Meister auf zwei Kontinenten

Nachwuchsringer aus dem Erzgebirge haben sich bei den Staatstitelkämpfen in Südafrika die Krone aufgesetzt. Doch bei der zweieinhalbwöchigen Reise ging es keineswegs nur um den Sport.

Gelenau.

Südafrikanischer Meister - wer kann das schon von sich behaupten? Okay, nicht wenige Südafrikaner natürlich. Doch deutsche Sportler dürfen sich vermutlich eher selten mit diesem Prädikat schmücken. Einige Nachwuchsringer aus der Region nun allerdings schon. Zweieinhalb Wochen lang waren die Schüler - und zum Teil Ehemaligen - der Sportoberschule Leipzig im südlichsten Staat des afrikanischen Kontinents unterwegs, um dort ein Trainingslager zu absolvieren - und eben an den Landesmeisterschaften teilzunehmen. "Die Kontakte reichen schon einige Zeit zurück. Jedes Jahr reist eine Gruppe sächsischer Ringer nach Südafrika oder die Südafrikaner kommen zu uns. Immer abwechselnd", erklärt Steffen Richter, Trainer des RV Thalheim. Seine Tochter Cassidy gehörte zu den 20Athleten - allesamt aus dem Lager der Freistiler - die die Reise mitgemacht haben. "Wir waren in der ersten Woche bei Gastfamilien in und um Pretoria untergebracht, danach gemeinsam im Hotel", sagte die deutsche B-Jugend-Meisterin.

Naemi Leistner wohnte bei denselben Gasteltern. Die Drebacherin, die im Sommer vom Zschopauer zum Thalheimer Verein wechselte, weil sie dort bessere Trainingsbedingungen vorfindet, zeigte sich von Südafrika sehr angetan. "Die Landschaft ist wunderschön. Bei 25 bis 30Grad ließ es sich dort gut aushalten, aber ich habe es mir sogar noch heißer vorgestellt", so die 14-Jährige, die bei Bundestitelkämpfen auch schon ganz oben auf dem Treppchen stand. Überhaupt hatten die Erzgebirger reichlich Zeit, Land und Leute zu entdecken. So lernten sie die Faszination Rugby kennen, in Südafrika Nationalsport Nummer 1, besuchten einen Wasserpark und nahmen an einer Fotosafari durch den 55.000 Hektar großen Pilanesberg-Nationalpark teil. "Wir waren mit Kleinbussen unterwegs. Einmal früh und einmal abends. In der Mittagshitze ist das eher nicht zu empfehlen", so Leistner. Elefanten, Nashörner und Zebras habe sie gesehen. "Aber leider keine Raubtiere."

Kim Schaarschmidt vom RSK Gelenau haben neben den Naturschönheiten auch gesellschaftliche Belange beeindruckt. "Arm und Reich liegen ganz dicht beieinander", hat der Zehntklässler des Sportgymnasiums beobachtet. Seit 2016 trainiert er in Leipzig, nachdem er zuvor ab der 5.Klasse an der Sportschule in Chemnitz gelernt hat. Einiges hat er dadurch schon gesehen. "Aber die Reise nach Südafrika war ein echtes Erlebnis, dort herrscht eine ganz andere Kultur. Vor allem durch die Übernachtung bei Gastfamilien haben wir davon viel mitbekommen", so der 16-Jährige, der aber nicht an Südafrikas Meisterschaften teilnehmen konnte. "Wir Älteren haben nur Mannschaftsvergleiche bestritten, für uns gab es keine Titelkämpfe", erzählt er. Das Leistungsniveau kann er dennoch einschätzen: "Die Südafrikaner kommen mehr über die Kraft, wir eher über die Technik. Meist hat sich die bessere Technik durchgesetzt."

So war auch der Eindruck von Tim Hamann vom RV Lugau, dessen Eltern zudem als Betreuer in Südafrika waren. "Ein schönes Land, aber leben möchte ich dort nicht", sagte er. Gerade die Kriminalität sei allgegenwärtig. "Vieles ist extrem abgesichert. Aber trotzdem ist es gefährlich, sich im Dunkeln draußen aufzuhalten. Davon wurde uns abgeraten." Auch Hamann hatte das Pech, nur Freundschaftskämpfe bestreiten zu dürfen - bis auf ein Mannschaftsduell gegen Südafrika, das 4:4 ausging.

Die Jungs der U 13 und U 15, die an den Staatstitelkämpfen teilnehmen konnten, gewannen fünf Gold- und zwei Bronzemedaillen für das sächsische Team, die Mädchen standen achtmal ganz oben und gewannen zudem einmal Silber. Gold schürften übrigens Cassidy Richter und Naemi Leistner. Ringen habe dort zwar einen geringeren Stellenwert als Rugby hierzulande, so die 14-jährige Drebacherin, aber: "In zwei Jahren will ich auf jeden Fall wieder mit nach Südafrika." (mit mas)

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