Heißer Trend mit kalten Fingern

Sprungkraft im Schnee ist nicht nur beim Skispringen gefragt. Darauf kommt es auch in einer jungen Sparte des Volleyballs an, in der sich nun ein Spieler des VC Zschopau versucht hat - und Gefallen fand.

Zschopau.

Auf Platz 2 der Sachsenliga haben es die Volleyballer des VC Zschopau II abgesehen. Um diesem Ziel näherzukommen, zählen für den den Tabellendritten aus dem Erzgebirge am Samstag nur Siege. In Aue empfängt die Mannschaft von Mathias Ellwart ab 14 Uhr den SV Motor Mickten (8.) und den SV Reudnitz (4.). Ob der Trainer dabei vom ersten Ballwechsel an auf Philipp Schulze bauen kann, bleibt abzuwarten. Schließlich braucht der 22-jährige Außenspieler womöglich etwas Zeit zur Umgewöhnung. Er hatte die Halle zuletzt mit einer weißen Winter-Landschaft getauscht und war im hessischen Willingen zur Deutschen Meisterschaft im Snow-Volleyball angetreten.

"Das ist eine junge Trendsportart, die aus Österreich stammt, sich aber in Deutschland noch nicht so durchgesetzt hat", erklärt Schulze. Gewisse Parallelen zum Beach-Volleyball seien erkennbar, auch wenn die Spielerzahl pro Mannschaft von zwei auf drei erhöht wurde. "So steigt die Attraktivität des Spiels." Waren die Ballwechsel anfangs mit einem einfachen Leger oft früh beendet, so geht es auf dem weißen Untergrund nun meist länger und vor allem spektakulärer hin und her. Aus dem Gaudi-Spiel, das ein Salzburger Eventmanager einst vor seinem Restaurant ins Leben rief, ist auf diese Weise sogar eine Tour geworden. "Einige sehen da großes Potenzial drin", sagt Schulze. Er selbst übrigens auch, denn: "Dieses Spiel macht unheimlich Spaß."

Trotz der inzwischen entfachten Leidenschaft war es eher der Zufall, der den Studenten zum Snow-Volleyball brachte. Weil ein Freund einen zweiten Teampartner brauchte und Schulzes Qualitäten als Beach-Volleyballer kannte, fragte er den 22-Jährigen. Und der überlegte nicht lange. Spontan fuhr er mit zu den nationalen Titelkämpfen, die in Willingen im nordöstlichen Rothaargebirge ausgetragen wurden. "Unser Ziel war, nicht abgeschossen zu werden", erzählt Philipp Schulze. Dass mit Platz 5 die Erwartungen letztlich deutlich übertroffen wurden, lag einerseits am eigenen Können. Zum anderen hatte dies mit dem Wetter zu tun. Denn am Fuße der Ettelsberg-Seilbahn lag im März so wenig Schnee wie schon lange nicht mehr. "Training im Vorfeld war kaum möglich. Am Ende wurde die Meisterschaft sogar verkürzt, die Platzierungsspiele fielen aus", berichtet der Spieler des VC Zschopau, der die Teilnahme dennoch als "tolle Erfahrung" bezeichnet.

Dass bei teils heftigen Böen die winderprobten Konkurrenten von der Küste im Vorteil waren und der Ball mit den kalten Fingern schwer zu kontrollieren war, störte Schulze ebenso wenig wie der nasse Schnee. "Es ist zwar schwierig, dynamisch anzulaufen. Aber am Ende springt man höher als im Sand", sagt der 1,85 Meter "kleine" Spieler, der mit seiner Sprungkraft viel wettmacht. Auf Schnee wird Philipp Schulze definitiv wieder zum Schmettern ansetzen, denn Snow-Volleyball ist für ihn im Kommen. Dass etwas Zeit braucht, weiß der Oberlausitzer aus eigener Erfahrung. Schließlich ist er selbst ein Spätstarter im Volleyball. Von Reiten bis Karate hat er viel ausprobiert, ehe er in der neunten Klasse dank eines Schul-Turniers den Weg ans Netz fand. Aufgrund seines Sport-Studiums verschlug es ihn an die TU Chemnitz - und damit auch zum VC Zschopau, wo er "so richtig Spaß am Volleyball" gefunden hat.

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