Kleiner Schritt in Richtung Normalität

In Thum können Leichtathleten mit Kaderstatus wieder mit einem Trainer oder zu zweit trainieren. Erste Erfahrungen zeigen, dass dies der Motivation zugutekommt.

Thum.

Wo sonst großes Getuschel herrscht, das Trainer Maik Werner in den Griff bekommen muss, herrscht diesmal Ruhe. Nela Herzog und Pia Wetzel sind ja an diesem Nachmittag auch nur zweit, um in der Thumer Turnhalle ihre Übungseinheit zu absolvieren. Nicht einmal ihr Coach ist mit dabei, hat ihnen nur Pläne zukommen lassen, was alles zu tun ist. Immerhin ist es nicht ganz so leise wie daheim, wo die beiden Leichtathletinnen des LV90 Erzgebirge in den beiden Wochen zuvor noch jeweils ganz allein ihr Trainingspensum abspulen sollten.

"So macht es schon etwas mehr Spaß", sagt Nela Herzog. Mit dem Großteil ihrer Trainingskolleginnen kommuniziert sie auch weiterhin nur via Handy, aber zumindest mit Pia kann sich die Dreisprung-Expertin nun austauschen. "Zuhause bin ich nur alle zwei Tage Rad gefahren", gesteht die U-20-Athletin aus Dittmannsdorf, die damit den Vorgaben von Maik Werner nicht ganz gerecht wurde. Dafür habe sie sich Pamela Reif zum Vorbild genommen. Ein Fitness-Star im Internet, dessen Übungen auch Nela Herzog zum Mitmachen anregten.

"Die Übungen sind fast besser als die unserer Trainer", ergänzt Pia Wetzel schmunzelnd. Bewegungsabläufe aus Online-Videos umzusetzen, sei in, wobei die Jungen vor allem auf Sascha Huber stehen würden. "Das ist schon Kraftsport", erklärt die Ehrenfriedersdorferin, die lieber Pamela Reif nacheifert. Doch neben deren Übungen tut die U-16-Athletin, die vor allem mit dem Speer erfolgreich ist, noch weitaus mehr für ihre Fitness. Nicht nur Radfahren und Jogging kommen dazu, auch die Hanteln und das Rudergerät daheim benutzt sie.

Obwohl ihre Familie sehr sportlich sei, freut sich aber auch Pia Wetzel, nun endlich gemeinsam mit einer anderen Athletin trainieren zu können. "So fällt einem die Motivation leichter", sagt sie - und bestätigt damit die Einschätzung ihrer Trainer. Genau wie Maik Werner ist auch Sven Lang davon überzeugt, dass der Teamgeist gerade zu Corona-Zeiten eine wichtige Rolle spielt. Und deswegen hat sich der 58-Jährige dafür stark gemacht, auch in Thum wieder Training anzubieten.

"Wir als LV 90 sind ja Teil des Landesleistungsstützpunktes Chemnitz/Erzgebirge", erklärt Lang. Entsprechend der sächsischen Corona-Verordnung, die Anfang des Monats in Kraft trat, ist es Kadersportlern ab der U 16 aufwärts daher gestattet, in Thum zu trainieren. "Aber nur mit einem Trainer oder zusammen mit einem anderen Sportler", sagt Lang und fügt an: "Die Regelung mit zwei Haushalten gilt auch für uns."

An Sportschulen wie der in Chemnitz wurde das Konzept schon seit dem 2. November umgesetzt. In Thum mussten die Hygiene-Richtlinien erst noch mit der Stadtverwaltung abgestimmt werden, doch das ist dem LV 90 nun gelungen. "Das ist eine tolle Geschichte, denn es ist wenigstens ein kleiner Schritt in Richtung Normalität", findet Lang. Bis hin zu den Wettkämpfen sei es dagegen noch ein langer Weg. "Aber der Dezember hat da ohnehin nie eine große Rolle gespielt", so der Trainer. Erst im Januar gehe die Hallensaison los - hoffentlich auch 2021.

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