"Mehr Zeit für die schöne Landschaft"

Nicht jeder Tag ist wie der andere. Diese Erfahrung hat Stefan Fritzsche beim Rennsteiglauf gemacht. Obwohl der Sportler des TSV 1872 Pobershau nicht seine Bestform erreichte, war der Ultramarathon für ihn ein Genuss.

Pobershau.

Gerade mal sechs Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Trotzdem trägt Stefan Fritzsche nur ein dünnes Hemd. Zusammen mit 1500 anderen Ausdauersportlern steht er auf dem Eisenacher Marktplatz, um gleich den 73,9 Kilo- meter langen Supermarathon des 47. Rennsteiglaufs in Angriff zu nehmen. Andere haben sich warm eingepackt. Sofern sie sich nicht bald ihrer dicken Kleidung entledigen, dürften sie ihre Wahl bald bereuen. "Viele machen den Fehler, sich zu warm anzuziehen", sagt Fritzsche, der nicht unnötig schwitzen will.

6 Uhr ertönt der Startschuss, und schon sechs Minuten später hat das Frösteln für den 34-jährigen Pockauer ein Ende. Nicht nur, dass jetzt die Sonne aufgeht. Auch die Vorhersagen der Wetter-Experten bewahrheitet sich. Unter blauem Himmel klettern die Temperaturen im weiteren Verlauf auf 20 Grad. Erwärmen kann sich Stefan Fritzsche auch an der guten Stimmung - am Streckenrand sowie unter den Läufern: "Das ist wie eine große Familie, man trifft viele bekannte Gesichter."

Perfekt ist auch die Organisation. Doch Wasser, Bananen und Energieriegel an den Verpflegungsstellen helfen nicht so wie sonst. Schon nach wenigen Kilometern merkt Fritzsche, der für den TSV 1872 Pobershau antritt, dass er es ruhiger angehen lassen sollte. "Nicht jeder Tag ist wie der andere, das ist einfach so." Weil er sich müde fühlt, nimmt der 34-Jährige das Tempo raus, zumal es auf den ersten 25 Kilometern fast ständig bergauf geht. Fast 50 weitere warten noch. "Da muss man sich die Kräfte wirklich einteilen."

Trotz einer guten Vorbereitung mit zwei Marathons und idealem Laufwetter, das den Regen und die Kälte der vergangenen Wochen vergessen lässt, kommt Stefan Fritzsche auch später nicht in Schwung. An die 6:52 Stunden, die er im Jahr 2017 erreichte, kann er einfach nicht herankommen, was das Erlebnis nicht mindert: "So habe ich mehr Zeit, die wunderschöne Landschaft zu genießen." Als der Pockauer dann endlich am Ziel in Schmiedeberg eintrifft, bleibt die Uhr bei 8:21 Stunden stehen. "Keine Glanzzeit, aber immerhin durchgekommen." Außerdem gewinnt der 60. der AK 30 damit das vereinsinterne Duell gegen Kai Nitzsche (118./M 35), der nach 8:55 Stunden in Schmiedeberg eintrifft.

Auch die Teilnehmer der kürzeren Distanzen trudeln ein. So wie der Pobershauer Michael Hengst (226./M 40) oder die Zschopauerin Petra Beyer (31./W 40), die den Marathon hinter sich haben. Auf dem Halbmarathon waren zudem Mathias Bodack (65./M 40) und Tommy Kreutzberg (131./M 30) aus Zschopau dabei. Nicht zu den Aktiven gehörte diesmal Sten Reichel. Der Trainer des TSV 1872 Pobershau kümmerte sich ausschließlich um die Betreuung, will aber im nächsten Jahr wieder laufen. "Am 16. Mai 2020 ist es wieder soweit", weiß Stefan Fritzsche, weil er sich morgens, 5 Uhr, beim Frühstück via Smartphone schon dafür angemeldet hat.

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