"Einige haben einen Mann gewollt"

Vor einem "Jahr der Konsolidierung" stehen die Handballerinnen aus Annaberg-Buchholz. Nach ihrem Abstieg aus der Bezirksliga in die Bezirksklasse geht es darum, neuen Mut zu schöpfen. Leicht wird das nicht, wissen auch die neuen Verantwortlichen.

Annaberg-Buchholz.

Am liebsten würden es die Damen den Herren nachmachen. Die waren ein Jahr früher aus der Bezirksliga abgestiegen, haben dann die Bezirksklasse aufgemischt - und sind nun wieder oben. Vielleicht war das die Grundlage für die Entscheidung, dass auch die Frauen des HCAB nun diesen Weg probieren. "Wir hätten ja in der Bezirksliga bleiben können. Doch nach einer Saison ohne Punktspielsieg war dies nicht gewollt", sagt Jan Strasdat. Der 46-Jährige hat mit seiner Frau Anja die Geschicke übernommen, gewissermaßen mit Katrin Illig getauscht.

Die hatte bisher mit Yvonne Ebert als Trainerin der Damenmannschaft gearbeitet, betreut nun die B-Juniorinnen, während Ebert aus beruflichen Gründen zunächst pausiert. Dafür ist das Strasdat-Ehepaar von den B-Mädchen hoch zu den Erwachsenen geklettert, einige ihrer Schützlinge kommen mit. "Auf dem Papier sieht das richtig gut aus. Wir haben 21 Aktive", so Jan Strasdat. Jedoch ist ihm jetzt schon klar, dass nur etwa die Hälfte des Kaders ständig zur Verfügung steht.

Denn in einer Frauenmannschaft gibt es noch mehr Unwägbarkeiten als in einer mit Männern. "Während der Saison sind wie überall manchmal Spielerinnen verletzt oder krank. Aber hier kommen noch Verpflichtungen als Mutti, in Berufen mit Wochenenddienst, in Schichtarbeit und bei einigen der Abiturprüfungsstress hinzu", betont der Trainer, der selbst in rollender Woche in der Papierfabrik Schönfeld beruflich oft gebunden ist. "Aber ein Lamentieren hilft ja nicht, dafür sind wir beim Handball immer in Familie", so Jan Strasdat, der Ehefrau Anja an seiner Seite weiß und Tochter Lisa auf dem Parkett. "Es macht Spaß, wenn wir zu dritt unterwegs sind."

Die Strasdats, die vor etwa acht Wochen das Ruder übernahmen, haben bisher viel "Buntes", aber kaum Handball trainiert: Läufe, Athletik, Kraftübungen, allerhand Spiele. Dennoch sah der erste Test gut aus, 29:18 gegen Aue als Abschluss eines Trainingstags. "Wir wollen das nicht überbewerten, aber es ist gut fürs Selbstvertrauen", so das Trainer-Ehepaar. Es findet den Umgang mit den Damen ohnehin einfacher, "weil die etwas bewusster mitmachen als Juniorinnen".

Für die Serie 2018/2019 sieht sich der HCAB ganz gut gerüstet, wenngleich er personell nicht überall aus dem Vollen schöpfen kann. Zwar ist Lucie Parthova nach ihrer Knieverletzung als wurfgewaltige Rückraumspielerin zurück, doch dafür gibt es im Tor wenig Möglichkeiten. Nachdem Vanessa Letzig wegen der Ausbildung aufgehört hat und Nadine Werner nach Marienberg gewechselt ist, muss Alena Parthova in den Kasten. "Sie ist eine Frohnatur, ein richtiges Vorbild für die Jugend, kommt zum Training aus Chomutov zu uns. Und das mit 51 Jahren", betont Jan Strasdat. Zudem freut er sich, dass mit Hannah Schramm, Florentine Richter, Jenny Prager und mit der bald vom Austauschjahr aus Australien zurückkehrenden Jule Schaarschmidt junge Kräfte nachgerückt sind. Also kann es losgehen, am 26. August im Pokalwettbewerb bei der HSG Langenhessen/Crimmitschau und am 1. September zum Punktspielstart daheim gegen Fortschritt Mittweida. Und vielleicht findet Jan Strasdat, der durch seine Tochter in den Handballsport hineingewachsen ist, den richtigen Umgang, denn: "Einige haben einen Mann gewollt." Natürlich einen als Trainer.


Aufgebot HCAB Damen

Tor: Alena Parthova (51)

Kreis: Franziska Dürig (19), Susann Görg (29) Jule Schaarschmidt (16), Madlen Lenz (18)

Rückraum: Kristin Schönherr (23), Lisa Strasdat (17), Antonia Escher (17), Michelle Reuter (21), Louisa Jakob (17), Hannah Schramm (17), Janine Steli (28), Lucie Parthova (32)

Außen: Jenny Pager (17), Florentine Richter (16), Alina Burkhardt (17), Julia Schwarz (23), Melanie Bartl (34)

Zugänge: Prager, Schramm, Schaarschmidt, Richter (alle eigene Jugend)

Abgänge: Nadine Werner (HSV Marienberg)

Trainer: Jan Strasdat (46), Anja Strasdat (44)

Spielstätte: Silberlandhalle Annaberg

Spielkleidung: gelb/schwarz

Trikotsponsor: Stadtwerke Annaberg-B.

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