Läufer trotzen der Pandemie

Der Sachsentrail auf dem Rabenberg gehört zu den ersten Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen Europas. Überraschend: Viele Veränderungen erweisen sich als glücklich.

Breitenbrunn.

Nachdem am Sonntagnachmittag ein Großteil der Starter das Ziel erreicht hatte, lächelte Günter Frietsch, einer von drei Chefs der Laufszene Events GmbH, wohlwollend: "Wir haben offenbar sehr viel richtig gemacht", sagte er. Und meint damit nicht nur die Entscheidung, den Sachsentrail unter Pandemiebedingungen auf dem Rabenberg durchzuziehen. "Wir haben alles entzerrt, haben eine Zweitagesveranstaltung daraus gemacht und den Start/Zielbereich auf die Tartanbahn verlegt", so Frietsch. Durch die Größe des Leichtathletikplatzes konnten die Versorgungsstände auseinandergezogen werden, nichts stand auf einem Tempel.

Stephan Neubert aus Affalter fand die neue Variante ganz gut und bemerkte mit einem Lächeln: "Am Erdinger-Stand ist deutlich mehr Platz als sonst." Die Organisation sei genauso super gewesen wie in vergangenen Jahren. Die Herausforderung sei gewesen, ein Tempo zu finden, mit dem man gut durchkommt. "Die Strecke hat 70 bis 80 Prozent Trails, es gibt nur ein ganz kleines asphaltiertes Stück", so der 31-Jährige, für den das genau die richtige Mischung ist. Am Sonntag spielte ihm dazu noch das Wetter in die Karten: "Am Samstag wäre es mir einfach zu warm gewesen."

Zudem gab diesmal stark versetzte Startzeiten. "Die Teilnehmer kamen sich so gar nicht ins Gehege", sagte Frietsch . Für den Sonntag hieß das: 9 Uhr Start für den 10-Kilometer-Fun-Trail, 14 Uhr Start für den Quarter-Trail mit seinen 19 Kilometern. "Als die Teilnehmer des Quarters ankamen, waren die Fun-Trailer schon wieder weg", so der Organisator. Für Marcus Demmler allerdings war der Nachmittag ein Entscheidungskriterium. "9 Uhr war mir zu früh, dabei wären für mich die 10 Kilometer besser gewesen. Ich habe es nicht so mit längeren Strecken", sagte der 40-Jährige, der insgesamt auf einen starken 7. Platz kam und in seiner Altersklasse Zweiter wurde. Dabei war es seine Sachsentrail-Premiere. "Die herrliche Landschaft und dann das Hoch und Runter - viel besser als auf ebener Strecke", schwärmte der Crottendorfer.

Mit 1400 Teilnehmern ist zwar kein neuer Rekord aufgestellt worden, aber unter den Begleiterscheinungen ist dies ein richtig gutes Ergebnis. "Wir haben auch gemerkt, dass momentan kaum Veranstaltungen stattfinden. Wir sind vermutlich das erste Trail-Event in ganz Europa", so Frietsch. Beim Ultra-Run über 71 Kilometer und 1810 Höhenmeter habe sich das an einem deutlich gewachsenen Starterfeld gezeigt. "Sonst hatten wir immer um die 120 Starter - diesmal waren es 197", freute sich der Organisator. Aus allen Teilen Deutschlands seien sie angereist, weil ja sonst nichts in der Szene los sei. Allerdings führte die Runde nicht über Tschechien, vielmehr musste die ausgeschilderte Schleife zweimal absolviert werden. www.sachsentrail.de


"Auf jeden Fall ist meine Ausdauer besser geworden"

Oliver Albrecht aus Lößnitz ist Fußballer beim SV Affalter. Durch Corona hat er zum Laufsport gefunden. Katja-Lippmann Wagner hat ihn befragt.

Sie haben erst mit dem Laufen begonnen und gleich einen so anspruchsvollen Wettkampf über 19 Kilometer absolviert. Warum?

Mein Kollege hat mich dazu überredet. Er trainiert sehr viel, ist ein richtiger Trailläufer. Für mich ist das Laufen nur die Chance, mich fit zu halten. Fußballtraining war ja plötzlich nicht mehr möglich. Ich laufe einmal in der Woche 20 bis 25 Kilometer - daher waren die 19 Kilometer genau richtig für mich.

Und bringt das Laufen Erfolge?

Auf jeden Fall ist meine Ausdauer besser geworden. Abgenommen habe ich nicht, das ist meine Fußballfigur, aber die wollte ich ja auch halten.

Und wie war Ihr erster Wettkampf im Laufen generell?

Es war alles Neuland für mich und es war anstrengend. Ich trainiere normalerweise auf geraden Wegen und nicht auf diesen Wurzelpfaden, das ist noch einmal etwas ganz anderes. Doch ich habe mir gesagt, dabei sein ist alles. Es ist überhaupt schön, dass endlich wieder etwas stattfindet.

Was war heute die größte Herausforderung für Sie?

Definitiv waren das die letzten 1,4 Kilometer hinauf zum Ziel. Das war ein Anstieg - es ging wirklich noch einmal nur bergauf.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.