Mädchen dringen in Männerdomäne vor

Jahrelang wurde nur trainiert. Nun sind die Nachwuchs-Faustballer des SV Großrückerswalde bereit für ihr Debüt.

Großrückerswalde.

Seit einigen Wochen sieht sich Michael Nestler jeden Freitagnachmittag vielen Fragen ausgesetzt. Was denn in Rochlitz so los sein wird, wollen die Mädchen und Jungen vom Faustball-Trainer des SV Großrückerswalde wissen. Auf wie viele Mannschaften sie treffen, wie groß das Feld ist, ob sie gewinnen können - dies und noch viel mehr wollen die Nachwuchsspieler herausfinden. Die Antworten, sofern sie Michael Nestler nicht schon gegeben hat, erfahren die Großrückerswalder am Sonntag. Denn dann treten sie zu ihrem ersten Wettkampf an.

Um für den Schülercup in Rochlitz gerüstet zu sein, hat die Mannschaft hart trainiert. Immer wieder Aufschläge, Zuspiel und kräftige Schläge über die 1,60 Meter hohe Leine. Trotzdem ist Nestler genauso gespannt auf den Sonntag wie die Kinder. "Ich weiß nicht, was auf uns zukommt. Wir lassen uns überraschen, denn wir haben kein Vergleich über die Spielfertigkeiten der anderen Mannschaften", erklärt der Trainer, der zwei Teams an den Start schickt. Bisher haben diese nur unter sich gespielt, nun folgt die erste echte Standortbestimmung.

Die Teilnahme am Turnier ist ein Novum für die Großrückerswalder, denn in ihrem Verein war Faustball stets eine Domäne der Männer. Erstmals steigen nun auch Mädchen in den Spielbetrieb ein. Aus seinem zehnköpfigen Kader - alle Spieler sind zwischen acht und zwölf Jahre alt -hat Michael Nestler eine männliche und eine weibliche Vertretung zusammengestellt. Mit dabei ist dann auch Larissa Schreiter. Die Elfjährige kommt schon lange zum Training. Kein Wunder, schließlich ist sie die Nichte des ehemaligen Großrückerswalder Faustballers Roy Löser. Als er 2013 die Nachwuchs-Mannschaft ins Leben rief, war Larissa sofort mit Begeisterung dabei. "Es macht richtig Spaß. Bei Roy und Micha haben wir schon viel gelernt. Wir können es kaum erwarten und sind aufgeregt," sagt die Fünftklässlerin. Ihre Schwester Vanessa ist ebenfalls dabei, Vater Thomas hilft Michael Nestler, die manchmal etwas ungeduldigen und aufgedrehten Kids zu "bändigen".

Aus dem Ball über die Schnur, mit dem es im Herbst 2013 losging, ist ansehnlicher Faustball geworden. "Ich wollte damals einfach, dass die Kinder sich sportlich bewegen, ihnen den Umgang mit dem Ball vermitteln", sagt der inzwischen in der Schweiz lebende Roy Löser. Trotz der großen Entfernung hält er immer noch Kontakt zu seinen einstigen Schützlingen und fiebert mit: "Ich bin am Sonntag bestimmt mindestens genauso aufgeregt wie die Kinder." Deren Ziel lautet Nestler zufolge, Erfahrungen zu sammeln und die Motivation hochzuhalten.

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