Lern-Sax statt Unterricht und Training

Nachdem am Montag das Internat geschlossen wurde, gilt dies nun für die Einrichtung insgesamt. Gemeint ist die Eliteschule des Wintersports in Oberwiesenthal. Was tun?

Oberwiesenthal.

Die Anordnung des Kultusministeriums gilt für alle: Schulen dicht, nicht nur am Fichtelberg. "Bei uns war es zwar keine Notschließung wie etwa in Chemnitz, denn wir hatten keinen Corona-Fall", so Schulleiterin Ute Ebell. Dennoch zählt, was Gesundheitsministerin Petra Köpping erklärt hatte: "Die Schließung von Schulen ... ist nötig, um die Ansteckungsmöglichkeiten weiter zu reduzieren."

"Unsere Schüler sind durch ihre Wettkämpfe aus aller Herren Länder zurückgekehrt. Schon deshalb erachte ich die Schließung als notwendig", so Ebell, die nun zunächst bis Ostern mit ihrem Lehrerkollegium eine Fernbeschulung organisiert. Eine neue Art, wie sie selbst erfahren muss. Dies geschieht mit Lern-Sax, einer internetbasierten Variante für die Kommunikation und Kooperation zwischen Lehrern und Schülern. Lern-Sax wird als "maßgeschneiderte Lösung bezeichnet, die eine Fülle erprobter Instrumente für sächsische Bildungseinrichtungen bereitstellt". Das System war eingerichtet, wurde aber unterschiedlich oft genutzt, sagt die Schulleiterin. Jetzt werden sich wohl alle damit arrangieren müssen. "Fakt ist, dass es eine andere Unterrichtsvorbereitung erfordert, als wenn der Lehrer vor der Klasse steht", betont Ebell. Kommentiert wurde die Umstellung bei den Schülern unterschiedlich. Während die "Zusatzferien" bei einigen Freude auslösten, sei bei angehenden Abiturienten eher "Fracksausen" zu erkennen gewesen. Allerdings hofft die Pädagogin, dass es nach den Osterferien mit dem Unterricht "normal losgehen kann". In ihrer Einrichtung würden die ersten Abiturprüfungen dann am 24. April anstehen, so sieht es der Plan vor.

Komplizierter als an anderen Schulen sei es bei den Wintersportlern aber ohnehin. "Wir haben jedes Jahr Schnupfen, Husten, Heiserkeit" erklärt Ute Ebell. Denn durch die vielen Trainings- und Wettkampfeinheiten, dem Auspowern des Körpers und der anschließenden Erholungsphase bei allen möglichen Witterungsbedingungen bleiben Erkältungserkrankungen nie aus. "Diesmal aber gab es eine ganz blöde Situation, denn wir hätten die Influenza- kaum von den Symptomen der Coronainfektion unterscheiden können." Dass mittlerweile alle Wettbewerbe abgesagt worden seien, habe auch zur Folge, dass zumindest Risikogruppen weniger gefährdet werden, als es sonst der Fall wäre. "Denken Sie an unsere Kampfrichter. Die meisten sind Ü 70", betont Ute Ebell in Bezug auf die Älteren. Sie selbst stehe in ständigem Kontakt zum Kultusministerium: "Wir haben quasi eine Standleitung."


Sportschüler aus Vereinen des Erzgebirgskreises schildern die aktuelle Situation und wie sie damit umgehen

Viviane und Selina Franz,

Skilangläufer in Oberwiesenthal

Viviane und Selina Franz, zwei Dorfchemnitzer Skilanglauftalente, haben am Sonntag ihr Internat am Fichtelberg verlassen, um einen Tag später noch einmal zurückzukehren und die letzten Sachen abzuholen. Dabei ging es auch noch einmal in die Loipe. "Es lag noch Schnee, den haben wir genutzt", sagt Viviane Franz. Knapp 30 Kilometer Luftlinie weiter nördlich ist daran nicht zu denken. "Alles grün hier", so die 18-Jährige. Müßiggang ist für sie und ihre Schwester trotzdem nicht angesagt. "Bei nur einem Tag Nichtstun baut man ab." Also heißt es, sich daheim zu schinden: Krafttraining, Stabilisation, Ergometer, Gewichte stemmen, Laufen. "Wir sind gerade dabei, uns hier ein kleines Fitnessstudio einzurichten", sagt Mutter Silke Franz. Mit ihren Trainern halten sie Kontakt. (jüw)

Pia Lilian Kübler,

Skispringerin in Klingenthal

Auf Home-Office umgestiegen ist auch Pia Lilian Kübler, die vor kurzem mit dem deutschen Team die Bronzemedaille bei der Junioren-WM am Fichtelberg gewonnen hat. Allerdings verbringt die Skispringerin des SV Nordisch/Alpine Zschopau, die in Klingenthal lernt und trainiert, daheim nur wenige Stunden am Computer. Sind die via Internet von den Lehrern gestellten Aufgaben erledigt, greift die Elftklässlerin gern zu den Hanteln. "Ich habe das Glück, dass wir daheim Gewichte und Hürden besitzen", sagt Pia Lilian, von allen nur Lilly genannt. Von Trainer Marcel Höhlig, mit dem sie alle paar Tage telefoniert, hat sie einen Plan erhalten. Zu dem gehören Joggingläufe. "Ich drehe immer mal paar Runden", so die 17-Jährige, gesteht aber: "Maximal dreimal pro Woche." (anr)

Max Roscher,

Fußballer in Chemnitz

Nicht nur das öffentliche Leben steht still, auch auf das Privatleben hat die derzeitige Lage Einfluss. So befindet sich Fußballer Max Roscher in Quarantäne - der 16-Jährige spielt mit dem Chemnitzer FC in der B-Jugend-Bundesliga. Die Schule des Königswalders ist zu, nachdem eine Lehrkraft positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. "Max muss bis zum 29. März in häuslicher Quarantäne bleiben", erklärt Vater Thomas, der beim Kreisfußballverband den Spielausschuss leitet. Keine einfache Zeit für seinen 16-jährigen Sohn. "Es ist nicht einfach, innerhalb kurzer Zeit von 100 auf 0 zu fahren", erklärt Thomas Roscher. Wegen der Quarantäne sind auch keine Läufe möglich. "Nur Stabilitäts- und Krafttraining." Zwar gibt es einen Trainingsplan, "aber die Möglichkeiten sind beschränkt". (frgu)

Erik Löser,

Ringer in Leipzig

Am Nachwuchsbundesstützpunkt in Leipzig wird nicht mehr trainiert. "Ich bin gerade auf dem Weg nach Hause", whatsappte Erik Löser am Donnerstag. Der deutsche Juniorenmeister vom RSK Gelenau durfte zwar bis die Tage noch etwas an seiner Fitness arbeiten. "Wir haben die Woche trainiert, aber nur draußen im Park und auf einer Laufstrecke", schrieb der Herolder, der vor wenigen Tagen seinen 21. Geburtstag feiern konnte, in die Heimat. Er steht kurz vor den Abiturprüfungen. "Aber die dürften sich wohl verzögern. Soweit ich weiß, werden sie verschoben", so der starke Kerl. In schlechten Zeiten hat er auch eine gute Nachricht, zumindest für sich und seine Angehörigen im Erzgebirge: "Ich habe das Auswahlverfahren bei der Polizei hinter mir und bin so gut wie drin." (mas)


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