In 100 Jahren ist viel verrückt worden, der Sportplatz aber nie

Die Tanneberger feiern. Seit einem Jahrhundert wird in dem kleinen Ort Fußball gespielt - und fast genauso lange gekegelt. Am Wochenende rollen deshalb Bälle und Kugeln.

Tannenberg.

Andreas Glaser hat derzeit keine Zeit, obwohl Urlaub im Kalender steht. Den bricht er aber vorzeitig ab, weil 100 Jahre Fußball in Tannenberg ebenfalls anstehen. Deshalb hat er in Archiven gekramt, Zeitungsausschnitte gelesen, Ortschronisten befragt. Der Vorsitzende des EFV 1918 Tannenberg möchte, dass die gemeinsamen Festivitäten mit den ihr 90-Jähriges feiernden Keglern am Wochenende ein Höhepunkt in der Historie der beiden Vereine werden.

Auf einige Erfolge können die Fußballer verweisen. Bannmeister waren die Herren 1939, Pokalsieger 1987, 1994 und 2000 im Kreis Annaberg, mehrmals Staffelsieger, 1994 zudem Vize-Kreismeister. Auch in Bezug auf den Nachwuchs stehen Titelgewinne in den Statistiken: Kreisspartakiadesieger der Junioren 1980, Kinderkreismeister 1982, Schülerkreismeister 1985 und A-Jugend-Kreispokalsieger 1995 etwa. Doch dies ist lange her. Mittlerweile spielen Tannenbergs Herren in einer Gemeinschaft mit Hermannsdorf in der 1. Kreisklasse, eigene Nachwuchsvertretungen gibt es nicht mehr. Die kleine Gemeinde mit rund 1100 Einwohnern kämpft ums sportliche Überleben, an die 80 Mitglieder halten dem Fußballverein die Treue. "Der Spielbetrieb stand auf der Kippe", sagt Andreas Glaser, der seit 1990 dem EFV vorsteht. Im September stehen Neuwahlen an, der 60-Jährige will noch einmal für vier Jahre kandidieren.

Blickt er zurück, dann lobt er die Altvorderen. Besonders die, die 1918 die Basis legten. Alfred Herwick beispielsweise, ein Ölmühlenbesitzer. Er gilt als Initiator des Sportplatzbaus, war gleichzeitig erster Vorsitzender der damaligen SG Tannenberg. "An der Stelle, wo vor 100 Jahren die Leute mit Hacke und Schaufel dem Boden einen Sportplatz abrangen, steht noch heute unsere Anlage", so Glaser, den alle nur als "Alu" kennen. Viele Dokumente gibt es allerdings nicht, keine Gründungsurkunde. Fehlanzeige selbst für 1955, als aus der SG die BSG Fortschritt Tannenberg mit den Sektionen Fußball, Tischtennis und Kegeln wurde. "Anfragen an Registergerichte und Archive blieben erfolglos", sagt Glaser.

In den Jahren bis zur Wende gab es immer ein Auf und Ab, in manchen keine Männer im Spielbetrieb. Andererseits fielen in diese Zeit Dinge, die mit Hilfe der Gemeinde geschaffen wurden: der Bau einer Umkleidebaracke 1954, die Installation von Strahlern und das Errichten einer Sanitäranlage 1975, der Komplettneubau des Sportheims 1996 für eine Dreiviertelmillion D-Mark, die Einweihung eines neuen Sportplatzes 2000 bis hin zu neuen Fangnetzen im diesem Jahr. "Und dann bekamen wir 1981 noch die Auszeichnung ,Vorbildliche Fußballsektion des DFV' unter BSG-Leiter Siegfried Günther. Meines Wissens waren wir die einzige Sektion im Landkreis Annaberg, der diese Ehre zuteil wurde", sagt Andreas Glaser, der neben seinem 28 Jahre dauernden Vorsitz seit 2003 auch als Schiedsrichter durch den Kreis tourt.

Nun aber freut sich der Träger der Goldenen Ehrennadel des Landessportbundes auf das gemeinsame Fest mit den Keglern, deren Koordination Nicole Hermann übernommen hat. Vergessen will er dabei, dass ihm noch niemand erklären wollte, was eigentlich aus dem Vermögen der BSG Fortschritt geworden ist. "Die Abschlussbilanz habe ich zufällig entdeckt. Sie wies eine fünfstellige Summe aus, als die Sektionen getrennte Wege gingen. Bei den Keglern ist das Geld nicht gelandet, bei uns Fußballern auch nicht. Wir haben mit 58,50 Mark begonnen. Geschichte", so Andreas Glaser.

Festprogramm zum Vereinsjubiläum

Freitag: 17 Uhr Eröffnung und Festveranstaltung für geladene Gäste; 18.30 Uhr Turnier mit Gemeinderat, Feuerwehr und Volleyballern; 20 Uhr Musik und Tanz im Festzelt

Sonnabend: 10 Uhr Turnier mit fünf E-Jugend-Mannschaften; 14 Uhr Fußball EFV Tannenberg - BSV Cottbus; 16 Uhr Turnier der EFV-Altherrenfußballer gegen Siemens Leipzig, Vachdorf und VfB Annaberg; 20 Uhr Musik und Spaß mit "Tatch Me" im Festzelt

Sonntag: 10 Uhr Kegeln für Jedermann und Frühschoppen im Zelt; 13 Uhr Spiel der Damen Waldenburg gegen Olbernhau; 15 Uhr Herren des EFV gegen SV Waldenburg

Sonnabend/Sonntag: Hüpfburg, mobile Kegelbahn, Tombola, Torwandschießen

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...