Linkshänder auf Höhenflug

Alister Seltmann zählt zu den größten Tischtennis-Talenten Sachsens. Der 16-Jährige, der das ABC seiner Sportart in Falkenau gelernt hat, geht seit dieser Saison für Gornsdorf in der Oberliga an die Platte - und überzeugt in jeder Hinsicht.

Gornsdorf.

So richtig rund läuft es gerade nicht. Knallharter Abstiegskampf ist angesagt bei den Tischtennisspielern des TSV Elektronik Gornsdorf. Doch bei aller Tristesse gibt es auch einen Lichtblick im Team des Oberligisten. Denn mit Alister Seltmann haben die Erzgebirger ein Nachwuchstalent in ihren Reihen, das in dieser Saison für sehr viel Freude sorgt. Und das auch aktuell wieder: Bei der knappen und etwas unglücklichen 7:9-Niederlage des Tabellenneunten beim Zweiten Zella-Mehlis ging der 16-Jährige als einziger Gornsdorfer dreimal siegreich von der Platte.

Seltmann, bei dessen in Deutschland doch recht ungewöhnlichen Vornamen der schottische Rallyefahrer Alister McRae Pate stand, kommt aus Euba, im Osten von Chemnitz. An der dortigen Grundschule, beim Freizeitspiel, fiel sein Talent früh auf - ein Freund nahm ihn mit zum TSV 1888 Falkenau, für den er auch heute noch bei Einzelmeisterschaften antritt. Schon bei seinem ersten Turnier, in der U 11, schaffte er es von der Kreis- über die Bezirks- bis zur Landesebene. Mit gerade zwölf Jahren ging er in seine erste Kreisligasaison bei den Herren, die er mit 25 Siegen und nur einer Niederlage abschloss. Die 2. sowie die 1. Bezirksliga folgten auf dem Fuß, bevor er zum TTV Schwarzenberg in die Sachsenliga wechselte.

Der Kontakt nach Gornsdorf kam durch einen Zufall zustande. Seltmann besuchte ein Spiel der Damen-Mannschaft des BSC Rapid Chemnitz in der 3. Bundesliga. Dort spielt Franziska Lasch, die Frau von TSV-Kapitän Chris Lasch, mit dem er ins Gespräch kam. Dass sich Alister Seltmann entschied, zu den Elektronikern zu wechseln, freut Chris Lasch ungemein. "Er hatte mehrere Optionen, hätte auch nach Burgstädt oder Hohenstein-Ernstthal gehen können", sagt er. Doch der Gymnasiast, der im kommenden Jahr in Flöha sein Abitur bauen will, entschied sich für Gornsdorf. "Ausschlaggebend war für mich die Atmosphäre. Die Stimmung im Volkshaus bei Heimspielen ist fantastisch. Man merkt, dass der Verein eine große Tradition hat", so der Teenager, der nach auskuriertem Patellaspitzensyndrom - die Folge einer Reizung der Kniescheibe - im Oberliga-Team regelmäßig zum Zug kommt und dort derzeit fest an Position 6 steht. An das Niveau hat er sich mittlerweile gewöhnt. "Das Spiel ist schneller und trotzdem sind die Ballwechsel insgesamt deutlich länger als in den tieferen Klassen", sagt er. Als Linkshänder habe er einen gewissen Bonus. "Außerdem helfen mir meine Aufschläge viel", sagt er. In Sachen Schnelligkeit gebe es dagegen noch Reserven. "Aber jedes Training bringt mich weiter", so Seltmann, der als seine Lieblingsspieler die beiden Japaner Jun Mizotani und Koki Niwa nennt - beide ebenfalls Linkshänder.

Mit seinen 16 Jahren wirkt er bemerkenswert reflektiert, auch was seine Zukunft betrifft. Unrealistischen Blütenträumen hängt er nicht nach. "Vom Tischtennis kann man in Deutschland nicht leben, außer man heißt Timo Boll", sagt er. Deshalb habe er nach reiflichem Überlegen auch abgelehnt, das Chemnitzer Sportgymnasium zu besuchen. Trotzdem will die Sportskanone, die nebenbei auch viel schwimmen geht oder auf der Skipiste zu finden ist, an der Platte weiter für Furore sorgen. Einmal bei Meisterschaften: Da standen für ihn bei den jüngsten U-18-Landestitelkämpfen Platz 3 im Einzel und Platz 2 im Doppel zu Buche. Und dann natürlich mit seinem Verein im Ligabetrieb. "Der Klassenerhalt ist zumindest über die Relegation immer noch realistisch", sagt Seltmann, der für die kommende Saison bereits Druck vom Kessel genommen hat. "Ich bleibe auf jeden Fall in Gornsdorf. Ob wir drinbleiben oder nicht."


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