreisverband immer komplizierter. Seit der Kreisreform 2008 haben 72 Männermannschaften die Segel gestrichen. Doch damit verlängern sich die Fahrtwege. Wo liegt die Lösung? Thomas Schmidt hat versucht, mit dem Spielausschussvorsitzenden Thomas Roscher die Lage zu analysieren.

Freie Presse: Herr Roscher, innerhalb eines Jahrzehnts ist die Anzahl der Männerteams im Punktspielbetrieb der Kreisebene von 192 auf 120 geschrumpft. Ist die Struktur überhaupt noch zu retten?

Thomas Roscher: Natürlich, wenn auch unter anderen Voraussetzungen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich noch nie so lange über einer Spielplanung gesessen habe wie in diesem Jahr.

Wie lange war es denn, und warum ist es so kompliziert?

Ich habe für die kommende Spielzeit rund drei Wochen gebraucht. Der Grund liegt darin, dass es immer schwieriger wird, eine für alle annehmbare Lösung zu finden. Und dabei hatten wir noch Glück im Unglück.

Inwiefern?

Weil durch die Konstellation in den oberen Ligen gleich mehrere Mannschaften abgestiegen sind, die wir für unsere Staffeleinteilung gut gebrauchen konnten. Sonst wäre es noch heikler geworden.

Heißt das, dass das System mit 14 Mannschaften je Staffel in den drei oberen Kreisligen nicht zu halten sein wird?

Zumindest wird es schwierig. Einerseits haben wir mit den Landesligisten Lößnitz und Olbernhau sowie den Landesklasseteams Marienberg, Thalheim, Annaberg, Schneeberg und Gelenau nur sieben höherklassige Mannschaften. Andererseits wollen wir die 2. Kreisklasse nicht aufgeben. Es wird wohl nur gehen, wenn wir die 1. Kreisklasse von drei auf zwei Staffeln reduzieren.

Dann müsste aber ja von jetzt 42 Mannschaften fast ein Drittel nach unten. Geht das?

Wir haben uns überlegt, eine Art Übergangsjahr einzuschieben. Zuvor könnten wir die 1. Kreisklasse auf je 12 Mannschaften pro Staffel stutzen, um aus diesen 36 Mannschaften dann eine Saison später die 28 für das zweigleisige Modell auszuspielen.

Wäre es nicht sinnvoller, gleich die 2. Kreisklasse aufzulösen?

Ich glaube nicht, denn dann würden die Schwächsten die weitesten Wege haben und womöglich die Flinte ganz ins Korn werfen. Außerdem wäre das Leistungsgefälle zu groß. Nur zwei, drei Vereine würden um den Aufstieg kämpfen, alle anderen nur noch um die berühmte Ananas. Sportlich ist das wenig attraktiv.

Mich hat gewundert, dass in der 2. Kreisklasse drei Staffeln bleiben, obwohl bei 27 Mannschaften zwei ausreichend gewesen wären. Worin liegt der Grund?

Sicher sind ein Grund die Fahrtwege. Wir haben als Verband die Vereine befragt, zwei Drittel wollten die Dreiteilung. Das haben wir respektiert, obwohl eine Zweier-Variante vieles einfacher gemacht hätte.

Warum das?

Weil dann die zuzuordnenden Losnummern bei ersten und zweiten Mannschaften funktioniert hätten, sodass beide an einem Tag hätten durchgängig nacheinander spielen können. Dies funktioniert nun nicht mehr.

Gab es durch Auf- und Abstiege wieder Härtefälle bei notwendigen Verschiebungen zwischen den Staffeln?

Ja, die Gornsdorfer trifft es immer wieder. Weil sie territorial in der Mitte liegen, sind sie immer die "Springer". Aber sie nehmen es sportlich, Hut ab!

Wir haben auf Kreisebene noch 120 Männerteams im Spiel betrieb, aber nur gerade mal ein Zehntel davon bei den A-Junioren und nur wenig mehr bei den B-Junioren. In der vergangenen Saison waren es noch jeweils 16. Wo soll das enden?

In der Tat ist die Entwicklung der Anzahl der Nachwuchsmannschaften erschreckend, auch wenn noch einige, die im Landesmaßstab aktiv sind, dazukommen. Aber: 12-mal A- und auch nur 14-mal B-Junioren lassen nicht viel Gutes vermuten.

Woran liegt das, wenn doch der Fußball immer als SportartNummer 1 dargestellt wird?

Ich denke, an der Ausbildung. Viele Jungs gehen nach der Schule weg, zur Lehre oder zum Studium. Das dünnt unsere Vereine aus, weil längst nicht alle wieder ins Erzgebirge zurückkehren.

Da liegt die Prognose nahe, dass es bei Männern ebenfalls weniger Mannschaften werden, was sich ja in der Zunahme der Spielgemeinschaften widerspiegelt. Wann haben wir nur noch die Erzgebirgsliga sowie je zwei Kreisligen und 1. Kreisklassen?

Ich denke, ab der Saison 2020/2021 ist dies realistisch.

Der Erzgebirgskreis wird ja nicht kleiner. Liegt in den Spielgemeinschaften eine Lösungs variante?

Eher nicht. Die Federführenden haben zwar kurzfristig etwas davon, doch die anderen verlassen sich darauf und stellen ihre Bemühungen nach und nach ein. Auch tun sich andere Probleme auf.

Welche?

Beispielsweise, wie die Jungs gemeinsamen trainieren, wie sie zusammenfinden und wo die Heimspiele ausgetragen werden.

Lassen Sie auch deshalb keine Spielgemeinschaften für Erzgebirgs- und Kreisliga zu?

Ja, das ist ein Grund.

Mit Zschopau II/Scharfenstein-Großolbersdorf II/Börnichen II und Scheibenberg/Sehmatal II/ Schlettau II gibt es nun in der 2. Kreisklasse die ersten Dreier-Spielgemeinschaften. Abgesehen von den "Namensmissbildungen", liegt da die Zukunft?

Ich denke nicht. Schon, weil bei nur acht Heimspielen und gleicher Aufteilung jeder Ort nur zwei davon hat. Wo soll da für die Gemeinden, die die Plätze unterhalten, und die Kinder ein Anreiz liegen?

Wäre deshalb nicht das Norwegermodell, bei dem mit weniger Akteuren auf einem verkleinerten Platz gespielt wird, eine Alternative und allemal besser als wenn Vereine ganz aufhören?

Wir haben das Modell in unseren Vereinen zur Diskussion gestellt, bislang ohne Erfolg.

Wo liegen die Gründe dafür?

In materiellen Dingen, nehme ich an. Denn dann brauchen die Vereine zum Beispiel transportable Tore.

Hat unser Kreis also elementare Nachteile gegenüber anderen?

Von der Flächenausdehnung sicher. Ich bete schon immer, dass im Pokalwettbewerb nicht Schönheide gegen Deutschneudorf ausgelost wird.

Weshalb?

Zwischen den Orten liegen mehr als 90 Kilometer oder etwa 2 Stunden Fahrzeit.

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