"Im Dorf entsteht eine Stadt"

Extrem-Enduro: Vorsitzender Falko Haase sieht den Getzen-Rodeo-Verein für das anstehende Spektakel gerüstet

Grießbach.

Geländefahrer der Weltelite und Tausende Zuschauer werden am Samstag in Grießbach erwartet. Grund: Das dortige Getzen-Rodeo hat sich zu einem riesigen Spektakel entwickelt. Im Gespräch mit Andreas Bauer schildert Falko Haase den Stress während der Vorbereitung. Zugleich blickt der 44-Jährige, der zusammen mit Matthias Schubert den Getzen-Rodeo-Verein leitet, zurück auf die Anfänge.

Freie Presse: Konnten Sie in den vergangenen Tagen überhaupt mal ein Auge zumachen?

Falko Haase: Der Stress ist schon enorm. Immer wenn man denkt, es ist bald geschafft, kommt etwas dazu. Es sind ganz viele Kleinigkeiten, die solch ein Event mit sich bringt. Aber dass es bis zum letzten Moment der Vorbereitung hektisch zugeht, war schon immer so. Deshalb haben viele unserer 30 Helfer in den vergangenen Tagen freiwillig Urlaub genommen.

Was wurde denn zum Beispiel zuletzt erledigt?

Die Strecke, die die beste sein wird, die wir je hatten, ist eigentlich fertig. Aber jetzt mussten wir noch überall die Werbung befestigen, was auch ein riesiger Aufwand ist. Außerdem müssen wir uns seit Mittwoch auch schon um einige Fahrer kümmern. Als erster kam diesmal Graham Jarvis an. Von ihm gab es zwar keinen Kommentar, denn er spricht nie viel. Aber ihm war anzumerken, dass er deutlich fitter ist als im vergangenen Jahr. Mit ihm ist zu rechnen.

Die Strecke hat er sich bestimmt auch schon angesehen. Wo befinden sich diesmal die Highlights?

Das ist im Vorfeld schwer zu sagen, weil sich bestimmte Dinge erst im Rennverlauf entwickeln. Durch die Spuren tauchen auf einmal Steine auf, wo man nie welche vermutet hätte. Scheinbar leichte Stellen werden so zu einer extremen Herausforderung. Alle Punkte sind interessant, zumal die Strecke erstmals auch über die Straße Im Grund führt und dadurch noch zuschauerfreundlicher wird. Der Kurs wird entzerrt und bietet mehr Platz.

Es werden ja auch Tausende Fans erwartet - ganz anders als bei der Premiere 2006...

Als wir damals mit dem Bauwagen-Verein angefangen haben, waren so um die 300 oder 400 Leute da. Für das erste Mal war das eine gute Resonanz. 2007 waren es schon mehr. Dann folgte eine Pause, aber die Leute wollten, dass wir weitermachen. Also haben wir einen eigenen Verein gegründet, und 2011 folgte das Comeback - mit 2500 Zuschauern und Marcus Kehr als Fahrer.

Haben Sie da schon an internationale Stars gedacht?

Natürlich hatten wir schon immer den Traum, dass eines Tages die weltbesten Fahrer zu uns kommen. Aber wirklich zu erwarten war das nicht. Und es gehörte auch wirklich jede Menge Glück und Zufall dazu, dass daraus etwas wurde.

Worauf spielen Sie damit an?

Der Deutsche Trial-Meister Carsten Stranghöner, der 2011 dabei war, hat hinterher seinem Sponsor Golden Tyre vom Getzen-Rodeo erzählt. Und der war von den Berichten und den Bildern so beeindruckt, dass er uns sofort vertraut und unterstützt hat. Als er uns sagte, dass er für 2012 Graham Jarvis als Starter organisieren würde, konnten wir das bis zuletzt nicht glauben. Der war ja für ein Rennen in Australien gemeldet, wo 10.000 Dollar Preisgeld auf ihn warteten. Und dann ging er auf einmal bei uns an den Start.

Viele Stars folgten ihm. Können Sie eigentlich fassen, was sich seitdem getan hat, oder kommen Sie sich vor wie in einem Traum?

Es ist wirklich der Wahnsinn, was hier in Grießbach abgeht. Das Getzen-Rodeo hat sich einen Namen gemacht und ist förmlich explodiert. Jedes Mal entsteht in diesem kleinen Dorf quasi eine Stadt am Sportplatz - mit riesigem Festzelt, Fahrerlager, riesigen Trucks und Übertragungswagen. Eigentlich ist es schon fast zu groß, aber wir wollten es so.

Jeden November? Geplant war doch ein Zwei-Jahres-Rhythmus.

Eigentlich ja, aber weil "Rund um Zschopau" 2020 ein WM-Lauf ist, wollten wir nicht zwei solche Riesen-Events in einer Woche. Gerade als wir eine Austragung in diesem Herbst besprachen, meldete sich auch noch die World-Enduro-Super-Series, um hier das Finale auszurichten. Das war natürlich das i-Tüpfelchen für die diesjährige Auflage.

Und in Zukunft?

Daran denken wir noch nicht. Aber 2020 wird es definitiv kein Getzen-Rodeo geben. Wie es danach weitergeht, hängt von vielen Faktoren ab.

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