Exoten fahren hart am Limit

Hohes Tempo bei guter Balance - das zeichnet Seitenwagenrennen aus. Detlef Rößler vom MC Grünhain betreibt diesen außergewöhnlichen Sport mit vollem Körpereinsatz.

Grünhain-Beierfeld.

Zehn Kilogramm weniger auf den Rippen sind fünf PS mehr auf der Piste. "Das ist Physik", sagt Detlef Rößler im Brustton der Überzeugung und verweist auf die Formel von Masse mal Beschleunigung. Der drahtige 62-Jährige ist körperlich so fit wie vielleicht noch nie. "Ich konzentriere mich voll auf meinen Sport und gewinne dadurch Lebensqualität", sagt der Beierfelder, dessen Leidenschaft der Seitenwagen-Rennsport ist.

Letzterer darf als exotisch gelten, verlangt den Aktiven aber eine Menge ab. 2014 stieg Rößler ein und vertritt die Farben des MC Grünhain seither unter anderem innerhalb der International Sidecar-Trophy als Serie für ambitionierte Duos, die auf dem Rundkurs nicht nur ihrem Hobby frönen, sondern teils die Weltmeisterschaft im Blick haben.

Detlef Rößler war schon früher schwer zu bremsen. 1979 stieg er in den Motorradsport ein - solo. Er schaffte es als Rennfahrer bis in die Lizenzklasse, was zu DDR-Zeiten beachtlich war. Nach einem Unfall 1984 in Schleiz kam das Karriere-Aus. "Ich war durch mit dem Thema." Für lange Zeit - nämlich bis 2014, als er ein Rennen besuchte, um seine alte 125er-MZ noch mal in Augenschein zu nehmen. "Dabei fielen mir die Seitenwagen auf. Und ließen mich nicht mehr los."

14 Tage später saß Rößler selbst in einem Gespann. 2015 holte er ein schnelleres Modell aus England, gewann 2016/17 den internationalen deutschen Bergpreis. "Dass ich so schnell werde, war nicht absehbar", so der Vorruheständler, der als Rohrnetzmeister arbeitete und vor drei Jahren 15 Kilogramm abspeckte - dank ketogener Ernährung, die auf Kohlehydrate verzichtet. Auch Alkohol kommt ihm nicht ins Glas. Seine Disziplin zahlt sich aus, denn Rößler hält gegen die Seitenwagen-Konkurrenz gut mit.

Am Wochenende kommt es zu einer besonderen Kombination. Der Routinier hat mit Luca Schmidt aus Zeulenroda einen Youngster neben sich. "Er ist 15 und auf dem besten Weg, ein ganz Großer zu werden, fuhr schon mit Szene-Größen wie Markus Schlosser und Bennie Streuer", sagt Rößler, dessen Stammbeifahrer Steffen Hahn aus Raschau zum Auftakt krankheitsbedingt passen muss. "Luca, den ich erst vorige Woche bei letzten Einstellungsfahrten in Most kennen lernte, vertritt ihn." Am jetzigen Freitag, Sonnabend und Sonntag geht es in Brünn um erste Zähler für die Trophy-Wertung. Erwartet werden Gespanne aus mehreren Nationen.

Mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde preschen die Duos über den Asphalt. Da braucht nicht nur der Pilot gute Nerven. "Auf den Beifahrer kommt es zu gleichen Teilen an." Er muss die Strecke kennen, sein Gewicht schnell und geschmeidig verlagern, punktgenau reagieren und Balance halten. "Er darf keine Skrupel vor der Geschwindigkeit haben. Luca und ich kriegen das hin", sagt Rößler mit Blick aufs Wochenende, das zugleich das Debüt auf seiner neuen Maschine mit 600 Kubikzentimetern und 100 PS sein wird. Der LCR ist ein Seitenwagengespann jenes Schweizer Herstellers, der seit 30 Jahren als Vorreiter gilt. "Das ist der Olymp", so Rößler stolz.

Er freue sich umso mehr, dass es endlich wieder losgeht. Obwohl das Geld knapp wird. "Bisher hatte ich kaum Sponsoren." Er hoffe, dass sich das ändert und Förderer helfen, den außergewöhnlichen Sport zu erhalten - nicht zuletzt für Talente wie Luca. "Ich mache weiter, solange ich nicht langsamer werde", sagt Rößler. Bisher konnte er sich stets steigern.

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