Lauftalent tritt auf die Bremse

Nathalie König will wie ihr Vater ein Marathon-Ass werden. Der Weg dahin ist lang - und nimmt Pfade, mit der die Bockauerin teils nicht gerechnet hätte.

Bockau.

Sie wollte ohnehin erst im zweiten Halbjahr die Laufschuhe im Wettkampfmodus schnüren. "Nun geht es ja ohnehin nicht anders, vielleicht muss ich sogar noch länger warten", sagt Nathalie König mit Blick auf die aktuelle Lage aufgrund der Coronavirus-Pandemie, die den Alltag aller fest im Griff hat. "Aber ich bin gesund. Und das ist das Wichtigste."

2019 war ein besonderes Jahr für die 22-Jährige. Woche für Woche steigerte sie sich bis auf zuletzt tägliche Trainingseinheiten. Sie absolvierte mehrere Zehn-Kilometer-Läufe und knackte in Hamburg mit 37:49 Minuten die "magische 38", wie sie es damals formulierte. Allerdings, so ergab der Rückblick, hat sie ihrem Körper vielleicht ein bisschen zu viel abverlangt - und trat deshalb auf die Bremse. "Ich hatte die Balance verloren und musste meine Mitte wiederfinden." Daher gab es für Nathalie König ab dem Jahreswechsel nur noch "Alternativtraining". Dabei stellte sie das Laufen teils ganz ein. "Durch neue Schuhe hatte ich meine Achillessehne gereizt." Dazu kam der Befund einer Lebensmittelunverträglichkeit. Spinning, Gymnastik, Yoga und Schwimmen standen fortan auf der Tagesordnung - dosiert, versteht sich. "Und immer in enger Absprache mit meinem Trainer Udo Hendel."

So habe sie die Kurve bekommen und auf ihr zierliches Gewicht wichtige zwei Kilogramm draufgepackt. "Ich fühle mich spürbar wohler", sagt Nathalie König und arbeitet konzentriert am Muskelaufbau. "Nur wenn ich beim Laufen Energie und Kraft zusetzen kann, ist eine Steigerung möglich." Sie verzichtet auf Fleisch, das ihr schlichtweg nicht schmeckt, und verträgt kein tierisches Milcheiweiß. "Daher spielte auch das Essen eine zentrale Rolle." Sie ernährt sich gluten- und zuckerfrei, auf pflanzlicher Basis.

Die ersten Läufe im Wettkampf-modus sollten in diesen Wochen folgen. Sie wurden wegen des Coronavirus abgesagt. "Und ich spürte, dass ich vielleicht auch gar nicht so weit bin. Denn ich war erleichtert", so die kaufmännische Angestellte in einer Auer Spedition. Die zusätzliche Zeit nutze sie nun, um körperlich weitere Reserven aufzubauen. "Das heißt Kraft und Ausdauer sowie Umfang statt Tempo", umreißt sie ihr Programm. Den läuferischen Teil genießt sie unterwegs in der Erzgebirgsheimat. "Im Frühsommer gehe ich dann wieder mehr auf Tempo. Vielleicht sind ja im Spätsommer schon wieder Wettkämpfe möglich", hofft wohl nicht nur sie.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.