Hygienisches Spiel mit Mundschutz hinter Plexiglas

Stollbergs Schachspieler haben ein Modell gegen die Corona-Pandemie entwickelt. Der Verein will diese Variante salonfähig machen.

Stollberg.

Wie in vielen anderen Sportarten ruht im Schach der Wettkampfbetrieb. Beim SV Erzgebirge Stollberg wird aber inzwischen wieder trainiert - im Kulturzentrum Dürer, das ansonsten weiterhin geschlossen bleibt. Das erste Training stand dabei unter besonderen Vorzeichen, denn die Mitglieder des Vereins haben auf ihre Weise auf das Coronavirus reagiert. Vereinsvize Steffen Hold spricht von einem "eigenen Hygieneschutzkonzept".

Was er damit meint, war schwerlich zu übersehen. An neun Tischen, alle auf Abstand gestellt, hatten die Stollberger Spielfeldtrennungen aus Plexiglas aufgebaut. Die teils von Holz-, teils von Metallrahmen eingefassten Scheiben sind 75 mal 50 Zentimeter groß. Das untere Ende befindet sich 25 Zentimeter über dem Tisch, damit die Spieler die Figuren über das Brett bewegen können und auch die Schachuhr noch Platz findet. Die Idee dazu hatte Steffen Hold selbst, der dann mit Vereinschef Jürgen Steinhart die Trennscheiben baute und mit diesem in seiner Firma anschließend testete. Danach reichte der Verein das Konzept beim Landratsamt ein, das es schließlich genehmigte.

Zum ersten echten Training nach längerer Pause erschienen mit 18Spielern genau so viele, wie an den präparierten Tischen Platz fanden. "Wären mehr gekommen, hätten nicht alle spielen können", sagt Hold, der sich angesichts der Resonanz positiv überrascht zeigte. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir wirklich sämtliche Scheiben aufbauen müssen." Alle anderen derzeit gängigen Vorsorgemaßnahmen hatten die Spieler zusätzlich zu beachten. So ging es gleich nach der Ankunft zum Hände-Desinfizieren, und ein Mundschutz war ungeachtet der Trennwände trotzdem Pflicht. Im Gegensatz zum normalen Trainingsbetrieb führte der Verein zudem eine Anwesenheitsliste.

Dass das Konzept gut geeignet ist, um Spieltage adäquat durchzuführen, daran haben die Stollberger keinerlei Zweifel. Martin Kapp, der bei den Erzgebirgern am Spitzenbrett sitzt, stellte das Konzept auf der Internetseite des Deutschen Schachbundes vor - dort gibt es eine Rubrik, in der Schachspieler aus ganz Deutschland ihre Ideen zur Fortsetzung des Spielbetriebs einstellen können. Und der ist den Stollbergern wichtig - schon weil die erste Mannschaft kurz vor dem Aufstieg in die 1. Landesklasse steht. Zwei Runden sind dafür noch zu absolvieren, am besten noch vor den Sommerferien. Mit der Idee, die Saison bis zum Frühjahr 2021 zu strecken, könnten sie ebenfalls leben. Dieses Szenario gilt zumindest für die 1. Bundesliga als das wahrscheinlichste, eine Entscheidung soll aber erst am 20. Juni fallen. "Zu spät", findet Steffen Hold, der mit den verbleibenden beiden Optionen aber noch weniger leben könnte. Die sehen einen Saisonschluss mit der Wertung des aktuellen Standes beziehungsweise einen Abbruch ohne Wertung vor. Beides würde allgemein zu großen Benachteiligungen führen, so der Stollberger.

An den Online-Turnieren, die der Verein in der Coronapause ersatzweise eingeführt hatte, wollen die Stollberger indes auch nach Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs bis auf Weiteres festhalten - statt einmal soll es diese Möglichkeit künftig sogar dreimal pro Woche geben, nämlich dienstags, donnerstags und sonntags. Es gebe eine ganze Reihe von Vereinsmitgliedern, die aufgrund ihres Wohnsitzes nicht regelmäßig nach Stollberg fahren könnten - dies verschaffe ihnen die Möglichkeit zur Spielpraxis, so Hold.

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