Meister-Duo schreibt Geschichte

Die A-Jugendlichen Gerda Barth und Connor Sammet sind deutsche Meister im Ringen. Einen Doppelerfolg wie diesen gab es für die Auer Mattenfüchse des FC Erzgebirge noch nie.

Aue.

Gefühlt 1000-mal hat sie ihren Trainer während der Heimreise von Berlin gefragt, ob sie jetzt wirklich deutsche Meisterin ist. So sehr hatte sich Gerda Barth den Titel gewünscht, den sie holte. Die 16-Jährige schrieb damit Geschichte für die Abteilung Ringen des FC Erzgebirge. "Noch nie gab es ein Mädchen oder eine junge Frau, die für die Auer Ringer einen so großen Erfolg gelandet hat", sagt Chef-Trainer Björn Schöniger, der vermutlich nervöser war als sein Schützling selbst.

Und es sollte nicht der einzige Triumph bleiben, dazu aber später mehr. Gerda Barth ist Bescheidenheit eigen. Die 16-Jährige wirkt - ob im Training oder im Duell - ruhig, fast zurückhaltend. "Selbst auf dem Siegertreppchen lächelte sie nur leicht", so Schöniger, der weiß, warum: "Aus Respekt vor den anderen, die sie bezwungen hat." Deutsche Meisterin im 61-Kilogramm-Limit im freien Stil werden, das wollten in der A-Jugend zehn Kämpferinnen. Die Oberschülerin aus dem Schneeberger Ortsteil Griesbach hat es geschafft - und ist zum ersten Training nach dem Turnier würdig von allen begrüßt worden: mit Glückwünschen, Sekt, dem Finalkampf auf Video, Torte und Kuchen. Da sei ihre Gefühlslage schwer zu beschreiben, sagt sie. Vor den Duellen habe sie indes nur einen Gedanken gehabt: "Dass ich den Titel unbedingt will."

Mitgefiebert haben aber nicht nur Abteilungsmitglieder und Trainingskollegen, etwa aus Erstliga- und Landesliga-Team. Auch ihre Familie verfolgte das Geschehen via Internet. "Als ich vom Siegerpodest runter stieg, war das Telefon voll mit Nachrichten." Vor Jahren kam Gerda Barth über ihren Bruder Jakob zum Ringen - und blieb. "Ich habe es ihr voll und ganz zugetraut", sagt dieser. Seine Schwester sei schnell und technisch top. "Sie kämpft alles aus und gibt nie auf", so Jakob. Das schätzt auch der Trainer an ihr und würde sich mehr Mädels in den Reihen der Auer wünschen. "Vielleicht ist Gerda ja für einige Anreiz."

In Berlin zog sie zu Beginn zwei schwere Lose. So ging es für die Griesbacherin zum Auftakt gegen Jasmin Jakob und danach gegen Luise Scheel aus Warnemünde, der sie bei der mitteldeutschen Meisterschaft im Finale unterlag. "Diesmal taktierte Gerda clever", so Schöniger. Athletik und Kopf - alles passte beim Durchmarsch mit 38:1 technischen Punkten und drei vorzeitigen Erfolgen. "So fokussiert habe ich sie nie erlebt." Dafür trainierte Gerda Barth hart - und bereitet sich nun auf den nächsten Kracher vor: Sie vertritt den FCE bei der Europameisterschaft der Kadetten vom 17. bis 23. Juni in Faenza in Italien. Wer glaubt, dass sie nur dabei sein will, irrt gewaltig. "Sie wird ihr Bestes geben. Wie immer", so Schöniger.

Connor Sammet würde ihr gern folgen: Nur eine Woche nach Gerda machte der 17-Jährige das Meister-Double für den FCE perfekt. In Witten holte der Eibenstocker das einzige Sachsengold bei der Meisterschaft der Jugend A im griechisch-römischen Stil. Fünf Konkurrenten ließ er im 92-Kilogramm-Limit keine Chance, gewann ebenfalls überlegen - mit 64:4 technischen Punkten und drei vorzeitigen Siegen.

Der Empfang für ihn in Aue fiel genauso herzlich aus, wie zuvor für seine Trainingskollegin. Erneut gab es Jubel, Sekt und Süßes. "Jede Woche geht das aber nicht. Das kostet zu viel Trainingszeit", so Schöniger schmunzelnd. Nicht nur beim Meister-Duo bedankte er sich für super Leistungen, sondern auch bei der ganzen Trainingsgruppe. "Alle haben mit Gerda und Connor gearbeitet, sie gefordert und ihnen ein Stück weit das Rüstzeug für diese tollen Erfolge mitgegeben."

Im Fall von Connor, der in Witten mit Würfen und Aushebern punktete, war das Finale besonders spannend. Schon zweimal hatte er bis dahin gegen David Ovsjanikov vom ASV Vörstetten verloren. "Ich stellte Connor taktisch genau auf diesen Gegner ein." Der Auer setzte beim 5:1 alles um. "Ich war drei Tage angespannt, stand fast ein bisschen neben mir", sagt Connor selbst, der sich vor allem eines vornahm: "Zuerst punkten." Das sei wichtig, weil dann der Gegner in Zugzwang gerät. "Ich war zu hundert Prozent überzeugt, dass ich den Titel hole und ließ auch gar keine Zweifel zu." Ringen ist eben vor allem Kopfsache, wie sein Trainer gern betont.

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