Jubiläum weckt Erinnerungen

50 Jahre Biathlon in Schwarzenberg und Ricco Groß als Ehrengast: Schöner hätte das Fest nicht sein können.

Schwarzenberg.

"Das ist ein Pflichttermin", hatte Biathlon-Trainer Jörg-Peter Deckert zu ihm gesagt. Damit war für seinen ehemaligen Schützling Ricco Groß klar, dass er das Fest anlässlich "50 Jahre Biathlon in Schwarzenberg" am Sonnabend nicht verpassen würde.

Der mehrfache Staffel-Olympiasieger und Weltmeister gehörte zu den Ehrengästen der Feierlichkeiten auf der Rollerbahn des Polizeisportvereins. Der gebürtige Schlemaer, der in Schwarzenberg aufgewachsen ist, frönte in seiner Kinderzeit zunächst dem Skilanglauf. "Das war spannend und interessant. Noch spannender war es aber, als eines Tages ein Biathlontrainer zu uns kam und gefragt hat: Wollt ihr mal schießen?", berichtete Groß. Ricco und die anderen Jungs wollten. Mit der Konsequenz, dass aus der Langlauf- quasi eine Biathlon-Klasse wurde.

Und das in einer Zeit, als die Kinder noch zu Fuß oder mit dem Rad zum Trainieren kamen, ihre Decke fürs Liegendschießen selbst mitbringen mussten und Dederon-Sportjacken trugen. Viel gelacht hätten sie und Spaß gehabt, trotz aufgeschlagener Knie und Ellenbogen, erinnerte sich Ricco Groß. Zu seinem damaligen Trainer Jörg-Peter Deckert hält der Ex-Leistungssportler bis jetzt Kontakt. "Er ist keiner, der angerufen hat, wenn es gut lief, sondern gerade in den schwierigen Zeiten", so Groß. Der heutige Trainer der österreichischen Biathlon-Nationalmannschaft ist bislang der erfolgreichste Sportler, den die 1969 als Sportgruppe Dynamo gegründete Schwarzenberger Abteilung hervorgebracht hat. Aber mit André Sehmisch, Andreas Heymann und Birk Anders gab es weitere Medaillengewinner, die ebenfalls zu den insgesamt rund 200 Geburtstagsgästen gehörten.

Mit dem legendären Pressluft-Gewehr B 96 haben sie in jungen Jahren aber nicht trainiert. Denn diese beim Biathlonnachwuchs beliebte Waffe wurde erst 1996 entwickelt. Und zwar in Suhl bei der Jagd- und Sportwaffen GmbH. Erdacht hat sie Karl Wolf, inzwischen 70 Jahre alt, und der Einzige in Deutschland, der die Gewehre nach wie vor reparieren kann. Denn genutzt werden sie bis heute, auch in Schwarzenberg.

"Um die 2000 Stück gibt es noch", weiß Waffenmeister Wolf. Der gebürtige Ohrdrufer berichtete am Sonnabend in Schwarzenberg von seiner Erfindung. Er kam in den 1970er-Jahren zum damaligen Volkseigenen Betrieb Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk. Nach der Wende gehörte der Waffensektor des Unternehmens zeitweilig zur österreichischen Steyr Mannlicher AG, die die Herstellung von Sportwaffen einstellen wollte. "Ich habe damals gebettelt, noch ein letztes Biathlongewehr bauen zu dürfen", so Wolf.

Er durfte und schuf eine Waffe mit einem Fünf-Schuss-Magazin. Ein Riesenschritt, da es zuvor nur Ein-Schuss-Magazine für diesen Bereich gab. Das schlug ein - ein Nachfolger der Waffe wird bis heute produziert, wenn auch nicht in Suhl. Doch viele Juniorbiathleten schwören auf das B 96. So sehr, dass Karl Wolf nicht in den Ruhestand gehen kann. Vielmehr hat seine Frau Brigitte eine Firma gegründet, ihren Gatten angestellt. Und der repariert nun quasi rund um die Uhr die Waffen dieses einen Typs, die aus ganz Deutschland zu ihm nach Henneberg bei Meiningen geschickt werden. Und der Experte sucht einen Nachfolger, damit auch Schwarzenbergs Biathlontalente von Übermorgen noch zum B 96 greifen können.

www.biathlon-sachsen.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...