Fußball: Finito für Feten, Feste, Feiern

100, 110, 120 Jahre: Vielerorts im Erzgebirge haben sich Vereine auf Jubiläen vorbereitet. Doch die Corona-Pandemie macht die Pläne zunichte, wobei bei allen gilt: Die Sausen werden nachgeholt.

Erzgebirgskreis.

Schon am Pfingstwochenende sollte es beim SV Germania Gornau unterm Motto "100 Jahre Fußball" hoch her gehen. "Wir hatten viel vor", sagt Abteilungsleiterin Nancy Keller. Auch sportlich, versteht sich. So wollten die B-Junioren gegen die C-Jungs des FC Erzgebirge Aue kicken. Ein Oldie-Turnier - unter anderem mit Traditionsteams aus Chemnitz und Zwickau - sollte das Ganze abrunden. "Nun ist alles auf nächstes Jahr verschoben."

Der Herbst als Nachhol-Option sei zu wacklig gewesen. "Keiner weiß, ob es da schon wieder möglich wäre." Glücksfall: Die finanziellen Einbußen halten sich in Grenzen. "Wir kennen viele unserer Partner persönlich, arbeiten teils lange zusammen. Sie haben sich kulant gezeigt und zugesichert, nächstes Jahr dabei zu sein." Dann gibt es laut Keller doppelt Grund zum Feiern, da der derzeit 245-köpfige Verein 130-Jähriges feiert.

Ähnlich sieht die Lage bei Erzgebirgsligist Neustädtler SV aus, der 100 Jahre Fußball würdigen wollte. Auch diese für Ende Juni geplante Festwoche fällt aus. "Darauf haben wir uns in Vorstand und Verein geeinigt. Es hat keinen Sinn, noch länger abzuwarten", sagt Fußball-Abteilungsleiter Christian Unger. Den Kopf stecke keiner in den Sand. "Dann feiern wir 2021 eben 101 Jahre Fußball. Das hat Seltenheitswert", sagt er. Im NSV scharren alle mit den Hufen. Beide Männerteams, Oldie- und Freizeit- sowie sechs Nachwuchsmannschaften wollen endlich wieder an den Ball treten. "Vor allem die Jüngsten können es nur schwer begreifen, warum alles so abrupt aufhören musste." Von Untergangsstimmung sei die 250-köpfige NSV-Abteilung aber weit entfernt, auch die 30 Kegler um Lars Schneider halten tapfer durch. "Wir meistern das und freuen uns umso mehr auf die Feier im nächsten Jahr." Ein kleinerer Rahmen sei keine Alternative. "Wenn dann richtig", so Unger. Auch alle Partner ziehen da mit.

Noch zehn Jahre mehr hat der FSV Burkhardtsdorf in der Chronik stehen. Glück im Unglück: Eine große Feier war zum 110-Jährigen nicht vorgesehen, betont Organisationsleiter Maik Faßl. "Das Nachwuchscamp, für das sich 70 Kinder angemeldet hatten, und die kleine Feier sind ausgesetzt."

Den 120. Geburtstag der Fußballabteilung des SV Crottendorf planten die Blau-Weißen seit November. Laut Mannschaftsleiter Christian Vogel sollte es mit dem Faschingsverein ein heiteres Wochenende zum Sommer- und Lichterfest werden. Neben Frühschoppen und Blaskapelle gehörten ein Traditionsduell mit den Wismut-Oldies und eine Partie gegen eine Elf aus der tschechischen Partnerstadt Radonice zum Programm. Wie überall gilt auch in Crottendorf: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Vor einer kleinen Sensation stand gar der SV Auerhammer. Denn die Blau-Gelben hatten als derzeit Zweite der Erzgebirgsligatabelle zum 100. Vereinsgeburtstag die Chance, erstmals den Sprung auf die Landesebene zu schaffen. Es wäre das perfekte Geschenk gewesen. Doch der Fortgang der Saison ist fraglich - und die Fete schon abgesagt. "Wir können es nicht ändern", erklärt Vereinsvorstand Steve Beyer. "Wir hatten die Auer Traditionself eingeladen, die Alten Herren freuten sich auf die Kicker aus der Partnerstadt Kadan." Dazu Festzelt, Bands, Feuerwerk und Jugendturnier. Vieles konnte kostenfrei storniert werden, sagt Beyer. "Und alle haben für 2021 zugesagt." Dank der Finanzierung per Crowdfunding-Projekt, bei dem 8600 Euro zusammenkamen, ist das Geld kein Problem. "Wir nutzen es einfach nächstes Jahr."

Erst dann können auch die Nachbarn in Zschorlau "100 Jahre Fußball" feiern, so Abteilungsleiter Andreas Dörfelt. Parallel zur Europameisterschaft war das für dieses Jahr geplant. Zudem sollten zum Jubiläum die Pokalfinals des Kreisverbands bei den Mondputzern ausgetragen werden. "Wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, bleiben wir natürlich bei unserer Zusage", versichert Dörfelt. Doch auch das stehe ja noch in den Sternen.

Im kleinen Rahmen ging beim SV Saxonia Bernsbach das 110-Jährige von Verein und Fußball noch vor Corona über die Bühne. "Die Abteilung hat aus diesem Anlass verdiente Mitglieder geehrt", sagt Vereinschef Uwe Lauckner, der sich vorstellen kann, 2021 das 111-Jährige im Gesamtverein größer zu feiern. "Das wäre etwas Besonderes", so Lauckner, der die Lage nicht nur für die Kicker bedauert, sondern auch für die U18-Keglerinnen. Die waren als Landesmeisterinnen für die deutsche Meisterschaft qualifiziert. "Alles abgesagt. Wie so vieles. Es tut mir sehr leid für die Mädels."

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