Hunger der etwas anderen Art

Natürlich hätten sich Anett und Mirko Wohlgemuth schon zu Beginn der Adventszeit so manche Süßigkeit genehmigt. Doch das Ehepaar aus Zschopau hatte es zunächst noch auf Erfolge bei mehreren Meisterschaften im Bodybuilding abgesehen.

Zschopau.

Es ist schon etwas her, dass Anett Wohlgemuth Vize-Weltmeisterin im Bodybuilding wurde. 2013 durfte sie beim Saisonhöhepunkt des NAC-Verbandes auf Zypern diesen großen Erfolg zusammen mit ihrem Mann Mirko Wohlgemuth im Paar-Wettbewerb feiern. Im Jahr darauf wurde die Zschopauerin zum vierten Mal Mutter, was sie ihr aber kaum anzumerken ist. Denn im Alter von 46 Jahren kehrte sie nun auf die große Bühne der Bodybuilder zurück - mit beachtlichem Erfolg: Bei der Deutschen Meisterschaft in Bochum gewann sie wiederum an der Seite ihres Gatten Bronze.

"Zusammen lässt sich so etwas besser durchziehen", sagt Mirko Wohlgemuth. Er meint damit einerseits die strenge Diät, die es in der 16-wöchigen Vorbereitung neben dem täglichen Trainingsplan einzuhalten gilt. Das Zubereiten von Gemüse, Reis, Hühnchen, Süßkartoffeln oder Fisch lohnt sich mehr, wenn zwei davon essen. Neben der gemeinsamen Ernährung spielt der 47-Jährige mit seiner Aussage aber auch auf die Gemütslage an: "Man versteht einfach, wie sich der andere fühlt." Schließlich kann sich der Verzicht auf bestimmte Dinge durchaus auf die Laune auswirken - je näher der Wettkampf rückt, desto intensiver. "Wie man sich eben so fühlt, wenn man hungrig ist", ergänzt Mirko Wohlgemuth schmunzelnd.

"Aber niemand zwingt uns dazu. Wir machen es freiwillig", betont der gelernte Fitnessfachwirt, dessen Erfolgshunger größer ist als der Appetit auf leckere Süßigkeiten. Dass der Körper dabei "Reserven angreift, die er eigentlich nicht hergeben will", gehöre einfach dazu. Ebenso wie die Tatsache, dass sich am Ende der langen Vorbereitung mit den Kalorien oft auch die gute Stimmung reduziert. Doch es gibt ja immer noch diesen unbeschreiblichen Moment beim Betreten der Bühne, der die Strapazen vergessen macht und das Training ebenso wie die Disziplin belohnt. Den Pflichtposen folgt dabei stets die Kür, bei dem das Zschopauer Ehepaar die Jury in Bochum mit einer gelungenen Darbietung zu rockigen Tönen von "Nickelback" beeindruckte.

Die Freude über DM-Bronze war groß, zumal sich das Duo kurz zuvor schon mit anderen guten Platzierungen belohnt hatte. So sprang bei der Hessischen Meisterschaft, die als Qualifikation für die nationalen Titelkämpfe diente, der Sieg im Paar-Wettbewerb heraus. Und auch als Einzelstarter gingen Anett (5.) und Mirko Wohlgemuth (4.) dabei auf die Bühne. Der 47-Jährige durfte außerdem Siege bei der Bayrischen Meisterschaft und beim German Masters bejubeln. Doch nichts war schöner, als gemeinsam mit seiner Frau das DM-Podest zu betreten.

"Natürlich mache ich jetzt weiter", sagt Anett Wohlgemuth, bei der die DM-Medaille neue Leidenschaft entfacht hat. Von Zufriedenheit ist wenig zu spüren, dagegen macht sich der Ehrgeiz deutlich bemerkbar. "Mit Platz 3 gebe ich mich nicht zufrieden", sagt die Physiotherapeutin, die sich aber trotz allem erst einmal auf die Weihnachtszeit und die wiedererlangte Essfreiheit freut. Schließlich sei Stollen eine ihrer Lieblingsspeisen. "Direkt nach dem Wettkampf war der Appetit am größten", sagt sie. Inzwischen ist wieder Normalität eingekehrt, selbst Pizza steht wieder auf dem Speiseplan. Zu dem gehören aber nach wie vor auch jene Mahlzeiten, die es während der Diät gab.

Gesundes Essen könne schließlich auch schmecken, betonen die Wohlgemuths, die dadurch nicht ganz so sehr in Bedrängnis geraten, was die Vorbereitung auf die nächste Saison angeht. Und die kommt bestimmt, denn im Herbst 2020 wollen es die Zschopauer wieder wissen. Nachdem sie reichlich fünf Jahre lang nur Begleiterin war, wenn ihr Mann auf die Bühne ging, ist speziell Anett Wohlgemuth wieder hoch motiviert. "Nach jeder Schwangerschaft war es schwerer, wieder auf das gewohnte Level zu kommen", sagt die vierfache Mutter. Inzwischen fühlt sie sich aber wieder topfit und will das auch 2020 beweisen.

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