Gemeinsam gegeneinander

Seit ihrer Kindheit vereint Lucas und Hendrik Neubert ihre Leidenschaft fürs Radballspielen. In der 2. Bundesliga werden die Brüder aus Niederlauterstein jedoch zu Gegnern.

Niederlauterstein.

Schon sein Vater hatte einst Radball gespielt. Als der drei Jahre ältere Bruder Lucas dann auch noch in den Sattel stieg, blieb Hendrik Neubert gar nichts anderes übrig. Auch er wurde zum Zweiradsportler, um so auf Torejagd zu gehen. "Mein Kumpel Paul und ich spielten gerade im Garten, da haben unsere Väter darüber gesprochen. Kurz darauf ging es zum ersten Mal ins Training", berichtet der Niederlautersteiner, der damals sieben Jahre alt war.

Inzwischen sind 17 Jahre vergangen. Lucas und Hendrik Neubert haben seither unzählige Stunden trainiert - und es weit nach oben geschafft. Beide sind in der 2. Radball-Bundesliga Nord angekommen, in der nun ein Heimspieltag ansteht. Gemeinsam kommen die Brüder diesen Samstag in die örtliche Halle, wo sie ab 14 Uhr aber nicht mit-, sondern gegeneinander antreten. Schließlich bildet Lucas Neubert mit Marco Buschbeck ein starkes Duo, während Hendrik Neubert - so wie damals im Garten - weiter mit seinem Kumpel spielt: Paul Simon.

"Wir haben schon immer alles zusammen gemacht", erzählt Hendrik Neubert. Nur 500 Meter voneinander entfernt stehen die Häuser, in denen er und Paul Simon groß geworden sind. War die Schule geschafft und der Ranzen in die Ecke geschmissen, ging es entweder auf den Bolzplatz oder aufs Rad. Bis ins Erwachsenenalter hat sich daran wenig geändert, denn beide sind noch immer für die Radball-Abteilung der SGN aktiv. Bis zum Ende der vergangenen Saison spielten sie auch noch gemeinsam Fußball -und zwar für den FSV Motor Marienberg in der Landesklasse West. Aus beruflichen Gründen muss Paul Simon nun aber etwas kürzertreten.

Zum Fußball schafft es der nun in Chemnitz lebende Polizist nicht mehr, die Radball-Termine sind im Terminkalender aber weiterhin fett markiert. Für Hendrik Neubert, der nach seinem Maschinenbau-Studium einen Job beim Gewerbeaufsichtsamt annahm, passt diese Konstellation sehr gut. "Radball ist für mich noch etwas wichtiger", sagt der 24-Jährige. Zwar kickt er weiterhin für den FSV Motor, doch sei die Torejagd im Radsattel etwas ganz Besonderes: "Man ist im Radball nur zu zweit und hat damit viel größeren Einfluss aufs Spiel." Im Fußball würde es nicht immer auffallen, wenn ein Spieler mal einen schlechten Tag hat - im Radball schon.

Für Hendrik Neubert bringt der Radball noch einen zusätzlichen Kick mit sich. Schließlich kann er sich dort ein Familienduell mit seinem Bruder liefern. Im Nachwuchsbereich war dies noch nicht möglich, da Lucas Neubert in einer höheren Altersklasse spielte. Inzwischen sind Hendrik und Paul, die im Jahr 2010 deutsche Vizemeister in der U 15 wurden, aber im Herrenbereich angekommen - nach drei vergeblichen Anläufen auch in der 2. Bundesliga. "In den Jahren zuvor hatten wir den Aufstieg zu sehr gewollt. Erst als wir es nicht mehr so verbissen sahen, hat es geklappt", berichtet Außenspieler Hendrik Neubert, der sich mit seinem Partner im Tor blind versteht: "Jeder weiß, was der andere macht." Im Training und bei Pokalturnieren half dies, um Lucas Neubert und Marco Buschbeck mehrfach zu besiegen. Nur in der Liga hat es noch nicht geklappt, was sich aber am Samstag ändern soll. Doch selbst eine erneute Niederlage würde Hendrik Neubert kaum ärgern: "Ein paar Sprüche müsste ich mir schon anhören, aber wenigstens bleiben die Punkte im Verein."

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