Im Nachwuchs stimmt die Chemie

Nachdem der HSV 1956 Marienberg jahrelang auf Leistungsträgerinnen aus dem Ausland gesetzt hat, sorgen aktuell vor allem Handballerinnen aus der Region für die Tore. Auch für die Zukunft scheint der Sachsenligist bestens gerüstet zu sein.

Marienberg.

Als Chris Tippmann den Eltern der Marienberger D-Jugend-Handballerinnen vor einem Jahr seinen Plan offenbarte, mag so mancher an der Vernunft des Trainers gezweifelt haben. Den Tabellenletzten der Bezirksliga für die folgende Saison in der Sachsenliga anzumelden, schien tatsächlich gewagt, wenn nicht gar verrückt. "Einige haben sich verständlicherweise gewundert", blickt der 40-Jährige zurück. Inzwischen hat die Nachwuchs-Mannschaft des HSV 1956 Marienberg aber alle Zweifler eines Besseren belehrt. Auf Landesebene haben die größtenteils zwölf Jahre alten Spielerinnen mit 6:14 Punkten eine beachtliche Hinrunde hingelegt, rangieren unter elf Teams immerhin an achter Stelle.

Diesen Sonntag können die Erzgebirgerinnen ihre Bilanz sogar aufbessern, denn in die 13.30 Uhr beginnende Partie beim Vorletzten, der SG Rödertal/Radeberg II, gehen sie als Favorit. "Durch den 39:10-Sieg im Hinspiel waren wir am ersten Spieltag sogar kurzzeitig Tabellenführer", berichtet Tippmann, der nun fest an den vierten Saisonsieg glaubt. Eine Zahl, die vor der Saison kaum jemand für möglich gehalten hätte - abgesehen vom Trainer selbst. "Ich habe stets große Fortschritte bei den Mädels erkannt", sagt der 40-Jährige, der sich von den vielen Niederlagen in der Bezirksliga nicht beirren ließ. "Es ist ja auch eine große Umstellung von der E- zur D-Jugend", gibt er zu bedenken. Mussten sich die Spielerinnen zuvor aufgrund der Manndeckung nur auf eine Kontrahentin konzentrieren, so waren nun beim Positionsspiel plötzlich Übersicht und Taktik gefragt.

Dass die Eingewöhnung im Fall der Marienbergerinnen etwas länger dauerte, lag vor allem an der Tatsache, dass sie fast alle demselben Jahrgang angehören. "Da eigentlich zwei Jahrgänge in einer Altersklasse vereint sind, können die älteren Spielerinnen vorangehen. Bei uns war das nicht so", sagt Tippmann, der von der Entwicklung trotzdem schon zu Bezirksliga-Zeiten positiv beeindruckt war. "Wie sonst hätten wir den Spitzenreiter schlagen können, der keine weitere Niederlage kassierte", fragt der Chemielaborant, in dessen Mannschaft die Chemie offenbar stimmt. Der Mix aus Talent, Teamgeist und Einsatzbereitschaft passt perfekt, wie die vergangenen Monate gezeigt haben. Jetzt zum älteren Jahrgang gehörend, halten Marienbergs D-Juniorinnen auch körperlich viel besser mit.

Vielversprechende Talente an den Erwachsenenbereich heranzuführen, hat Chris Tippmann schon mehrfach geschafft. Schließlich kümmert sich der Marienberger, der einst selbst für den TSV Zschopau und den SV Chemnitz-Harthau in der Bezirksliga auf Torejagd ging, schon seit zwölf Jahren um den Nachwuchs. Die derzeit erfolgreichste Werferin der HSV-Damen, Vivian Dresel, hat er ebenso betreut wie jüngere Spielerinnen, die sich erst seit kurzem als Verstärkung für den Erwachsenenbereich erweisen. Leonie Tinney, Emily Mehlhorn, Frenzi Heft, Emma Bielawny und Sophie Heinrich gehören dazu. "Von 2013 bis 2016 haben wir mit ihnen schon einmal in der Sachsenliga gespielt", erinnert sich Tippmann. Zeichnete damals die individuelle Klasse den HSV aus, so sei nun die mannschaftliche Geschlossenheit der Schlüssel zum Erfolg. Zusammen mit Michelle Schmähling und Thomas Liebscher, die ebenfalls zum Trainerstab gehören, will Tippmann nun die nächste Generation für den ganz großen Wurf rüsten. "Und irgendwann würde ich auch selbst gern eine erste Mannschaft betreuen", verrät der 40-Jährige.

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