Licht am Ende einer finsteren Saison

Wiederholt sich Historie oder wendet sich das Blatt? Vor allem für die Männer ist das Jubiläum "70 Jahre Handball in Zschopau" von besonderer Bedeutung. Sie stehen an einem Scheideweg, den es in der Vereinsgeschichte schon einmal gab.

Zschopau.

Jubiläen sind immer ein Grund, genauer in die Geschichtsbücher zu schauen. Dies ist auch im Fall der Zschopauer Handballer so, die am Wochenende das 70-jährige Bestehen ihrer Sportart in der Motorradstadt feiern. Ein Eintrag in der Chronik lässt dabei aufhorchen. "Da kein Nachwuchs vorhanden war, löste man den Männerhandball auf und konzentrierte sich auf den Frauenbereich", heißt es dort. Treffender könnte man das Szenario nicht beschreiben, das aktuell dem TSV Zschopau droht. Allerdings stammen die Worte bereits aus der Mitte der 1950er-Jahre.

Dass es schon damals eine solche Krise gab und diese mit Bravour gemeistert wurde, wie Erfolge der Männer in den späteren Jahren beweisen, lässt den TSV Zschopau hoffen. "Wenn wir Pessimisten wären, würden wir gar nicht erst hier sitzen", sagt Michael Fritsch. Als Trainer der Herren hatte er in der zurückliegenden Saison kaum Grund zur Freude. Mit nur zwei Siegen aus 22 Partien wurde der TSV Tabellenletzter der 1. Bezirksklasse und muss daher ausgerechnet im Jubiläumsjahr in die Kreisliga absteigen. Seinen Elan hat sich Fritsch aber nicht nehmen lassen. Zwar verkündete er seinen Abschied von der Trainerbank, doch ist er im Verein weiterhin aktiv und trägt viel zur Organisation des Jubiläums bei.

"Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich meist auch eine andere", sagt der 56-Jährige aus eigener Erfahrung. Als der Marienberger Männer-Handball Anfang der 1980er-Jahre keine Zukunft mehr hatte, fand Michael Fritsch in Zschopau eine neue Herausforderung. Es war genau der richtige Schritt, wie sich herausstellte. Die Zschopauer waren froh über einen wurfstarken Linkshänder, und der Marienberger war froh über die Entwicklung. "Am schönsten war die Zeit in der Verbandsliga", sagt Fritsch mit Blick auf die Jahre von 1995 bis 1998.

Nach vielen Spielzeiten auf Bezirksebene sind die TSV-Männer nun an einen Tiefpunkt gelangt. So sehr den Ex-Trainer der angekündigte Abschied mancher junger Spieler auch ärgert: Fritsch sieht im anstehenden Jubiläum eine Chance, wieder mehr Interesse und Begeisterung zu wecken. Um kurzfristig den Spielbetrieb zu erhalten, seien vor allem die Oldies gefragt. "Es sieht so aus, als hätten wir in der neuen Saison nur 12 oder 15 Spiele auf dem Programm", sagt der TSV-Verantwortliche, der erst kürzlich bei einer Staffeltagung war. Dort wurden der Kreisliga Erzgebirge sieben Mannschaften zugeordnet, von denen sich der HC Annaberg-Buchholz II aber zurückgezogen hat. "Eventuell spielen wir dann dreimal gegen die anderen fünf Teams", so Fritsch.

Zu weit in die Zukunft will der 56-Jährige nicht blicken. Der Fokus liegt voll und ganz auf dem Jubiläum, bei dem deutlich werden soll, dass das Vereinsleben trotz der dünnen Personaldecke im Männerbereich weiterhin intakt ist. So werden am Samstag ab 12 Uhr fünf Partien in der Nexö-Halle ausgetragen. Den Höhepunkt stellt am Abend das Spiel der Männer gegen den Zwönitzer HSV aus der Sachsenliga dar. Zuvor zeigen die Frauen, die Altherren sowie die E- und C-Junioren ihr Können. Eröffnet werden die Festlichkeiten bereits am Freitagabend mit dem 9. Fanturnier.

Langfristig ist natürlich die junge Generation gefragt, wenn es um die Zukunft geht. "Aber das ist ein generelles Problem", betont Fritsch. Kinder zu begeistern, sei nicht allzu schwierig: "Oft kommt der Bruch im Altersbereich von 16 bis 18 Jahren, wenn das Berufsleben beginnt." Die Hoffnung, den Männer-Handball am Leben zu halten, hat er aber noch längst nicht aufgegeben. Vielleicht kommt es mithilfe eines gelungenen Jubiläums ja gar nicht erst so weit wie in den 1950er-Jahren, als nur noch die Frauen spielten. Laut Chronik ging es erst Jahre später bei den Herren weiter: "1962 wurde bei der SG Fortschritt wieder mit dem Männerhandball begonnen."

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