Erste Halbzeit rächt sich bitter

Auf den letzten Drücker hätte es zumindest ein Punkt werden können. Doch Handball-Zweitligist EHV Aue unterlag gegen Ferndorf 31:32 (14:20), weil die Abwehr zu viele Schwächen offenbarte.

Lößnitz.

Der Ex-Kapitän hatte das richtige Gespür. "Vielleicht drehen sie in Hälfte zwei ja noch mal auf. Wie vorige Woche in Coburg", sagte Eric Meinhardt aus einem für ihn eher ungewohnten Blickwinkel. Als Zuschauer verfolgte der 34-Jährige erstmals seit dem Ende seiner langen Handball-Karriere in Aue Mitte vorigen Jahres am Sonnabend ein Zweitliga-Heimspiel seines EHV live in der Lößnitzer Erzgebirgshalle. Und behielt Recht: So brannten die Gastgeber nach einem durchwachsenen Auftritt beim Stand von 23:29 ab der 48. Minute zwar ein Feuerwerk ab und machten in zwölf Minuten sechs Minustore fast wett. Trotzdem setzte es eine 31:32-Niederlage, die aus einer zu hohen Halbzeit-Hypothek rührte. Denn zur Pause lagen die Auer 14:20 zurück.

Dass Kevin Roch wenige Minuten nach Abpfiff dennoch ein Lächeln über die Lippen huschte, lag nur am Schmunzeln seines kleinen Sohns, den der Linksaußen auf dem Arm trug. Rein sportlich sei es ein schwarzer Tag für sein Team, so der 30-Jährige. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren. So darfst du in der Abwehr nicht auftreten." Vor allem mit Blick auf das aktuelle Torhüterproblem, da Stammkeeper Erik Töpfer für mehrere Monate ausfällt. Vilius Rasimas als Nummer 2, Routinier Radek Musil sowie Jungspund Pascal Bochmann sind zwischen den Pfosten in der Pflicht. "Und wir haben sie im Stich gelassen", so Roch. "Kampf, Einstellung, Leidenschaft - all das habe defensiv in den ersten 30 Minuten gefehlt. Wechselte die Führung bis zur 15. Minute hin und her, setzten sich die Gäste danach Tor um Tor ab, lagen in der 23. Minute 14:10 vorn. "Wenn du ständig einem Rückstand hinterherhechelst, wird es nicht leichter", so Roch. Teils überhastet agierten die Auer in dieser Phase, in der weder Rasimas noch Musil viel ausrichten konnten. Erst Bochmann, den Trainer Stephan Swat zwei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit brachte, konnte den Torreigen der Gäste erstmals stoppen.

Meinhardt gab die Hoffnung nicht auf, erkannte das Problem seiner ehemaligen Teamkollegen aber sofort. "In der Abwehr stehen sie zu weit auseinander. Doch sie werden einen Weg finden", so der angehende Lehrer für Sport und Biologie, der sein Referendariat in Dresden absolviert und bei der Zweiten von Elbflorenz spielt. "Es geht mir prima", sagte Meinhardt, für den der Handball nun eine schöne Nebensache ist. "Es wäre anders auch nicht unter einen Hut zu bringen." Der Job fordere ihn voll. "Es macht irre viel Spaß in der Schule."

Gelitten hat er am Sonnabend sicher mit Bengt Bornhorn. Der Kreisläufer hat Meinhardts Rolle als verlässlicher Siebenmeterschütze eingenommen. Doch er scheiterte an Ferndorfs Keeper, als für Aue quasi in letzter Sekunde per Strafwurf der Ausgleich drin gewesen wäre. Das sei Bornhorn keinesfalls anzukreiden, betonte Trainer Swat nach dem Spiel. "Das müssen wir vorher klären", sagte er und haderte insbesondere mit Hälfte eins. Hinten raus habe die Moral gestimmt. "Mit der Leistung ab der 48. Minute hätten wir vielleicht zumindest einen Punkt verdient gehabt, aber da gab es dann auch noch zwei, drei fragwürdige Entscheidungen der Schiris."

So nahm Ferndorf im sechsten Anlauf den ersten Sieg aus Aue mit. Erik Töpfer schmerzte das sehr. "Bitter", sagte Aues zum Zuschauen verdammter Keeper. Zwei Wochen ist die Schulter-Operation her. "Es geht mir den Umständen entsprechend", so Töpfer und machte ebenfalls die Abwehr als Schwachpunkt aus. "Da ging in den ersten 30 Minuten so gut wie gar nichts." Für sein Heimdebüt im Zweitliga-Team hatte sich Pascal Bochmann freilich ein anderes Ergebnis gewünscht. "Echt schade", sagte der 17-Jährige, der mit weiten Pässen zwei, drei sehenswerte Konter einleitete. "Doch letztlich lief uns die Zeit weg."


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