Im Schatten der Motorräder wuchs eine andere Leidenschaft

Sportlichen Ruhm hat die Stadt Zschopau vor allem seinen Geländefahrern zu verdanken. Doch es gibt noch eine andere Sportart, die inzwischen seit genau 100 Jahren viele Menschen begeistert und zahlreiche Erfolge mit sich brachte.

Zschopau.

Gerade als Jörgen Skafte Rasmussen Mitte der 1920er-Jahre begann, zusammen mit einem ehemaligen Studienkollegen einen Dampfraftwagen (DKW) zu entwickeln, kam in Zschopau noch eine andere Bewegung ins Rollen. Einige junge Männer jagten in ihrer Freizeit einem runden Leder nach. Obwohl dies damals noch nicht als standesgemäß galt, wurde daraus für viele Menschen eine Leidenschaft. Ganz so bekannt wie DKW und später MZ sowie die Geländefahrer, die auf diesen Maschinen zu internationalen Erfolgen rasten, wurden die Fußballer zwar nicht. Dennoch haben sie allen Grund, am kommenden Wochenende gebührend ihren 100. Geburtstag zu feiern. Denn mit der Gründung des 1. Zschopauer FC begann 1919 in Richard Helbigs Gaststätte am Brühl eine echte Erfolgsgeschichte.

Einer, der viel über die Historie erzählen kann, ist Volkmar Neubert. Zwar weiß er über die Gründerjahre und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Verein aufgrund der Unterstützung durchs Motorradwerk zur BSG Motor wurde, auch nur aus der Chronik Bescheid. Doch zu den letzten vier Jahrzehnte kann der inzwischen 69-Jährige genau berichten, denn er hat diese Zeit selbst mit geprägt. "In Gips habe ich damals mein erstes Training geleitet", erinnert sich Neubert noch genau an jenen Abend im Sommer 1980. Weil er sich nach zwei vorherigen Knieverletzungen nun auch noch die Achillessehne gerissen hatte, war seine Zeit als Spieler endgültig vorbei. Was Pech für Neuberts Gesundheit war, erwies sich zugleich aber auch als Glücksfall für den Zschopauer Fußball. Denn so übernahm der einstige Lippersdorfer schon in jungen Jahren den wichtigen Posten bei der BSG.

"Ich wollte unbedingt Trainer sein", sagt der ehemalige Junioren-Nationalspieler, der in Zschopau - abgesehen von zwei Auszeiten - seine sportliche Heimat fand. Schon von 1980 bis 1985 bejubelte er in der Bezirksliga viele Siege. Noch legendärer wurde es beim zweiten Engagement von 1989 bis 1994: "Das war die größte Zeit mit dem Meistertitel, den Aufstiegsspielen und schließlich dem Gewinn des Landespokals." Als erste Mannschaft streckten die Zschopauer, die damals unter dem Namen SpVgg beim Endspiel in Limbach-Oberfrohna den FC Wismut Aue II mit 4:1 bezwangen, im Juni 1991 die sächsische Trophäe in die Höhe. Anschließend durfte das Team sogar im DFB-Pokal ran. "Ein schönes Erlebnis" für den Trainer, auch wenn es gleich in der ersten Runde eine 2:3-Niederlage gegen Rot-Weiß Hasborn-Dautweiler setzte. Unvergesslich sind für Neubert zudem die Jahre in der Landesliga.

Deutlich schwerer als der Abstieg 1995 wogen die Ereignisse zehn Jahre später. Weil der Hauptsponsor des Vereins Konkurs anmelden musste, war der Schuldenberg Ende Juni 2005 auch für den Zschopauer FC zu groß. Der Verein wurde aufgelöst. Doch nach der Neugründung der BSG Motor Zschopau gelang sofort der Neubeginn. Und bald darauf war auch Volkmar Neubert wieder mit an Bord. Zunächst als Trainer der zweiten Mannschaft, später als Vermittler von Spielern und Sponsoren. Organisation ist nun die Aufgabe des 69-Jährigen, der sich daher auch intensiv ums Jubiläum kümmerte. Dieses hält bereits am Freitag ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten sowie ein Spiel gegen die Chemnitzer Traditionself bereit. Am Wochenende folgen dann drei Endspiele um den Erzgebirgspokal.


Von den Anfängen

Am 19. November 1919 fanden sich elf fußball-begeisterte Bürger zur Gründungsversammlung des 1. Zschopauer Fußballclubs zusammen. Initiator der Bewegung, die schon in den Jahren zuvor aktiv, aber nicht organisiert war, war Hans Günther.

Mit 0:12 verliert der 1. ZFC im Jahr 1920 sein erstes offizielles Spiel gegen die SpVgg Erdmannsdorf. Ausgetragen wurde die Partie auf dem Platz am Schützenhaus. Statt Frust weckte das Ergebnis Ehrgeiz: Trainingseifer und Spielerzahlen nahmen zu.

Seine Heimat fand der Zschopauer Fußball am 8. August 1925 mit der Einweihung der Sportplatzes in der Sandgrube, wo heute noch gespielt wird. Die SpVgg "Frei Sport", die dem ZFC seit 1921 Konkurrenz machte, spielte dagegen in der Nähe des Zschopauer Bootshauses.

Erster großer Erfolg war 1929 der Aufstieg des 1. ZFC in die 1-b-Klasse. Später besiegte die Mannschaft, die den Bezirk Flöhatal dominierte, im Sachsenpokal sogar höherklassige Klubs wie Concordia Plauen.

1941 kam der Spielbetrieb zum Erliegen, ehe es am 10. August 1945 erstmals wieder um Tore ging. Aus der SG Zschopau wurde am 12. August 1950 die BSG Motor Zschopau. (anr)

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