Froh, ein bisschen trainieren zu dürfen

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"Hausarbeit" heißt derzeit die bestimmende Aufgabe für die meisten Sportler des Stützpunkts Oberwiesenthal. Einige aber dürfen sogar im Internat wohnen.

Oberwiesenthal.

Homeschooling im Leistungssport, viel komischer kann es eigentlich nicht zugehen. Denn auf die jungen Athleten prasseln da gleich mehrfach ungewöhnliche Dinge ein - einerseits die Pläne zum Fitbleiben, die von den Trainern gefordert werden, andererseits die Aufgaben, die die Lehrer der Eliteschule online in die Kinderzimmer ihrer Mädchen und Jungen schicken.

Betroffen von dieser teilweisen "Doppel-Fernbelastung" sind all diejenigen, die keiner Abschlussklasse zuzuordnen sind. "Ansonsten gelten für unsere Sportschüler die gleichen Regeln wie für andere Schüler in Sachsen auch - sie müssen daheim lernen", sagt Stützpunktkoordinator Patrick Burkhardt. Diejenigen, bei denen die Prüfungen vor der Tür stehen, dürfen hingegen ihre Internatsplätze nutzen. "Es sind aktuell 24 Betten belegt", so Burkhardt. Das entspricht fast genau einem Viertel der vorhandenen Kapazität. Auch sportlich gelten die Kaderathleten, die einen Sportschulplatz haben, als Sonderfälle. "Sie dürfen zum Training hierher kommen, auch wenn die Distanz von 15 Kilometern überschritten wird. Dafür haben ihre Eltern oder Großeltern, die sie ja chauffieren müssen, eine Genehmigung", erklärt die Leiterin der Eliteschule, Ute Ebell. Speziell für diejenigen, die nicht einfach mit Skiern durch den Wald laufen können, ist dies ein kleines Zugeständnis. "Sie könnten sonst ja gar nicht in ihren Spezialsportarten trainieren. Wer hat schon eine Schanze oder einen Eiskanal zu Hause", sagt Ute Ebell. Anders sieht dies bei den Jüngeren aus. Nicht-Sportschüler dürfen nur individuell trainieren und müssen auch den 15-Kilometer-Radius einhalten, der vorgeschrieben ist.

Wofür aktuell trainiert wird, darüber machen sich viele Gedanken. Wettkampftechnisch läuft nämlich alles auf Sparflamme. "Wenn überhaupt, gibt es meist sogenannte Verbandsmaßnahmen, um wenigstens ein paar Vergleichsmöglichkeiten für die Sportler zu haben", macht Burkhardt deutlich. Auf den Internetseiten ist aktuell aber in jeder Sportart nahezu hinter allen Terminen zu lesen: "noch offen", "verschoben" oder "abgesagt". Selbst einige hochkarätige Wettbewerbe wie etwa Junioren-Weltmeisterschaften stehen teils auf der Kippe. "Eine Frage ist ja schon: Wie sollen die Ausrichter die Starter ins Land kriegen", stellt Burkhardt in den Raum.

Bleibt allen also nur, mit den jeweiligen Auflagen zurecht zu kommen. Am Fichtelberg sieht es wetter- und sporttechnisch bestens aus. Es gibt ausreichend Schnee, die Loipen sind präpariert, die Schanzen bereitet. "Der Bürgermeister hat nach dem Hangabrutsch an der K95 umgehend reagiert", betont Burkhardt. Laut Amtsblatt sind 44.000 Euro für die Herstellung, Lieferung und Montage neuer Netze mitsamt des Befestigungsmaterials zur Reparatur der Schanze bereitgestellt worden.

Vom Normalablauf sind alle Disziplinen dennoch weit entfernt. "Aber wir sind froh, dass unsere Sportler überhaupt ein bisschen trainieren dürfen", sagt Burkhardt.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    0
    AnRau
    26.01.2021

    "Wofür aktuell trainiert wird, darüber machen sich viele Gedanken." Auch wenn auf Grund von Corona in dieser Saison ein eingeschränkter Wettkampfbetrieb herrscht, ist der Trainingsbetrieb für die Sportler wichtig.
    Die sportliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ist ein mehrjähriger Prozess und kann nicht mal eben unterbrochen werden, wenn man in ein paar Jahren weiter sportliche Erfolge in der Sportwelt haben möchte. Dazu kommt das in den einzelnen Bundesländern und europäischen Ländern unterschiedliche Voraussetzungen für denTrainingsbetrieb herrschen.
    Auch mit Pandemie werden die Sportler am Ende der Saison wieder in Leistungskader eingestuft werden müssen, um zu entscheiden wer zukünftig in der sportlichen Entwicklung besonders gefördert wird.
    Im Sport und besonders im Leistungssport ist on/off keine Option!