In der Spur der großen Schwester

Eine besondere Reise tritt Justin Gnüchtel an. Der Skilangläufer vom Stützpunkt Oberwiesenthal fliegt über den Großen Teich, um für ein College zu starten. Aber nicht im Wintersport.

Lauter-Bernsbach.

Die große Schwester hat es vorgemacht, jetzt zieht "der Kleine" nach. Zu sehr hat Jessica von ihrem Collegeaufenthalt in Amerika geschwärmt. "Seit ich 15 bin, wollte ich das auch erleben, nun ist es soweit", sagt Justin Gnüchtel, der gerade das Abi an der Eliteschule Oberwiesenthal mit einer sauberen 1,2 hingelegt hat. Künftig darf er an der Washburn University in Kansas studieren und trainieren. Dorthin hat ihn die Agentur Scholarbook vermittelt. Mitglied in einem College-Team zu sein, hat Vorteile. "Ich muss nur die Flüge bezahlen. Durch ein Sportstipendium sind Gebühren und Kosten für Unterkunft und Verpflegung durch die Uni gedeckt", erklärt der Skilangläufer, der nun als Leichtathlet um gute Zeiten für sich und sein Team kämpfen will. "Speziell über Distanzen zwischen 800 und 10.000 Meter. Das ist nicht allzu weit weg von dem, was wir als Skiläufer im Sommer gemacht haben. Wir sind oft gerannt", fügt er hinzu.

Dass amerikanische Unis das Studieren mit anderen Eigenschaften verknüpfen, gehört zu deren Philosophie, deshalb übernehmen sie gewisse Kosten. "Erfolgreiche Unis erhalten mehr Geld, zum Beispiel von Sponsoren", so Gnüchtel, der einer von rund 7300 Studenten sein wird. Ziel für den Aufenthalt in Topeka, so heißt die Universitätsstadt in Kansas, ist kein Studienabschluss, sondern ein Schnupperjahr. Danach will er wie seine Schwester, die übrigens in New Mexico im Skiläufer-Team war, in Deutschland Medizin studieren. Das notwendige Wissen hat er vermutlich beim Abi nachgewiesen. "Aber Leistungssport und Schule bis zur 13. Klasse sind schon hart, auch wenn mir manches leicht fällt. Allerdings hatten wir durch die Corona-Phase viel Zeit zum Lernen", sagt der junge Mann, der Naturwissenschaften "außer Physik" als seine Stärken sieht, in Kunst und Deutsch aber nicht seine Lieblingsfächer entdeckt hat.

Im Sport lief es in den beiden vergangenen Jahren auch nicht mehr so glatt, nachdem es 2017 mit Nick Fritzsch zu Silber im Teamsprint bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft und 2018 in Grenoble für Mannschaftssilber bei der Schüler-Weltmeisterschaft gereicht hatte. "Spätestens bei Reisen wie nach Frankreich ist mir klar geworden, dass ich andere Länder kennen lernen will", so Gnüchtel, der seit der 7. Klasse am Sportinternat in Oberwiesenthal gelernt und trainiert hat. Das Rüstzeug gab ihm der SV Stützengrün mit, in dem Jens Tröger sein Trainer war.

Nun freut sich der Erzgebirger auf einen neuen Abschnitt - wann immer er beginnt. Geplant war der 17. August, doch noch ist nicht sicher, ob ausländische Studenten in die USA dürfen. "Ansonsten habe ich schon ein paar Bauschmerzen, aber keine Angst wegen Corona. Vielleicht geht es mit Online-Kursen los und ich darf erst ab Januar rüber", sinniert er. Mit einigen Teamkollegen - es werden etwa 15 aus mindestens sechs Nationen sein - hat er bereits Kontakt aufgenommen. "Und natürlich zu Coach David Granato", so der vielseitige junge Mann, der mit seiner sportbegeisterten Familie in Lauter wohnt und sich außerdem für amerikanische Sportarten interessiert. "Speziell für Football. Den Super Bowl haben wir immer in der Gruppe angeschaut."

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