Junger Erzgebirger auf dem Sprung

Nicolas Czyba stellt sich der nächsten Herausforderung: Der Motorradrennfahrer aus Oelsnitz will in der Europameisterschaft Vollgas geben. Allerdings durchkreuzen die Folgen der Corona-Pandemie vorerst seine Pläne.

Oelsnitz.

In der Welt des Motorradrennsports sorgt ein Youngster aus dem Erzgebirge für Furore. Bis in die Europameisterschaft der Klasse Supersport hat es Nicolas Czyba inzwischen geschafft - dort wird der erst 15-jährige Oelsnitzer in diesem Jahr für das spanische Team "h43 hernandez" an den Start gehen. "Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder auf meine Rennmaschine zu steigen", sagt er.

Doch noch muss der Rennfahrer auf sein Debüt in dieser Serie, die im Rahmen der Weltmeisterschaft der Moto2 und Moto3 ausgetragen wird, warten. Denn die Auftaktrennen auf dem "Autódromo Internacional do Algarve" im portugiesischen Portimão wurden wegen des Corona-Virus auf einen noch nicht definierten späteren Termin in diesem Jahr verlegt. Geplant war der Saisonstart am 26. April, die zweite Veranstaltung ist fast genau einen Monat später im spanischen Valencia vorgesehen.

Für die Entscheidung, den Auftakt zu verlegen, herrscht volles Verständnis. "Es gibt derzeit ganz andere Prämissen in unserem Leben", sagt Vater Frank Czyba. Erste Auswirkungen hatten die Erzgebirger aber schon gespürt, denn das Frühjahrstraining in Spanien wurde ersatzlos gestrichen. Das treffe alle Motorsportler natürlich hart, denn wenn dann tatsächlich um EM-Punkte gefahren wird, gleiche das einem Sprung ins kalte Wasser.

Pilotieren wird Nicolas Czyba eine Yamaha R6R - einen seriennahen "Sportler", der aus seinem 600-ccm-Vierzylindermotor Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 280 km/h auf den Asphalt zaubert. "Wir sind uns beim ersten Training im Januar in Spanien in den Grundsätzen einig geworden. Dort hat Nicolas sein neues Team begeistern können, war nur vier Sekunden langsamer als die Piloten mit ihren deutlich stärkeren 1000er-Rennmotorrädern. Jetzt gilt es nur noch, den Feinschliff vorzunehmen", erklärt Frank Czyba, der die Verhandlungen mit dem Team führt. Und der Junior ergänzt selbstbewusst: "Ich freue mich riesig auf die EM und will mit Leistung überzeugen." Klar, als wohl jüngster Fahrer gelte es zunächst einmal zu lernen. "Aber meine Zeiten sind ganz gut. Mein Fernziel ist die Weltmeisterschaft", gibt der Mittelschüler die Richtung vor.

Betreut wird er unter anderem vom Neuwürschnitzer Max Neukirchner, der für das Zschopauer MZ-Werk in der Weltmeisterschaft der Moto2, der Superbike- und der Supersport-WM fuhr. Neben den sportlichen Dingen kümmert sich Frank Czyba als Manager auch um die Organisation von Lizenzen, Anreise, Unterkunft und vielem mehr. Nun muss er sich außerdem der erforderlichen "Mitgift" widmen, denn so eine Saison ist sehr kostenintensiv. "Auf Vermittlung ist uns das Team schon entgegengekommen. Trotzdem müssen wir etwa 55.000 Euro selbst aufbringen. So viel Geld haben war natürlich nicht, obwohl wir Nicolas nach Leibeskräften unterstützen", so der Senior.

Für ihn bedeutet das, bei möglichen Sponsoren und Gönnern Klinken zu putzen. Doch der selbstständige Tankstellenbetreiber ist optimistisch, dass sich Unterstützer finden. Denn aufgrund der starken Leistungen des Sohnes habe es erst kürzlich überraschend das Angebot eines anderen Teams gegeben. Das habe er allerdings ablehnen müssen, da die Selbstbeteiligung zu hoch gewesen sei. "Trotzdem zeigt das, dass die Fachleute auf Nicolas aufmerksam geworden sind."

Tatsächlich hat der junge Erzgebirger 2019 mit Rang 3 in der Internationalen Schweizer Supersport-Meisterschaft überrascht. Viermal fuhr er als Zweiter und achtmal als Dritter aufs Treppchen. Seine in Valencia, Dijon (Frankreich), Brno (Tschechien) und Rijeka (Kroatien) sowie auf dem Slovakia-Ring gezeigten Leistungen brachten ihm die Auszeichnung "Rookie oft the Year" ein. Mit 14 war er der mit Abstand jüngste Fahrer dieser Meisterschaft, deren Rennen überall ausgetragen werden dürfen, nur in der Schweiz nicht. Das geht auf das Jahr 1958 zurück, als die Schweizer Regierung in Folge tragischer Todesfälle in Le Mans ein Verbot von Rundstreckenrennen beschloss.

Uneingeschränkten Rückhalt erhält Nicolas Czyba, der zudem im Sächsischen Offroadcup der Endurosportler startet, von der Familie und seiner Bildungseinrichtung, der Internationalen Oberschule Niederwürschnitz. Schließlich nimmt der Teenager, der kurz vor dem Schulabschluss steht und am jeweiligen Rennort paukt, in der Wettkampfzeit tagelang nicht am Unterricht teil. Schulleiterin Renate Herwig, seine Klassenlehrerin, sagt: "Motorsport ist keine olympische Sportart, wird also nicht gefördert. Auch deshalb unterstützen wir Nicolas. Natürlich müssen auch die schulischen Leistungen stimmen, aber die sind in Ordnung. Seine tollen Resultate machen uns stolz."

Neben Vater Frank, der sein Wohnmobil permanent in Spanien untergebracht hat, sind andere Familienangehörige oft mit vor Ort. Auch Mutter Yvonne fiebert mit, wobei ihr bewusst ist, dass Motorsport nicht ungefährlich ist. "Meine Frau weiß das selbst sehr genau, denn sie war jahrelang Co-Pilotin in einem Rallye-Auto. Insofern fällt der Apfel nicht weit vom Stamm", sagt Frank Czyba beruhigend.

TermineEuropameisterschaft Supersport: 26. April (Algarve/verlegt), 24. Mai (Valencia), 14. Juni (Barcelona); 5. Juli (Estoril), 19.Juli (Aragon), 11. Oktober (Jerez), 8. November (Valencia)


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